So verfahren Banken mit den Kickbacks

Bankberater empfehlen häufig nur noch solche Anlagefonds, für welche sie von der Fondsgesellschaft keine Verkaufsprovision erhalten.
Bankberater empfehlen häufig nur noch solche Anlagefonds, für welche sie von der Fondsgesellschaft keine Verkaufsprovision erhalten.

Um Kickbacks ist es ruhig geworden. Doch hinter den Kulissen suchen Banken nach Lösungen, bei denen sie keine Verkaufsprovision mehr kassieren. Die Grossbanken zum Beispiel mit CS Invest und UBS Advice.

Als das Bundesgericht im November 2013 ein wiederholtes Mal bestätigte, dass Retrozessionen dem Kunden gehören, kam endlich Bewegung in die Branche. Die Retrozession ist eine Art Verkaufsprovisionen von Fondsgesellschaften an Banken, auch Kickbacks genannt.

 

Kleinere Banken empfehlen als Folge jenes Gerichtsentscheids nur noch rezessionsfreie Anlagefonds. Produkte, bei denen die Banken von der Fondsgesellschaft keine Provision erhalten. Andere Banken änderten das Gebührenmodell, indem sie die Retros dem Kunden gutschreiben und stattdessen die Depotgebühr erhöhen. Und nochmals andere halten an der bisherigen umstrittenen Praxis fest und lassen den Kunden unterschreiben, dass er bewusst auf die Kickbacks verzichtet.

 

Vorerst nur VV-Mandate

 

Der genannte Bundesgerichtsentscheid bezog sich lediglich auf Vermögensverwaltungsmandate. Das sind Angebote, bei welchen man der Bank den Auftrag erteilt, sein Vermögen aufgrund einer gemeinsam festgelegten Strategie anzulegen. Doch in Fachkreisen wurde schnell klar, dass die Provision nicht nur bei VV-Mandaten, sondern auch bei einer gewöhnlichen Anlageberatung dem Kunden gehören würden. «Aber solange das Bundesgericht keinen entsprechenden Entscheid fällt, werden die Banken die Kickbacks, die sie für eine gewöhnliche Anlageberatung erhalten, nicht weitergeben. Und sie werden damit weiter Zeit und Geld gewinnen», sagte Bankrechtsprofessorin Susan Emmenegger schon vor drei Jahren in einem Interview.

 

Die Uniprofessorin sollte recht behalten. Auch die beiden Grossbanken halten an ihrer herkömmlichen Praxis fest. Immerhin bieten sie mit CS Invest und UBS Advice Lösungen an, bei welchen sie dem Kunden nur noch retrozessionsfreie Anlagefonds empfehlen.

 

CS Invest: Vier Lösungen

 

Bei CS Invest handelt es sich um vier verschiedene Anlagelösungen: einen Vermögensverwaltungsvertrag sowie drei Beratungsverträge. Die Beratungsverträge unterscheiden sich nach der Intensität der Beratung durch die Bank. Je intensiver die Beratung, desto höher die Kosten. «CS-Invest-Kunden empfehlen wir nur noch retrozessionsfreie Anlagefonds», sagt Christof Hauser, Offering Management der Division Schweizer Universalbank. So ist aus der CS-Fondspalette für CS-Invest-Kunden jeder Anlagefonds auch retrozessionsfrei zu haben. «Wenn ein Kunde trotzdem einen bestimmten Fonds eines Drittanbieters wünscht, der Retrozessionen ausschüttet, so zahlen wir dem Kunden diese aus», versichert Hauser. Privatkunden ohne Beratungsvertrag hätten dagegen keine Möglichkeit, in Anlagefonds zu investieren, für die die Bank von der Fondsgesellschaft keine Verkaufsprovision erhält.

 

UBS Advice: Eine Strategie

 

Das Gleiche gilt bei der UBS. «Privatkunden ohne Vermögensverwaltungsvertrag und ohne entsprechenden Beratungsvertrag haben keinen Zugang zu retrozessionsfreien Anlagefonds», erklärt ein Sprecher. Freilich arbeitet die UBS im Hintergrund an Lösungen dafür, Retail-Kunden ohne Vermögensverwaltungsmandat den Kauf von retrozessionsfreien Anlagefonds zu ermöglichen.

 

Retrozessionsfrei sind dagegen Fonds im Rahmen des Beratungsmandats UBS Advice. Hier wird gemeinsam eine Anlagestrategie definiert, die dann von der UBS regelmässig überprüft wird. «Wenn wir feststellen, dass Ihre Portfoliopositionen von unseren vereinbarten Vorgaben abweichen, informieren wir Sie und unterbreiten Ihnen konkrete Lösungsideen», steht im UBS-Prospekt.

 

Valiant: Retrozessionsfrei

 

Die Valiant-Bank änderte ihre Kickback-Politik vor gut einem Jahr. Seit dem 1. Mai 2015 empfiehlt sie nur noch retrofreie Fonds. Wenn aber ein Kunde ohne Beratung Fondsanteile kauft, so wird der entsprechende Fonds nicht retrozessionsfrei sein. Man spricht von «Execution only».

 

Kundinnen und Kunden der Berner Kantonalbank können dagegen seit Anfang Jahr zwischen zwei Modellen wählen: Sie können sich für einen Pauschaltarif für die Depotführung plus Courtagen bis zu 100 Transaktionen entscheiden. Bei diesem Modell vergütet die BEKB die Kickbacks den Kunden jährlich zurück. Oder man wählt das herkömmliche Modell, bei dem der Kunde ausdrücklich auf die Vergütung von Retros verzichtet.

 

Zu den Schnellsten bei der Umsetzung der neuen Strategie gehören die Bank Coop und die Bank EKI aus Interlaken. Sie geben die Retros seit 2014 dem Kunden weiter. Die Bank Coop nutzte vor zwei Jahren gar die Gunst der Stunde für eine Werbekampagne: «Als erste Bank der Schweiz geben wir alle Retrozessionen unaufgefordert an unsere Kundschaft weiter», war auf Plakatwänden zu lesen.

 

Erschienen in der BZ am 7. Juni 2016

Claude Chatelain