Valiant-CEO Markus Gygax: «Wir werden die Beratung ausbauen»

Markus Gygax, CEO der Valiant Bank in Bern.
Markus Gygax, CEO der Valiant Bank in Bern.

Ein erfolgreiches Anlageteam der Valiant-Bank wechselt zu Julius Bär. Markus Gygax, CEO der Valiant-Bank, nimmt Stellung.

Herr Gygax, ein ganzes Team geht zur Konkurrenz. Ist das für Sie einfach unangenehm, peinlich, ärgerlich oder eine Kata­strophe?
Markus Gygax: Das ist natürlich unangenehm, weil es teilweise Kunden verunsichert. Persönlich bin ich sehr enttäuscht, dass es uns nicht gelungen ist, unsere Anlageberater von der neuen Ausrichtung zu überzeugen, alles aus einer Hand anzubieten: An­lageberatung und Hypotheken, später dann auch noch Vorsorge.


Glauben Sie wirklich, dass Ihre Leute wegen der neuen Ausrichtung die Bank verlassen?
Ich habe in den letzten Monaten verschiedene Gespräche geführt und gespürt, dass nicht alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von der neuen Ausrichtung überzeugt sind.


In der Branche werden aber ganz andere Gründe herumgereicht. Hauptgrund sei der neue Leiter Unternehmens- und Vermögensberatungskunden, Marc Praxmarer, der Nachfolger von Martin Gafner.
Zu Gerüchten nehme ich keine Stellung. Ich kann nur sagen, dass Marc Praxmarer mit seiner Erfahrung im Firmenkundengeschäft und in der Vermögensberatung der richtige Mann ist für diesen Posten. Er kann den Bereich weiter entwickeln. Die Vermögensberatung bleibt wichtig für Valiant, das haben wir immer betont.


Offenbar gibt es Leute, die davon ausgehen, dass die Valiant zu einer Postfinance en miniature mutieren will.
Darüber kann ich nur den Kopf schütteln. Wir sind eine Beraterbank und werden die Beratung weiter ausbauen. Das ist seit je ein wichtiges Element in der Tradition von Valiant, und daran halten wir fest. Alle anderen Vergleiche sind Unsinn.

"Wir schliessen die Schalter, nicht die Geschäftsstellen".
"Wir schliessen die Schalter, nicht die Geschäftsstellen".

Aber Sie wollen Schalter schliessen. Am liebsten möchten Sie am Schalter keine Kunden mehr ­beraten müssen. Das sagten Sie wörtlich.
Wir schliessen die Schalter, nicht die Geschäftsstellen, weil unsere Kunden die Ein- und Auszahlungen mehr und mehr elektronisch oder an Bancomaten abwickeln. Die Transaktionen am Schalter nehmen jedes Jahr um 15 Prozent ab. Aber wir wollen ganz klar mehr Beratungen in den Geschäftsstellen. Und wenn wir Schalter schliessen, so haben unsere Mitarbeiter mehr Zeit, unsere Kunden ausführlich zu beraten, was in der immer komplexer werdenden Bankenwelt einen Mehrwert bringt.


Was machen Sie jetzt? Werden Sie die verlustig gegangenen Mitarbeiter ersetzen? Das dürfte ja nicht so einfach sein.
Wir haben intern bereits Massnahmen ergriffen. Der neue Regionenleiter Bern ist bestimmt. Unsere bestehenden Berater werden vorübergehend zusätzliche Kunden betreuen. Und dann werden wir die austretenden Mitarbeiter ersetzen. Valiant ist ein attraktiver Arbeitgeber. Ich bin sicher, dass wir die offenen Stellen rasch besetzen können.


Was kehren Sie vor, damit die abtrünnigen Mitarbeiter ihre Kunden nicht mitnehmen?
Das sind Valiant-Kunden. Die Kundenberater dürfen diese nicht abwerben. Wir haben un­sere Kompetenz in diesem Bereich immer wieder bewiesen. Vermögensberatung ist Teamarbeit über verschiedenste Bereiche einer Bank. Das ist nicht abhängig von einzelnen Personen. Davon werden wir die Kunden überzeugen. 

 

Erschienen in der BZ am 6. Juli 2016

Claude Chatelain