Vierte Säule:  Wenn die Versicherungsdeckung obsolet wird

Einem Arbeitskollegen erging es in jüngeren Jahren wie Tausenden anderen Schweizerinnen und Schweizern: Er liess sich von einem Bekannten dazu überreden, eine fondsgebundene 3a-Police abzuschliessen.

Er tat dies bei der Generali. Damals war er 23 Jahre alt. Jetzt bereut er es bitter.

 

Seit 14 Jahren überweist er der Generali jährlich 3600 Franken. Weitere 28 Jahre sollte er dies gemäss Vertrag noch tun. «Soll ich?», fragte er mich kürzlich. «Nein», erwiderte ich ihm. Er hat Frau und Kind und einen ansprechenden Lohn. Sollte er erwerbsunfähig werden oder sterben, wäre er beziehungsweise wären die Hinterbliebenen via AHV und Pensionskasse bestens versorgt.

 

Der Rückkaufswert der Generali-Police beträgt heute gut 31'000 Franken. Doch einbezahlt hat der Kollege bisher 54'000 Franken. Er könnte nun diese 31'000 Franken auf ein Konto 3a überweisen. «Dann verliere ich aber 23 000 Franken», sagte er mir.

 

 

Da macht der Kollege leider einen Denkfehler. Er bekam für die bezahlte Prämie eine Leistung. Seine Sparversicherung hat einen hohen Risikoteil. So war er all die Jahre gegen Tod und Erwerbsunfähigkeit versichert. Nur einen Teil der Prämie hat Generali in den Anlagefonds investiert. Wie hoch diese Sparprämie ausfällt, konnte ich nicht eruieren. Transparenz ist eben nicht die Stärke von Sparversicherungen. Die durchschnittliche Jahresrendite beträgt angeblich 2,4 Prozent.

 

Der Arbeitskollege braucht diesen Versicherungsschutz nicht. Oder sagen wir: nicht mehr.

 

 

Statt den Rückkaufswert auf ein Konto 3a zu überweisen, könnte der Kollege die Prämienzahlung einstellen und das Kapital samt Zins in 28 Jahren beziehen. Man nennt das Prämienfreistellung.

Ob es gescheiter ist, den Rückkaufswert auf ein Konto 3a zu überweisen oder die Prämie freizustellen, weiss ich nicht. Ich will bloss behaupten, dass beide Varianten sinnvoller sind, als weiterhin Jahr für Jahr für einen Versicherungsschutz zu bezahlen, der im Verlauf der Jahre obsolet geworden ist.

 

Erschienen in der BZ am 21. Juni 2016

Claude Chatelain