Blitzschnell blitzsicher

In der Schweiz schlägt der Blitz pro Jahr rund 200'000-mal ein. Hauseigentümer lassen sich davon nicht beeindrucken: Nur gerade 60'000 der insgesamt 400'000 Gebäude im Kanton Bern haben einen Blitzableiter.

Blitzschäden sind durch die obligatorische Feuer- und Elementarschadenversicherung gedeckt. Das mag mit ein Grund sein, weshalb nur jedes siebte Gebäude im Kanton Bern ein Blitzschutzsystem aufweist, zum Beispiel in Form eines Blitzableiters.

 

6 Prozent aller Feuerschäden

 

«Ein Blitzschutzsystem schützt nicht nur Menschen, Tiere und das Gebäude», sagt Ueli Winzenried, der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Gebäudeversicherung Bern (GVB). Es schütze auch elektronische Geräte und andere Wertsachen im Haus. 36 Prozent aller Feuerschäden sind auf einen Blitzeinschlag zurückzuführen. Auch das scheint Hauseigentümer nicht zu beeindrucken. Womöglich auch deshalb, weil Blitzschäden erstens versichert sind und zweitens kaum ins Gewicht fallen. Vom Volumen an Feuerschäden sind bloss 6 Prozent auf den Blitz zurückzuführen.

 

Nun will die GVB aufklären: Mitte März lancierte sie eine Kampagne und zahlt 1500 bis 2500 Franken an die Installationskosten eines freiwilligen Blitzschutzsystems. Wie lange Hausbesitzer in den Genuss dieser Kostenbeteiligung kommen, ist noch unklar. Geplant ist eine Fortführung bis 2017. Sollten die vorgesehenen Mittel für das Präventionsprogramm vor Ende des Jahres aufgebraucht sein, behält sich die GVB vor, die Aktion bis ins nächste Jahr zu unterbrechen. Wie viele Franken dafür vorgesehen sind, will die GVB nicht verraten.

 

Bis 8000 Franken

 

Die Installationskosten für ein Blitzschutzsystem sind höher, als Laien vermuten. Bei einem neu erstellten Einfamilienhaus ist mit Zusatzkosten von rund 3000 Franken zu rechnen. Bei bestehenden Bauten kann die Installation gut und gerne 5000 bis 8000 Franken kosten, je nach Erdung. Die Höhe des Kostenbeitrags der GVB richtet sich nach der Versicherungssumme (siehe Infothek).

 

Gerade bei Einfamilienhäusern besteht Nachholbedarf: Ein Drittel all der Gebäude mit Blitzschutzsystemen entfällt auf grosse und öffentliche Gebäude wie Bahnhöfe, Mehrzweckhallen, Kirchen oder Hotels. Bei solchen Gebäuden ist der Blitzschutz obligatorisch. Das gilt auch für grössere Bauernhöfe.

 

Viele Hauseigentümer vertrauen allzu oft auf die danebenstehende Wettertanne oder ein noch höheres Haus in der Nachbarschaft. Doch wie man weiss, sucht sich der Blitz den geringsten Widerstand. Je nach Windrichtung kann er in ein Gebäude einschlagen, auch wenn daneben ein noch höheres Objekt steht.

 

 

So geht's

Die Gebäudeversicherung empfiehlt, bei Dachdeckern, Spenglern, Elektrikern oder anderen Handwerkern mit Erfahrung im Bau von Blitzschutzsystemen eine Offerte einzuholen, am besten gleich mehrere, um sie auch vergleichen zu können. Die besten Leistungen sind laut GVB von Firmen zu erwarten, deren Mitarbeitende den Fachausweis «Äusserer Blitzschutz VKF» besitzen.

Auf Wunsch wird auch die GVB eine fachliche Projektprüfung durchführen, wie ihrem Prospekt «Blitzschnell blitzsicher» zu entnehmen ist. Auf der

GVB-Website kann man dazu das Formular «Projektprüfung» herunterladen.

 

Ist die Anlage installiert, gilt es die Kostenbeteiligung der GVB zu beantragen. Auch dazu gibt es auf der GVB-Website ein entsprechendes Formular. Nach Erhalt des Antrags und des Installationsattests des Handwerkers wird ein Blitzschutzfachmann der GVB die Anlage begutachten und eine entsprechende Plakette anbringen. 

  

Erschienen in der BZ am 12. April 2016


Claude Chatelain