Steuerfrei unter Palmen

In Thailand lässt sich gut leben. Das gilt insbesondere für Rentnerinnen und Rentner. Bild: Andreas Blatter
In Thailand lässt sich gut leben. Das gilt insbesondere für Rentnerinnen und Rentner. Bild: Andreas Blatter

Das Leben in der Schweiz ist teuer, sehr teuer. Viele Schweizerinnen und Schweizer zieht es daher im dritten Lebensabschnitt ins Ausland, zum Beispiel nach Thailand. Zumindest finanziell ist dies höchst interessant.

«Mit 2000 Franken im Monat kann man hier recht leben, mit 2500 pro Monat recht gut und mit 3000 Franken schon sehr gut.» Das sagt Nestor Stucki, der mit seiner thailändischen Ehefrau in Lamai auf der Ferieninsel Ko Samui lebt. Man rechne: Die maximale Vollrente der AHV beträgt derzeit 2350 Franken im Monat. Ehepaare kommen auf 3525 Franken. Auch wer nicht auf eine maximale Vollrente aus der ersten Säule kommt, kann sich in Südostasien auf einen komfortablen Lebensabend freuen, wenn man bei einer Pensionskasse versichert war und auch von der 2. Säule eine Rente bekommt.

 

Rentner müssen in Thailand keine Steuern zahlen

 

In der Schweiz sind die Steuern einer der grössten Budgetposten. Das gilt erst recht für Rentner, die keine Berufskosten in Abzug bringen können. Doch vor einer (zu) hohen Steuerrechnung brauchen sich nach Thailand ausgewanderte Rentnerinnen und Rentner nicht zu fürchten: Sie sind von der Einkommenssteuer befreit.

 

Laut Swisslaw mit Büros in Pattaya und Bern müssten Renten gemäss Wortlaut des thailändischen Gesetzes zwar versteuert werden. Dies freilich nur in Fällen, in welchen die Rente im Jahr der Fälligkeit nach Thailand überwiesen wird. Würden die Renten des Jahres 2015 zum Beispiel erst im Jahr 2016 nach Thailand geschickt, so gelte dies bereits als Vermögen und sei daher gesetzlich nicht steuerbar. «Der Verwaltungsaufwand wäre unverhältnismässig, wollte man für eine solche grenzüberschreitende Transaktion den Einkommensnachweis erbringen», steht auf der Website von Swisslaw zu lesen. Es wäre ein Leichtes, das im Ausland angefallene Einkommen vor der Einfuhr nach Thailand auf einem Bankkonto ausserhalb Thailands zu parken. «Aus diesen Gründen verzichtet die thailändische Steuerbehörde zurzeit generell auf die Besteuerung von Renten aus dem Ausland.»

 

Sicher ist sicher: Reto Derungs von Swisslaw empfiehlt auf seiner Website, die Rente auf eine Schweizer Bank zwischenzulagern und dann das Geld von dort mit einem Dauerauftrag oder nach Bedarf auf eine thailändische Bank zu überweisen.

 

Für ein Visum braucht es einen Vermögensnachweis

 

Auf der Website der Schweizer Botschaft in Bangkok ist ein 33 Seiten umfassendes Dossier über «Leben und Arbeiten in Thailand» aufgeschaltet. Darin findet man unter anderem auch Angaben über die diversen Aufenthaltsbewilligungen.

 

Personen, die das 50. Altersjahr überschritten haben und keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen, können ein Non-Immigrant-Visum der Kategorie O für Rentner beantragen. Die Voraussetzung zur Erteilung eines Rentnervisums ist der Nachweis, dass man entweder über eine Monatsrente von mindestens 65 000 Bath, monatlich rund 2000 Franken, oder auf einem thailändischen Bankkonto über ein Guthaben von 800 000 Bath verfügt, umgerechnet rund 26 000 Franken. Wer mit einer Thailänderin verheiratet ist, muss lediglich 400 000 Bath vorlegen. Die Aufenthaltsbewilligung muss jährlich erneuert werden.

 

Ausländer können in Thailand kein Land erwerben

 

Komplizierter wird es, wenn man in den eigenen vier Wänden wohnen möchte. Landerwerb ist Ausländern untersagt. Möglich ist aber, das Grundstück im Baurecht auf maximal 30 Jahre mit der Option auf eine Verlängerung zu bebauen.

 

Wenn man aber ein Haus ohne Baurecht besitzen möchte, geht das nur mit thailändischen Partnern. Laut Swisslaw können Ausländer bei einem ortsansässigen Law Office eine Gesellschaft gründen, dessen Grundkapital der Höhe des Kaufpreises entspricht. Das Gesetz verlangt eine Mindestzahl von drei Aktionären, mindestens 51 Prozent des Kapitals müssen im Besitz thailändischer Staatsbürger sein.

Auch der Kauf von Eigentumswohnungen ist mit Auflagen verbunden. Die Mehrheit der Stockwerkseigentum-Quoten muss in thailändischem Besitz sein.

 

Jahresprämie von 2200 Euro für Spitalbehandlungen

 

Die auf einer Recherche an thailändischen Küsten getroffenen Schweizerinnen und Schweizer sind alle bei einer nicht schweizerischen Krankenkasse versichert. Zum Beispiel der 60-jährige, in Herzogenbuchsee aufgewachsene Christian Eberli. Der frühpensionierte Flight Attendant der Swiss hat sich für die französische April International entschieden, die sich seit 35 Jahren auf Expat-Krankenversicherungen spezialisierte. Die Krankenkassenprämie beträgt für den seit zwei Jahren in Pattaya lebenden Auslandschweizer 2200 Euro im Jahr. Versichert ist die Hospitalisierung bis maximal 1,5 Millionen Euro pro Jahr. Ambulante Behandlungen sind bei diesem Beispiel nicht gedeckt. Wobei diese in Thailand nicht so sehr ins Gewicht fallen.

 

Die KPT hat Erfahrung mit Auslandschweizern

 

Auch hiesige Krankenkassen bieten ausgewanderten Schweizerinnen und Schweizern Lösungen an. Bekannt hierfür ist die KPT. Als frühere Krankenkasse des Personals des Bundes und der Schweizerischen Transportanstalten blickt die KPT auf eine langjährige Erfahrung im internationalen Geschäft zurück, war doch das diplomatische Korps bei der einstigen Beamtenkasse versichert.

Ein Beispiel: Für die freiwillige Krankenversicherung mit einer Franchise von 300 Franken zahlt eine 67-jährige, ausgewanderte Person 358 Franken im Monat, Unfalldeckung inbegriffen. Will man zudem eine halbprivate Spitalzusatzversicherung abschliessen, kommen 174 Franken hinzu, total 532 Franken. Voraussetzungen sind eine bestandene Gesundheitsprüfung, eine Korrespondenzadresse in der Schweiz und ein Schweizer Bank- oder Postkonto, damit die Prämienzahlung per Lastschriftverfahren abgewickelt werden kann. Bei einer höheren Franchise von 1000 oder 2000 Franken ist es günstiger.

Womöglich wird der eine oder andere Bedenken haben, sich in einem thailändischen Spital behandeln zu lassen. Doch Ivo Sieber, Schweizer Botschafter in Bangkok, gibt Entwarnung: «Thailand hat ein gut ausgebautes Gesundheitssystem mit hervorragenden Spitälern, besonders in den grösseren Städten.» Nicht umsonst würden viele Ausländer namentlich aus dem Nahen und Mittleren Osten nach Bangkok fliegen, um sich dort behandeln oder operieren zu lassen.

Claude Chatelain