Bereits vor fünf Jahren warb Julius Bär ein ganzes Team ab

Der Wechsel des 11-köpfigen Valiant-Teams um Jean-Claude Mariétod weckt Erinnerungen: Vor fünf Jahren warben die „Bären“ der Credit Suisse Bern 10 Leute ab. Mehr als die Hälfte hat Julius Bär inzwischen wieder verlassen.

 

 

„Julius Bär verschärft den Wettbewerb in Bern“, titelte im Februar 2011 das Finanzportal Finews. „Die Zürcher Traditionsbank hat sich ein zehnköpfiges Team von der Credit Suisse geangelt“. Chef des Teams war Giuseppe Pascali, der zuvor dreissig Jahre lang der Credit Suisse die Treue hielt. Bei Bär war seine Treue indessen nicht von langer Dauer. Sie währte gerade drei Jahre. Seit zwei Jahren arbeitet  Pascali  nun bei der UBS in Bern. Doch auch seine Mitarbeiter hielten es bei Bär nicht lange aus. Die Mehrheit davon ist bereits wieder anderswo beschäftigt.

 

 

 

Generell fällt bei Julius Bär eine grosse Fluktuation auf. Der Grund ist in der Führungsetage in Zürich zu suchen, wo sich die  Verantwortlichen ebenfalls die Klinke in die Hand geben. „Man holt ein Team, und wenn sie nicht sofort die Zahlen bringen, sind sie wieder weg“, erklärt ein Insider. Auch die  Niederlassungsleiter in Bern wechseln sich zügig ab. Der derzeitige Filialleiter heisst Patrick Héritier, der dritte seit fünf Jahren. Für eine Stellungnahme war er nicht zu sprechen. Stattdessen meldete sich eine Sprecherin vom Hauptsitz in Zürich. Sie bestätigte lediglich, dass das Team der Valiant-Bank zu Julius Bär stosse. Zur grossen Fluktuation der zurückliegenden Jahre sagte sie nichts. Nicht einmal die Anzahl der Mitarbeiter in der Berner Niederlassung wollte sie verraten.

 

 

 

Die Geschichte der Berner Filiale von Julius Bär reicht ins 19. Jahrhundert zurück. Es ist die Geschichte der Armand von Ernst, einem altehrwürdigen Berner Bankhaus. Mangels Familiennachfolge ging die Privatbank 1976 zum Schweizerischen Bankverein über, der später mit der Bankgesellschaft zur UBS fusionierte. Die fusionierte Grossbank liess Armand von Ernst vorerst selbständig gewähren. 2003 legte sie dann die Berner Privatbank mit zwei anderen Privatbanken zusammen. "Einiges deutet darauf hin, dass die UBS ihre Privatbanken Cantrade, Ehinger und Armand von Ernst für einen Verkauf bereit macht", schrieb damals die "Bilanz". Das Wirtschaftsblatt sollte recht behalten: Drei Jahre später verkaufte die Grossbank ihre Privatbanken für 5,6 Milliarden Franken der Zürcher Vermögensverwaltungsbank Julius Bär .

 

 

 

Schon vor dieser Akquisition versuchten die „Bären“, in der Bärenstadt Fuss zu fassen. Im September 2000 eröffneten sie an der Spitalgasse eine Filiale. Filialleiter war der umtriebige Peter Beck. „Wir haben ambitiöse Pläne. Wir denken nicht nur an die Agglomeration Bern, sondern ans Mittelland, das Seeland, das Emmental und das Berner Oberland“, erklärte Beck damals der Berner Zeitung. Die Pläne sollten nicht aufgehen. Vier Jahre später wurde die Niederlassung wieder geschlossen.

 

Erschienen auf BZ-online am 5. Juli 2016

 

Claude Chatelain