Öffentlichrechtliche Pensionskassen sollen in Startups investieren. Wie bitte?

SP-Grossrätin Béatrice Stucki.
SP-Grossrätin Béatrice Stucki.

Heute wollen wir uns nochmals mit nachhaltigen Anlagen bei Pensionskassen befassen. Das Thema ist aktuell, weil die Bernische Pensionskasse angeblich auch in Rüstungsaktien investiert, wie vor Wochenfrist an dieser Stelle zu lesen war. Sie tut dies aber nur indirekt, also via Anlagefonds. Sie besitzt keine Aktien von Rüstungskonzernen; sie besitzt lediglich Fondsanteile, welche zu einem bescheidenen Teil in solche Aktien investieren. Nur 0,5 Prozent des Anlagevolumens sind indirekt in zweifelhafte Firmen investiert.

 

SP-Grossrätin Béatrice Stucki, Gewerkschaftssekretärin des VPOD Kanton Bern, hat keine Freude daran. Sie sagte im «Bund», die öffentliche Hand soll in «innovative Startups» investieren.

 

An ihrem Vorschlag werden nun andere keine Freude haben. All jene zum Beispiel, die aus dem Debakel der Bernischen Lehrerversicherungskasse (BLVK) ihre Lehren gezogen haben. Die BLVK sorgte in den Neunzigerjahren für einen der grössten Pensionskassenskandale in der Schweiz.

 

Angefangen hatte das Fiasko mit Investitionen in «erfolgversprechende» Start-ups. Die BLVK wollte sich als Wirtschaftsförderer profilieren und investierte in Unternehmen wie die Sarner Cristal in Uetendorf oder Kieser Training in Zürich. Wenn eine Kasse mit einem Milliardenvermögen in ein Start-up investiert, hat man schnell mal die Aktienmehrheit. So geschehen bei der Sarner Cristal, als der später in Ungnade gefallene Pensionskassendirektor Hans-Peter Sieber gleich den Verwaltungsrat präsidierte. Es war der Anfang einer langen Reihe von Ungereimtheiten, die in einem Milliardenloch mündeten. Über die Verfehlungen der BLVK brütete sogar eine parlamentarische Untersuchungskommission, sollte das der einen oder der anderen Grossrätin entgangen sein.

 

Und überhaupt: Die Versicherten sollen entscheiden, nach welchen Kriterien ihr Geld angelegt werden soll, nicht die Politiker.

 

Erschienen in der BZ am 13. Mai 2016

 

Claude Chatelain