Wo der Umweg über Schwyz unnötig ist

Wer zum Beispiel ins Tropenparadies Thailand auswandert, braucht das Geld der 2. Säule nicht ins Steuerparadies Schwyz zu überweisen. Im Bild: Heidi Lüdi-Burkhard im Heidi's Gardenrestaurant in Hua Hin.
Wer zum Beispiel ins Tropenparadies Thailand auswandert, braucht das Geld der 2. Säule nicht ins Steuerparadies Schwyz zu überweisen. Im Bild: Heidi Lüdi-Burkhard im Heidi's Gardenrestaurant in Hua Hin.

Auswanderer sollten das Vorsorgeguthaben nach Schwyz überweisen, um von einer tiefen Quellensteuer zu profitieren. Die Übung kann man sich aber sparen, wenn man gemäss Doppelbe-steuerungsabkommen die Quellensteuer zurückfordern kann.

Sie heissen Liberty oder Pensexpert. Sie haben sich auf die Verwaltung von Vorsorgegelderdern der 2. Säule unde der Säule 3a spezialisiert und sie haben - besonders wichtig - ihren rechtlichen Sitz im Kanton Schwyz. Dieser dritte Punkt ist deshalb hervorzuheben, weil die Quellensteuer nirgens so tief ist wie im Kanton Schwyz. 

 

Die Quellensteuer wird dann erhoben, wenn der Begünstigte in der Schweiz keinen Wohnsitz hat. Also bei auswandernden Schweizern oder heimkehrenden Ausländern. Neben den eingangs genannten Instituten bewirbt auch die Schwyzer Kantonalbank ihre Freizügigkeitsstiftung mit dem steuerlichen Vorteil. Sie sei «die ideale Stiftung für Personken, die planen, ihren Wohnsitz ins Ausland zu verlegen und sich das Freizügigkeitskapital auszahlen zu lassen». Man profitiere vom Sitz der Freizügigkeitsstiftung und vom tiefen Quellensteuersatz im Kanton

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Die Quellensteuer ist nirgends so tief wie im Kanton Schwyz

 

Merke: In der Schweiz ist beim Bezug des Pensionskassenkapitals eine einmalige Steuer zu bezahlen, eine Sondersteuer zum Vorsorgetarif, häufig auch Kapitalauszahlungssteuer genannt. Der Steuersatz ist von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. Wer seinen Wohnsitz im Ausland hat, kann hierzulande nicht besteuert werden, also wird ihm eine Quellensteuer in Abzug gebracht. Am tiefsten ist der Steuersatz im Kanton Schwyz.


Doch wer zum Beispiel nach Finnland, Kroatien, Malaysia, Serbien oder in die USA disloziert, kann sich die Übung mit der Überweisung nach Schwyz sparen. Gemäss dem Doppelbesteuerungs-abkommen, das die Schweiz mit den genannten Ländern abgeschlossen hat, kann man beim entsprechenden Kanton die Quellensteuer zurückfordern. Bei diesen Ländern gilt das nicht nur für die 2. Säule. Es gilt auch für die Säule 3a.

 

Sonderfall öffentlichrechtliches Arbeitsverhältnis

 

Doch halt: Das Gesagte betrifft nur Personen, die früher bei einem privatrechtlichen Arbeitgeber angestellt waren. Stammt das Freizügigkeits-guthaben aus einem früheren öffentlich-rechtlichen Arbeitsverhältnis, so kann die Quellensteuer in den allermeisten Fällen nicht zurückgefordert werden. Norwegen bildet hier die einzige Ausnahme, aber auch nur beschränkt.

