Vierte Säule:  "Pro Service public" lässt Swisscom-Aktionäre alt aussehen

Die Volksinitiative «Pro Service public» ist auch für Anleger von Belang. Sollte die vom «K-Tipp» lancierte und von allen relevanten politischen Parteien abgewiesene Verfassungsinitiative eine Mehrheit finden, sehen Swisscom-Aktionäre alt aus. Für sie gibt es keine Dividenden mehr, wenn der Telekommunikationskonzern seine Gewinne nicht mehr ausschütten darf. Dabei ist die Swisscom-Aktie bei Privatanlegern gerade wegen der hohen und stabilen Dividende äusserst beliebt.

Und doch bleibt ein Funken Hoffnung. Womöglich wird bei einem Ja der Service-public-Teil der Swisscom abgespalten und der lukrativere Teil privatisiert. Das ist zwar keinesfalls das, was die Initianten wollten. Es ist aber etwa das, was den Bürgerlichen zupasskäme. Das könnte ein Grund sein, weshalb rechte Parteien der Abstimmung gelassen entgegenblicken. Und wenn ich sehe, dass der Aktienkurs der Swisscom trotz wenig verheissungsvollen Umfrageergebnissen kaum unter Druck gerät, so bin ich wohl nicht der Einzige, der mit diesem Szenario rechnet.

 

Total kontraproduktiv sind indes Aussagen, wie sie im «Blick» zu lesen waren: «Wer Ja stimmt, spielt mit seiner Rente», soll Thomas Egger von der Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete gesagt haben. Das Sprachrohr der Initiativgegner stützt sich auf die Tatsache, dass die Pensionskassen Aktien von Swisscom besässen. Doch der Anteil ist verschwindend klein. Die meisten Vorsorgeeinrichtungen investieren analog einem Index. Im Swiss-Market-Index (SMI) hat Swisscom ein Gewicht von gerade mal 1,27 Prozent.

 

Wer solche Behauptungen in die Welt setzt, spielt den Initianten in die Hände. Sie reiben sich im Versteckten eh die Hände, dass die Linken nicht auf ihren Zug aufgesprungen sind. Mit irreführenden und mit Lügen durchsetzten Abstimmungskampagnen verlieren Politik und Wirtschaft zusehends ihre Glaubwürdigkeit. Für den unverdächtigen «K-Tipp» ist es offenbar kein Nachteil, das gesamte Establishment gegen sich zu wissen.

 

Erschienen in der BZ am 24. Mai 2016

Claude Chatelain