Vierte Säule: Asset Manager müssen einem fast leid tun

Vermögensverwalter sind nicht zu beneiden. Stets müssen sie ihr Dasein rechtfertigen, weil passives Anlegen erfolgversprechender ist. Das bestätigen zig Studien neutraler Stellen. Es gibt zwar jede Menge Anlagefonds, die den zugrunde liegenden Index zu übertreffen vermögen. Aber nur wenigen davon gelingt dies über mehrere Jahre und Jahrzehnte. Welchen Fonds dieses Glück auch in Zukunft beschieden sein wird, wissen die Götter – wenn überhaupt.

Wenig überraschend sagte daher Martin Jufer am Swiss Funds & Asset Management Forum, das am Freitag in Bern abgehalten wurde: «Aktives Investieren macht nach wie vor Sinn.» Jufer ist Regionalleiter Kontinentaleuropa der GAM Holding in Zürich, des grössten Asset-Managers der Schweiz.


Aktiv heisst, dass ein Team von Anlageexperten mit gezieltem Herauspflücken von Aktien eine höhere Rendite zu erzielen versucht als den zugrunde liegenden Vergleichsindex.
Passiv heisst, dass ein Anlagefonds exakt einen Börsenindex abbildet. Es braucht keine blitzgescheiten Analysten und hellseherischen Propheten. Es braucht höchstens Informatiker, die den Computer entsprechend programmieren.


Martin Jufer zitierte in Bern eine Studie, wonach aktives Investieren vor allem dann sinnvoll ist, wenn die Anlagestrategie sehr stark vom Vergleichsindex abweicht. In solchen Fällen sei die Wahrscheinlichkeit gross, dass eine Überrendite erzielt werden könne. Weichen jedoch die getätigten Anlagen nur leicht von der Messlatte ab, so könne der Index kaum geschlagen werden. Dies vor allem auch wegen der Kosten.


Hat Martin Jufer recht? Keine Ahnung. Mit Studien und Statistiken kann man bekanntlich alles beweisen, auch das Gegenteil. Interessant waren seine Ausführungen allemal.


Und überhaupt: Ein Börsenhändler bereitete seinem Leben vorzeitig ein Ende, da er sich verspekuliert und viel Geld verloren hatte. Seine Bürokollegen stifteten ihm einen Grabstein, auf dem in goldenen Buchstaben steht: «Hier liegt er richtig, an der Börse lag er immer falsch.»

 

Erschienen in der BZ am 22. März 2016

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Claude Chatelain