 

Daher lohnt es sich für Angestellte mit einem früheren öffentlich- rechtlichen Arbeitsverhältnis sehr wohl, das Pensionskassenkapital an eine Stiftung mit Sitz in Schwyz zu überweisen, um Daher lohnt es sich für Angestellte mit einem früheren öffentlich- rechtlichen Arbeitsverhältnis sehr wohl, das Pensionskassenkapital an eine Stiftung mit Sitz in Schwyz zu überweisen, um damit von einer tieferen Quellensteuer zu profitieren. Dazu ein Beispiel: Ein ausgewanderter Bundesangestellter lässt sich sein Pensionskassenkapital von 500 000 Franken auszahlen. Liegt die Stiftung im Kanton Bern, so beläuft sich die Quellensteuer auf 45 325 Franken. Liegt sie im Kanton Schwyz, beträgt sie nur noch 22 825 Franken. Steuerersparnis vor Transaktionskosten: 22 500 Franken.

 

Die genannte Sondersteuer zum Vorsorgetarif wird nicht nur beim Bezug des Pensionskassenkapitals geschuldet, sondern auch bei der Auszahlung des Guthabens auf dem Konto 3a. Genau gleich verhält es sich mit dem Quellensteuerabzug. Unterschiedlich sind aber die Rückforderungs-möglichkeiten. Wenn man aufgrund eines Doppelbesteuerungsabkommens die Quellensteuer für Kapitalleistungen aus der 2. Säule zurückfordern kann, heisst das nicht, dass man sie auch auf Auszahlungen der gebundenen Vorsorge 3a zurückfordern kann. Wer seine Zelte zum Beispiel in Argentinien aufschlägt, kann die Quellensteuer auf einer Kapitalleistung aus der 2. Säule zurückfordern, aus der Säule 3a hingegen nicht. Das gilt zum Beispiel auch für Indonesien, Liechtenstein, Mexiko, Neuseeland, Singapur oder Thailand.

 

Schliesslich gibt es Länder mit Doppel-besteuerungsabkommen – und trotzdem kann man die Quellensteuer auf Kapitalleistungen aus der 2. Säule oder der Säule 3a nicht zurückfordern. Das ist zum Beispiel in Chile, Grossbritannien, Island, Kanada, Schweden oder Südafrika der Fall.

Kann die Quellensteuer  zurückgefordert werden?

Wohnsitzstaat 2. Säule* Säule 3a
Albanien ja ja
Algerien ja ja
Argentinien ja nein
Belgien ja ja
Chile nein nein
Dänemark nein nein
Deutschland ja ja
Ecuador ja ja
Elfenbeinküste ja ja
Finnland ja ja
Franreich ja ja
Grossbritannien nein nein
Griechenland ja ja
Hongkong nein nein
Indien ja ja
Indonesien ja nein
Iran ja ja
Irland ja ja
Island nein nein
Italien ja ja
Japan ja ja
Kanada nein nein
Kolumbien ja ja
Kroatien ja ja
Liechtenstein ja nein
Luxemburg ja ja
Malaysia ja ja
Marokko ja ja
Mazedonien ja ja
Mexiko ja nein
Montenegro ja ja
Neuseeland ja nein
Niederland nein nein
Österreich ja ja
Peru ja nein
Philippinen ja nein
Polen ja ja
Portugal ja ja
Rumänien ja ja
Russland ja ja
Schweden nein nein
Serbien ja ja
Singapur ja nein
Slowakei ja ja
Slowenien ja ja
Spanien ja ja
Sri Lanka ja ja
Südafrika nein nein
Südkorea ja ja
Thailand ja nein
Tschechien ja ja
Tunesien ja ja
Türkei ja ja
Ukraine ja ja
Ungarn nein nein
USA ja ja
Venezuela ja ja
Vietnam ja nein
Gilt nur für Vorsorgeleistungen aus einem früheren privatrechtlichen Arbeitsverhältnis.
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Wo kein Abkommen über die Doppelbesteuerung besteht

 

Ebenfalls keine Rückforderungsmöglichkeit gibt es für Personen, die in ein Land ziehen, mit dem kein Doppelbesteuerungsabkommen mit der Schweiz besteht. Dazu zählt zum Beispiel Kambodscha. Ein Land übrigens, das mehr und mehr von Rentnerinnen und Rentnern als Alternative zu Thailand heimgesucht wird.

