Björn Zern zu den nichtkotierten Berner Werten im ersten Semster

Björn Zern.
Björn Zern.

Biella Neher und Intersport sind zwei Berner Unternehmen, deren Aktien neu bei der BEKB gehandelt werden. Was sonst noch im zurückliegenden Semester aufgefallen ist, erklärt der Nebenwerte-Spezialist Björn Zern.

Nichtkotierte Werte sind häufig Liebhaberaktien. Man kauft sie, weil man einen persönlichen Bezug zum Unternehmen hat. Oder weil man die Gesellschaft, mit der man sich persönlich verbunden fühlt, unterstützen und dazugehören möchte. Solche Aktien werden an der OTC-X, der Handelsplattform der Berner Kantonalbank, ausserbörslich gehandelt. Björn Zern ist einer, der sich mit solchen Werten auskennt. Der diplomierte Betriebswirt gründete Anfang 2013 das Unternehmen Zern & Partner, das sich schwergewichtig mit nichtkotierten Aktien beschäftigt. Hier seine schriftlichen Erläuterungen und Antworten zu ausgewählten Berner Werten, die im ersten Halbjahr 2016 aufgefallen sind:

 

Biella Neher: Der Neuankömmling fällt mit hohem Umsatz und einem hohen Kursgewinn auf. Was meint Björn Zern dazu? «Die Biella-Aktien wurden bis zum 27. November an der Berner Börse (BX) gehandelt und anschliessend dekotiert. Da einige institutionelle Anleger aufgrund ihrer Statuten nicht in ausserbörsliche Aktien investieren dürfen, mussten sie ihre Titel verkaufen. Dies hat an der BX zu einem Kurssturz von fast 50 Prozent geführt. Die niedrige Bewertung, eine attraktive Dividende und das neue Projekt Simply Find haben dazu geführt, dass sich neue Anleger für das Unternehmen interessieren beziehungsweise bestehende – wie die Beteiligungsgesellschaft Nebag – ihre Position bei niedrigen Kursen aufstockten.»

 

Intersport ist auch neu auf der OTC zu finden. «Die Situation bei Intersport ist ähnlich wie bei Biella: Viele Aktionäre haben vor der Dekotierung an der Schweizer Börse verkauft. Dann gab es Erholungstendenzen im OTC-Markt. Allerdings besitzt Verwaltungsratspräsident Nicolas Berry seit Jahren mehr als 90 Prozent der Aktien, sodass der handelbare Freefloat sehr gering ist. Die Dekotierung wäre schon längst überfällig. Ein Abfindungsangebot an die Kleinaktionäre ist aber leider nicht in Sicht.»

 

Loeb PS versus Loeb Inhaber: Immer wieder interessant, oder? «Der Preisunterschied besteht nach wie vor. Gehandelt werden, wie die Volumen zeigen, vor allem die Partizipationsscheine. Die Abhängigkeit von der Familie Loeb durch die spezielle Titelstruktur ist einer der Gründe für die niedrige Bewertung. Hinzu kommt der Strukturwandel im Detailhandel mit Onlinekonkurrenz, Einkaufstourismus, der auch für Loeb eine Herausforderung ist.»

 

Schweizer Zucker: Boden erreicht? «Erreicht ja, aber die Talsohle noch nicht durchschritten. Der Zuckermarkt bleibt schwierig. Es ist billiger, Zucker in der EU zu kaufen, als in der Schweiz zu produzieren. Auch 2015/2016 wird für die Zucker AG schwierig bleiben.»

 

Kongress- und Kursaal Bern: Im 1. Semester 2015 wurden für 4,6 Millionen Franken Aktien umgesetzt. Heuer beträgt der Umsatz einen Bruchteil davon. Was macht Marazzi? «Der Jahresabschluss 2015 war durchwachsen. Das Kongressgeschäft blieb hoch defizitär, während die Casinos in Bern und Neuenburg gut gelaufen sind und im Branchenvergleich besser abgeschnitten haben. Das gute Ergebnis mit einem Gewinn von 3,3 Millionen Franken war geprägt durch einen ausserordentlichen Erlös aus dem Verkauf von Land an den Bauunternehmer Bruno Marazzi, der auch grösster Aktionär ist. Wegen der Investitionen in den Anbau mussten die Aktionäre auf eine Dividende verzichten.»

 

Weiss + Appettito: Kursverlust von 11,5 Prozent. Gibts einen plausiblen Grund? «Grund dafür ist das schwache Geschäftsergebnis für 2015, das durch den Kursverfall beim Euro geprägt war. Gewinneinbruch auf 0,5 Millionen Franken im Jahr 2015.»

 

Flughafen Bern: Im Vergleich zu 2015 praktisch keine Umsätze. Was heisst das? «Es gibt derzeit keine Kaufanreize für die Flughafen-Bern-Aktien. Der neue CEO muss jetzt die geplanten Wachstumsprojekte umsetzen. Dann könnte es allenfalls zu Dividendenzahlungen und einer Höherbewertung kommen.»

 

Schilthornbahn: Zweistelliger Kursgewinn trotz Brexit. Wegen der Chinesen? «Kurstreiber waren auch die Dividende von 36 Franken und das Gratis-Tagesbillett in der GV-Woche. Zudem lassen die Aussagen von CEO Christoph Egger auf ein weiteres gutes Jahr schliessen.»

 

Die Stammaktien der Niesenbahn verteuerten sich um fast 50 Prozent. «Die Volumen sind aber äusserst dünn. Seit Jahresbeginn wurden gerade einmal 29 Aktien der insgesamt 2017 Stammaktien gehandelt. Der Kursanstieg ist daher nicht repräsentativ.»

 

Harderbahn: Wie lief das Rückkaufprogramm durch die Jungfraubahn Holding? «Nach meinem letzten Informationsstand befinden sich nur 88 Prozent der Aktien im Besitz der Jungfraubahn Holding (JBH), sodass ein Squeeze-out (Ausschluss von Minderheitsaktionären) derzeit nicht möglich ist. An der GV gab es auch kritische Fragen.»

 

Die Spar- und Leihkasse Riggisberg hat eine Dividendenrendite von 2 Prozent. Ein valabler Obligationenersatz? «Viele Regionalbankaktien sind derzeit als Obligationenersatz gefragt, da sie Sicherheit bieten, gut kapitalisiert sind und auch eine attraktive Dividende bieten von 1,5 bis 2 Prozent.»

Espace Real Estate: Im Vergleich zu anderen Immobilienwerten ist die Dividendenrendite von 3,1 Prozent nicht beeindruckend. Einverstanden? «Nein. 3,1 Prozent ist eine ansehnliche Rendite. Nach Abschluss der Expansionsphase dürften auch die Ausschüttungen wieder steigenden und damit die Rendite noch attraktiver werden.»

 

Cendres + Métaux: Die schlechten Nachrichten scheinen im Kurs von 6300 Franken enthalten zu sein. «Ja. Die Firma hat nochmals die Entlassung von 18 Mitarbeitern angekündigt und wird den Luxusbereich straffen, da in der Schmuckproduktion einige Kunden die Produktion ins günstigere Ausland verlagert haben. Auch die schwachen Umsätze in der Uhrenindustrie machen C+M zu schaffen. Medtech läuft hingegen gut.»

 

Erschienen auf BZ-online am 5. Juli 2016

 

Claude Chatelain