«Der Markt lehnt synthetisch replizierte ETF zunehmend ab»

Vorsichtige Anleger kaufen nur Anlagefonds, bei denen die Wertschriften physisch hinterlegt sind. Synthetisch replizierte Anlagefonds sind ein Auslaufmodell.

Einen Anlagefonds kann man mit einem Korb vergleichen, der mit vielen unterschiedlichen Wertschriften gefüllt ist. Kauft ein Anleger Fondsanteile, investiert er indirekt in eine grosse Zahl von Wertschriften. Deshalb gehen Anlegerinnen und Anleger mit gutem Recht davon aus, dass die betreffenden Wertschriften eines Anlagefonds im Depot hinterlegt sind.

 

Das Gesagte gilt auch für Anlagefonds, die an der Börse wie Aktien gehandelt werden, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen Index abbilden. So weist zum Beispiel der Ishares SMI mehr oder weniger die gleiche Entwicklung auf wie der Swiss Market Index. Nur die verhältnismässig tiefe Managementgebühr sorgt für leichte Abweichungen.

 

Physisch versus künstlich

 

Doch was Anlegerinnen und Anleger annehmen, muss nicht immer der Wahrheit entsprechen: Neben ETF, welche mit den entsprechenden Aktien unterlegt sind, gibt es auch ETF, bei denen der Index künstlich repliziert ist. Man spricht von synthetisch replizierten ETF im Gegensatz zu physisch replizierten ETF. Die synthetische Nachbildung eines ETF erfolgt mit einem Swap. Solche Tauschgeschäfte unterliegen jedoch einem Gegenparteirisiko.

 

Gegenparteirisiko? Der Begriff weckt ungute Erinnerungen. Investoren, die 2008 als Folge des Konkurses der US-Investmentbank Lehman Brothers Geld verloren, unterlagen, meist ohne es zu wissen, ebenfalls einem Gegenparteirisiko. Lehman Brothers waren damals bei vielen strukturierten Finanzprodukten die Gegenpartei. Und als die Investmentbank als Gegenpartei zahlungsunfähig wurde, verlor mancher Privatanleger sein vermeintlich sicher angelegtes Geld.

 

Gegenparteirisiko? Non merci

 

Daher beinhalten synthetisch replizierte ETF ein gewisses Gegenparteirisiko, auch wenn dieses auf 10 Prozent des Fondsvolumens beschränkt sein muss. Doch Investoren wollen von Swap-basierten ETF nichts mehr wissen. «Der Markt lehnt synthetisch replizierte ETF zunehmend ab», stellt Markus Fuchs fest, Geschäftsführer der Swiss Funds & Asset Management Association (Sfama).

 

Investmentbank? Hände weg

 

Das bestätigt auch Rolf Maurer, Partner bei der auf Fondsanalyse spezialisierten Bevag Better Value in Zürich. Er hat eine mögliche Erklärung für die mangelnde Akzeptanz: die Nähe zum Investmentbanking. Denn das Konstruieren eines Swap-basierten ETF ist Sache der Investmentbank. Laut Maurer besteht bei Swapbasierten ETF der Verdacht, sie seien nur dazu kreiert worden, das Investmentbanking zu alimentieren.

 

Der Verdacht ist nicht unbegründet. Vielsagend ist zum Beispiel die Feststellung, dass bei der französischen Lyxor wie auch bei der Deutschen Bank die synthetischen ETF nicht mehr im Investmentbanking, sondern in der Vermögensverwaltung angesiedelt sind.

 

Ishares, weltweit grösster ETF-Anbieter, repliziert ETF nur dort synthetisch, wo es anders nicht geht, versichert Sven Württemberger, Leiter Ishares für die Deutschschweiz. Dies ist bei Anlagefonds der Fall, die Indizes von Rohstoffmärkten nachahmen.

 

Einfach, transparent, flexibel

 

ETF steht offiziell für Exchange Trades Funds, inoffiziell für einfach, transparent, flexibel. Deshalb verträgt es sich laut Sven Württemberger nicht, die Produkte künstlich mit komplizierten Produkten nachzubilden. «Die synthetische Replikation ist deutlich komplexer als die physische und ist für Anleger deshalb schwer zu verstehen», sagt Württemberger. Dies dürfte mit ein Grund sein, weshalb synthetisch nachgebildete ETF kaum mehr Anklang finden.

 

Eine der Stärken von ETF besteht gerade in ihrer Einfachheit und Transparenz. Dies im Unterschied zu strukturierten Produkten, die nicht nur kompliziert sind und ein Gegenparteirisiko aufweisen, sondern häufig auch vom Banker kaum verstanden werden.

 

Kehrtwendung von Lyxor

 

So hat auch Lyxor erkannt, dass synthetisch replizierte Fonds keine Zukunft haben. Anfang November schrieb die französische Société-Tochter: «Lyxor stellt seine wichtigsten europäischen, globalen und amerikanischen ETF auf die physische Replikatiosmethode um.» Damit strebe man eine kontinuierliche Verbesserung der Qualität der Replikation an. Nach Abschluss der Umstellung werde Lyxor mehr als die Hälfte seiner Vermögenswerte in physischen ETF halten und damit europaweit der drittgrösste Anbieter physischer ETF sein.

Claude Chatelain