 

Was auf dem Papier einfach und verständlich daherkommt, wird in der Praxis nicht immer einfach sein. Für die Rückforderung der Quellensteuer ist beim zuständigen Kanton ein Formular einzureichen. Zuständig ist übrigens immer die Steuerverwaltung am Sitz der Vorsorgeeinrichtung oder der Freizügigkeitsstiftung. Das Formular muss aber mit einem Stempel der ausländischen Steuerbehörde versehen werden. «Die Steuerbehörde des Wohnorts bestätigt, von obiger Kapitalleistung Kenntnis zu haben», ist auf dem Formular zu lesen.

 

Wenn die Behörde den Stempel verweigert

 

Das Einholen von Stempel und Unterschrift ist nicht in allen Ländern einfach. Die USA sind bekannt dafür, dass ihre Behörde grundsätzlich keine Formulare anderer Länder quittiert. Hier müssen andere Wege dafür gefunden werden, zu beweisen, dass die Steuerbehörde von der Kapitalleistung Kenntnis hat.

Erstes Fazit: Die Möglichkeit einer Rückforderung der Quellensteuer ist davon abhängig, ob die Vorsorgeleistung aus früherem öffentlich-rechtlichen oder einem privatrechtlichen Arbeitsverhältnis stammt. Zudem stellt sich die Frage, ob eine Rückforderungsmöglichkeit besteht oder nicht, wobei die Regelungen für die 2. Säule und die Säule 3a voneinander abweichen können.

 

Ungleiche Behandlung von Deutschen und Italienern

 

Damit aber nicht genug: Bei Vorsorgeleistungen aus einem früheren öffentlich-rechtlichen Arbeitsverhältnis spielt nämlich auch die Nationalität eine Rolle. Hier wird mit dem Deutschen mit Wohnsitz in Deutschland nicht gleich verfahren wie mit dem Italiener mit Wohnsitz in Italien. Der Deutsche kann die Quellensteuer in der Schweiz nicht zurückfordern, der Italiener hingegen schon. Das gilt, wie gesagt, nur bei einem öffentlich-rechtlichen Arbeitsverhältnis. Also bei Ausländern, die beim Bund, beim Kanton oder bei einer Gemeinde tätig und versichert waren.

 

Nicht vergessen: Grundsätzlich sind die erwähnten Vorsorgeeinkünfte auch im ausländischen Wohnsitzstaat zu deklarieren. Ob und in welcher Höhe dort eine Besteuerung erfolgt, ist nicht Gegenstand dieser Recherche.

 

Bei der Rente ist alles anders.....

Die Besteuerung des Kapitalbezugs aus der Pensionskasse ist für Auslandschweizer das eine, die Besteuerung von Renten das andere. Bei Vorsorgeleistungen aus einem früheren privatrechtlichen Arbeitsverhältnis wird in den meisten Fällen bei BVG-Renten keine Quellensteuer in Abzug gebracht. Das gilt unter anderen nicht für Personen, die ihren Wohnsitz nach Dänemark, Hongkong, Island, Schweden, Südafrika oder Ungarn verlegen.
Wer aber die Rente aus einem früheren öffentlichrechtlichen Arbeitsverhältnis bezieht, muss eine Quellensteuer in Kauf nehmen. Eine spezielle Regelung gibt es nur für die Niederlande. Die Höhe dieser Steuer ist von Kanton zu Kanton verschieden. Bei Ausländern oder Doppelbürgern, die in die Heimat zurückkehren oder in einen Drittstaat umsiedeln, gelten andere Regeln.
Auf AHV-Renten wird übrigens nie eine schweizerische Quellensteuer in Abzug gebracht.
Sie sind immer im Wohnsitzstaat steuerbar, auch wenn die Schweiz mit ihm kein Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen hat. 
Erschienen in der BZ am 31. Mai 2016

Claude Chatelain