Alle senken die Steuern, fast alle

Nur wenigen dürfte bewusst sein, dass die Steuern in fast allen Kantonshauptorten in den letzten zehn Jahren gesunken sind. Mit nur zwei Ausnahmen. Eine davon ist Bern.

Das «Migros-Magazin» hat am Montag eine Grafik publiziert, die manchem Stadtberner sauer aufstossen wird: In fast allen Kantonshauptorten ist die Steuerbelastung für natürliche Personen in den letzten zehn Jahren gesunken. Nur in Bern und Aarau ist sie gestiegen. In Zug, Genf, Basel, Liestal sowie Sarnen ist sie um 20 bis 40 Prozent zurückgegangen.

«Das Resultat widerspricht dem landläufigen Klischee, wonach wir dem Fiskus ständig mehr Geld abliefern müssen», schreibt Albert Steck von der Migros-Bank in seinem Blog.

 

Die Zahlen beziehen sich auf ein verheiratetes Paar ohne Kinder mit einem Bruttoeinkommen von aktuell 100 000 Franken. Zudem ist auch der Lohnanstieg als Ausgleich zur Teuerung berücksichtigt, so Albert Steck weiter. Was die Grafik ebenfalls zeigt: Vor allem Kantone mit einer bereits tiefen Steuerbelastung haben die Steuern überdurchschnittlich stark gesenkt. Das führt zu Diskrepanzen. Gemäss dem vorliegenden Beispiel bezahlt das kinderlose Paar in der Bundesstadt 12 000 Franken Steuern im Jahr; in Zug sind es 3000 Franken, viermal weniger.

 

Auf den hintersten Rängen

 

Bürgerliche Lokalpolitiker werden sagen: «Wir haben es schon immer gesagt.» Linke Politiker werden einwenden, bei anderen Fallbeispielen sähe die Entwicklung anders aus. In der Tat könnte sich bei Alleinstehenden oder Familien mit Kindern die Steuerbelastung leicht anders präsentieren.

 

Dass aber der Kanton Bern im Steuerwettbewerb fast in allen Kategorien in den hintersten Rängen zu finden ist, hat der Regierungsrat in einem Bericht an den Grossen Rat schon im September letzten Jahres dargelegt. Gerade bei Ehepaaren ohne Kinder liegt Bern bei Einkommen von 40 000 bis 80 000 Franken auf dem letzten Rang.

 

Ob alleinstehend, verheiratet, im Konkubinat lebend und mit oder ohne Kinder: Bern figuriert bei fast allen Fällen und allen Einkommensklassen bei den sieben teuersten Kantonen. Sobald jedoch zwei Kinder im Haushalt leben und der Bruttolohn keine 40 000 Franken übersteigt, so liegt Bern nicht etwa auf Rang 15, 10 oder 6. Nein: auf Rang 1. Unabhängig davon, ob die zwei Kinder bei Ehepaaren, Alleinstehenden, Zweiverdienerehepaaren oder dem Konkubinatspartner leben. Immerhin.

 

Erschienen in der BZ am 22. März 2016

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Claude Chatelain