Standpunkt: Das Fortbestehen der Pensionskasse BIO ist nicht sinnvoll

Heute Abend stimmt die Gemeindeversammlung in Ittigen über die Sanierung der in desolatem Zustand befindlichen Personalvorsorgestiftung Bolligen-Ittigen-Ostermundigen (PSV BIO) ab. Für kommenden Dienstag ist das gleiche Thema an der Gemeindeversammlung in Bolligen traktandiert. Ostermundigen wird Mitte Jahr darüber befinden.

Für die Zukunft der PVS BIO gibt es zwei Möglichkeiten: Sie löst sich auf, und die angeschlossenen Körperschaften schliessen sich einer Gemeinschafts- oder Sammeleinrichtung an. Oder die PVS BIO wird als privatrechtliche Gemeinschaftsstiftung weitergeführt. Eine Auflösung steht offenbar nicht zur Debatte: «Der Stiftungsrat ist entschlossen, das Fortbestehen der 1982 gegründeten PVS BIO zu sichern», schrieb er in einem Papier. Er sei davon überzeugt, dass dieser Weg die Interessen der Versicherungen und deren Körperschaften mittel- und langfristig besser zu schützen vermag. Diese Überzeugung kann man als Beobachter nicht teilen.

 

Objektive und subjektive Gründe sprechen dagegen: Objektiv darf man festhalten, dass sich das Konstrukt der PVS BIO nicht bewährte. Die verhältnismässig kleine Gemeinschaftsstiftung versichert unterschiedlichste Körperschaften. Sie besteht aus den drei Stiftergemeinden Bolligen, Ittigen, Oster-mundigen sowie zahlreichen Satelliten, wie etwa der Musikschule Unteres Worblental oder der Spitex Ittigen. Über 50 Prozent der Versicherten der Gemeinde Ostermundigen sind Rentner. Kleinere Organisationen wie die drei Tageselternvereine haben überhaupt keine Rentner. Das gilt auch für das Reberhaus in Bolligen.

 

Insbesondere das ungleiche Verhältnis zwischen Angestellten und Rentnern, die Fachwelt spricht von aktiv und passiv Versicherten, ist die grosse Knacknuss für eine faire Sanierung. Weil man Rentner für die Sanierung nicht belangen kann, müssen die Angestellten Überdurchschnittliches leisten. Nun ist das Sanierungskonzept so angelegt, dass aktiv Versicherte von Kassen ohne Rentner auch zur Sanierung von Kassen mit Rentnern beitragen müssten. Kein Wunder, dass zahlreiche Organisationen wie die Gemeinde Jegenstorf oder das Altersheim Aespliz in Ittigen den Anschlussvertrag mit der PVS BIO kündigten und sich einer anderen Vorsorgeeinrichtung anschlossen. Je mehr Satelliten abspringen, desto höher schlagen die Sanierungskosten für die Stiftergemeinden zu Buche. Oder wie es in der Botschaft für die Gemeindeversammlung der Einwohnergemeinde Bolligen verblüffend ehrlich steht: «Mit dem Austritt von vielen Körperschaften mit wenig Rentnern entfällt ein Teil der vom Stiftungsrat der PVS BIO angestrebten Querfinanzierung.»

 

Auch subjektive Gründe sprechen gegen eine Weiterführung der PVS BIO als eigenständige Gemeinschaftsstiftung. Mehr oder weniger die gleichen Leute, die das Debakel der PVS BIO mitverschulden, wollen diese nun auf Teufel komm raus retten. Eine Analyse, wie es zu der verhängnisvollen Deckungslücke kommen konnte, wurde nie geliefert. Schönreden, ausreden und ausblenden lautete die Devise. Man verwies auf andere Vorsorgeeinrichtungen, deren Deckungsgrad im Jahr 2008 ebenfalls in den Keller sackte, und versuchte zu verschleiern, dass der Absturz bei den anderen deutlich weniger stark ausgefallen war. Kein Wort darüber, dass der überdurchschnittliche Kurssturz auf eine zu riskante Anlagestrategie zurückzuführen war.

 

Als die Verantwortlichen merkten, dass die angeschlossenen Organisationen abzuspringen gedachten, revidierten sie flugs das Teilliquidationsreglement. Sie versuchten, den Satelliten den Austritt zu erschweren. So können abspringende Organisationen ihre Rentner nicht in der PVS BIO zurücklassen, wie das gemäss Anschlussvertrag noch möglich war. Das ist zwar sachlich richtig, nur sollten die Regeln nicht während des Spiels geändert werden.

 

Seit knapp einem Jahr präsidiert Marco Rupp den Stiftungsrat. Er ist der falsche Mann für diesen Job. Er ist nicht vom Fach, und als Gemeindepräsident von Ittigen ist er bei der PVS BIO versichert und von ihren Sanierungsmassnahmen direkt betroffen und damit befangen. Er reagiert zerknirscht, wenn sich die Medien erdreisten, die neusten Entwicklungen kritisch zu hinterfragen. So verschafft man sich kein Vertrauen.

 

Ob der von der PVS ausgearbeitete Sanierungsplan aufgehen wird, ist als Laie schwierig zu beurteilen. Aufgrund der gemachten Beobachtungen gibt es aber gute Gründe, daran zu zweifeln. Es ist bezeichnend, dass nur noch jene Organisationen der PVS BIO die Stange halten, die finanziell von den Stiftergemeinden abhängig sind. So ist zu befürchten, dass zumindest einige davon unter Druck gesetzt wurden, die PVS nicht zu verlassen.

 

Wenn sich all die Satelliten davonmachen, was sie eigentlich müssten, um nicht über den Tisch gezogen zu werden, so verbleiben die drei Stiftergemeinden. Eine Gemeinschaftsstiftung für nur diese drei Gemeinden ist zu klein. Die Verwaltungskosten pro Versicherte wären zu hoch. Sinnvoller ist es, wenn sich die drei Stiftergemeinden gemeinsam oder einzeln einer Sammel- oder Gemeinschaftseinrichtung mit bewährten Strukturen, einer besseren Reputation und einem überzeugenderen Erfolgsausweis anschliessen.

 

Erschienen in der BZ am 17. März 2016

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Claude Chatelain