Vierte Säule: Linke Politiker machen Vorstösse und die Versicherten der Pensionskassen büssen dafür

Viele Pensionskassen fühlen sich verpflichtet, ihre Anlagestrategie nach sozialen, ökologischen und ethischen Kriterien auszurichten. Das versuchen auch die Bernische Pensionskasse (BPK) oder die städtische Personalvorsorgekasse. Nun hat «Der Bund» geschrieben, dass die beiden Kassen trotzdem in anrüchige Unternehmen investierten. Angeblich besitzen sie Aktien von Textron, Raytheon und General Dynamics, «welche neben anderen Rüstungsgütern auch Streubomben herstellen».

Kein Wunder, dass nun linke Politiker die Messer wetzen und Vorstösse vorbereiten, um diesem Tun einen Riegel zu schieben. Freilich muss man wissen, dass die genannten Kassen ihre Grundsätze zur nachhaltigen Vermögensanlage in keiner Weise verletzten. Im Anlagereglement der BPK steht zum Beispiel, dass die BPK keine Direktanlagen in Unternehmen tätigt, die Atomwaffen oder Streubomben herstellen. Es steht aber nirgends, dass sie in solche Unternehmen keine indirekte Anlagen tätigen darf, also via Anlagefonds, die einen bestimmten Index nachbilden. Anders gesagt: Die BPK besitzt keine Aktien besagter Firmen; sie besitzt nur Anteile von Finanzkonstrukten, die einen Aktienindex replizieren. Zudem steht im Reglement, dass die BPK Investitionen in Unternehmen «wenn möglich vermeidet», die einen erheblichen Anteil ihres Umsatzes in den Sektoren Rüstung, Tabak, Pornografie erzielten. Die Aufzählung ist nicht abschliessend.

 

Ich finde, wenn man indirekt 0,5 Prozent des gesamten Portefeuilles in zweifelhafte Unternehmen investiert, so hat man dem Postulat «wenn möglich» Genüge getan.

 

Laut BPK-Direktor Hansjürg Schwander betragen die Vermögensverwaltungskosten 0,06 Prozent. Könnte die BPK nur Finanzprodukte kaufen, welche hundertprozentig stubenrein sein wollen, müsste sie höhere Kosten in Kauf nehmen. Das hat direkte Auswirkungen auf die Rendite, die Verzinsung der Sparguthaben und damit auf die Höhe der Renten. Die Zeche zahlen nicht die Politiker, die sich mit Vorstössen in Szene setzen. Die Zeche zahlen die Versicherten.

 

Erschienen in der BZ am 26. April 2016

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Claude Chatelain