Kirchen helfen beim Bewerben

Richtig bewerben, auch bei Sprachproblemen. Hier hilft Triio.
Richtig bewerben, auch bei Sprachproblemen. Hier hilft Triio.

Die von Kirchen finanzierte Beratungsstelle Triio half im letzten Jahr über 13 000 Stellensuchenden. Nun ist die dreizehnjährige Institution ins Monbijou gezügelt.

Arbeitslose gehen aufs RAV. Doch eine wirkliche Vermittlung, wie der Name Regionale Arbeitsvermittlung suggeriert, bietet das RAV nicht an. Stellensuchende müssen sich selber bewerben. Wie das geht, kann man in Bewerbungsateliers des RAV erlernen. Doch insbesondere Ausländern, die der deutschen Sprache nur mässig mächtig sind, helfen auch diese Bewerbungsateliers nur beschränkt.

 

Hier hilft dagegen Triio. «Wir können Stellensuchende intensiver und breiter betreuen als das RAV», sagt Sany Herzog, die Geschäftsleiterin der Beratungsstelle Triio in Bern. So hilft Triio nicht nur beim Erstellen eines kompletten Bewerbungsdossiers, sondern formuliert auf Wunsch Motivationsschreiben auf konkrete Stellenausschreibungen. Deshalb schickt das RAV nicht selten Stellensuchende zu Triio, die eben erst neue Räumlichkeiten an der Gutenbergstrasse im Monbijou bezogen hat. Das Kürzel Triio steht für «Trägerverein impuls intact Ohni Büez».

 

Durch Kirchen finanziert

 

Gut 13 270 Frauen und Männer liessen sich im vergangenen Jahr von Triio betreuen, über die Hälfte davon sind Personen mit Migrationshintergrund. Finanziert wird Triio weder von der Arbeitslosenversicherung noch vom Kanton oder der Stadt Bern, sondern durch die Evangelischreformierte Gesamtkirchgemeinde Bern und Kirchgemeinden aus der Region sowie durch die Römisch-katholische Gesamtkirchgemeinde Bern und Umgebung.

 

Indirekt finanziert wird der Verein zusätzlich durch Frauen und Männer, die Zeit und Knowhow gratis zur Verfügung stellen. 2015 waren es 23 Freiwillige, die 3200 Arbeitsstunden leisteten. Nimmt man einen Stundenlohn von 60 Franken, so ergibt das eine Summe von 192 000 Franken im Jahr.

 

Die Beratungsstelle, die vor zwei Jahren den mit 10 000 Franken dotierten Integrationspreis der Stadt Bern erhielt, ist nicht lediglich eine Bewerbungswerkstatt. Sie bietet auch eine kostenlose Sozialberatung an und berät bei beruflicher Umorientierung. Seit 2013 stieg der Anteil der Altersgruppe unter 30 Jahren auf ein Drittel.

 

Zunahme bei den Jungen

 

«Unsere Leute wurden in den letzten Jahren zunehmend mit Schwierigkeiten bei der Lehrstellensuche konfrontiert», so Sany Herzog am Neueröffnungsapéro. «Betroffen macht uns die Zunahme der 20- bis 25-Jährigen, die seit Jahren engagiert, doch erfolglos den beruflichen Einstieg anstreben.» Betroffen mache ebenfalls, wie hoch qualifizierte Arbeitnehmende mit universitärem Hintergrund und Personen mit dem Handicap 50 plus zunehmend von Arbeitslosigkeit betroffen seien.

 

Erschienen in der BZ am 31. Mai 2016

Claude Chatelain