Viele kommen nicht aufs Maximum

Werden sie beide Geld verdienen?
Werden sie beide Geld verdienen?

Wer von der AHV eine Vollrente erhält, bekommt nicht zwingend eine maximale Rente. Und wer eine maximale Rente bezieht, erhält nicht automatisch das Maximum. Ein Überblick über den Begriffswirr-warr bei der AHV.

«Unbedingt in jedem Jahr AHV-Beiträge entrichten, damit keine Lücken entstehen.» Dies ist der am häufigsten herumgereichte Tipp in Sachen AHV. Denn wer Beitragslücken aufweise, könne nicht aufs Maximum kommen und müsse sich im Alter mit einer Teilrente begnügen.

 

Wie wahr. Aber genügt das? Es genügt nicht. Um im Alter in den Genuss einer maximalen Vollrente zu kommen, muss man über all die Jahre ein bestimmtes Durchschnittseinkommen erzielt haben. Es ist mit 84'600 Franken nicht gerade bescheiden. Mit der Erfüllung einer lückenlosen Beitragspflicht ist es also nicht getan.

 

Eine Vollrente erhält, wer keine Beitragslücken hat

 

Spricht die Fachwelt von einer maximalen Vollrente, so ist das kein Pleonasmus, also kein weisser Schimmel. Es gibt maximale Teilrenten, so wie es auch nicht maximale Vollrenten gibt. Eine Vollrente erhält, wer keine Beitragslücke aufweist. Hingegen eine maximale Rente erhält, wer in 44 Jahren ein bestimmtes Durchschnittseinkommen erzielt hat. Und deshalb gibt es maximale Vollrenten, maximale Teilrenten sowie nicht maximale Vollrenten und nicht maximale Teilrenten.

 

 

  Massgebendes durchschnittliches Jahreseinkommen
  Kleiner als der Betrag, der Grösser als der Betrag, der Personen
  Anspruch auf die Maximalrente gibt
Männer in % in %  
Ledig 82,2 17,8 41800
Verheiratet: Ehefrau mit Rente 82,7 17,3 376100
Verheiratet: Ehefrau ohne Rente 54,2 45,8 86700
Verwitwet 37,6 62,4 64100
Geschieden 72,8 27,2 64200
Getrennt 76,7 23,3 5600
       
Frauen      
Ledig 83,3 16,7 67100
Verheiratet: Ehemann mit Rente 85,8 14,2 373200
Verheiratet: Ehemann ohneRente 93,0 7,0 26100
Verwitwet 49,7 50,3 276300
Geschieden 81,1 19,0 106000
Getrennt 83,4 16,6 4900
       
 
   

«Viele Rentnerinnen und Rentner kommen nicht auf eine maximale Vollrente», meint das Bundesamt für Sozialversicherungen. Wie viele es genau sind, können die Statistiker auch nicht sagen. Zu aufwendig wäre die Erhebung. Immerhin ist aber der AHV-Statistik 2014 zu entnehmen, dass nur 27,2 Prozent der geschiedenen Männer Anspruch auf eine maximale Rente haben. Bei den geschiedenen Frauen siehts mit einem Anteil von 19 Prozent noch düsterer aus. Achtung: Die Zahlen der Tabellen betreffen nicht nur maximale Vollrenten, sondern auch maximale Teilrenten.

 

Wenn nur der eine Ehegatte Geld verdient

 

Das Durchschnittseinkommen wird vor allem bei Eheleuten gedrückt, bei denen nur eine Person einem Erwerb nachgeht. Da die andere ohne Beitragspflicht ebenfalls versichert ist, werden die während der Ehe generierten Einkommen geteilt. So kommt es, dass häufig auch Männer mit einem stattlichen Lohn und ohne Beitragslücke nicht aufs Maximum kommen, sofern die Frau während mehrerer Jahre kein oder nur ein geringes Einkommen erzielte.

 

Zur Dämpfung dieses Verlusts werden pro Kind Erziehungsgutschriften von derzeit 42'300 Franken angerechnet – und zwar, bis das jüngste Kind 16 Jahre alt ist. Sie werden je zur Hälfte den individuellen Konten von Mann und Frau gutgeschrieben.

 

Vereinfachtes Rechnungsbeispiel: Der Mann verdient während zehn Jahren 100'000 Franken im Jahr; die Frau sorgt sich in dieser Zeit um Haushalt und ihr gemeinsames Kind. Nach der Einkommensteilung kommen sie auf je 50'000 Franken Einkommen und 21'150 Franken Erziehungsgutschriften pro Jahr.

 

Wie das Splitting die Höhe der Rente bestimmt

 

In der nebenstehenden Tabelle fällt zudem auf, dass nur 7 Prozent aller verheirateten Frauen, deren Ehegatte noch keine Rente bezieht, Anspruch auf eine maximale Rente haben. Das ist mit dem Splitting zu erklären. Die Aufteilung des Einkommens wird bei verheirateten Paaren erst dann vorgenommen, wenn beide Ehegatten Anspruch auf eine AHV-Rente haben. Sobald also der Mann ebenfalls ins Rentenalter kommt, wird der Frau dank dem Splitting die Rente nach oben korrigiert.

Das Splitting ist auch der Grund, weshalb Männer, deren Ehefrau noch keine Rente bezieht, viel häufiger aufs Maximum kommen als jene, deren Gattin ebenfalls eine Rente erhält. Erst wenn die Frau ebenfalls rentenberechtigt ist, wird die Aufteilung der Einkommen vorgenommen, was das Durchschnittseinkommen beim Mann spürbar nach unten drückt, sofern die Frau während der Ehejahre weniger in die AHV einbezahlte als der Mann.

 

 

Erschienen in der BZ am 7. Juni 2016

Claude Chatelain