Vierte Säule: «Enten hättest Du kaufen müssen»

Burkhard Varnholt, Julius Bär.
Burkhard Varnholt, Julius Bär.

Stellen Sie sich vor, die Notenbanken halten an ihrer verantwortungslosen Politik fest, überschwemmen den Markt uneinsichtig mit Geld, sorgen weiterhin für negative Zinsen und mit Obligationen lässt sich auch in fünf Jahren kein Geld verdienen... Dann steigt der Swiss Market Index (SMI) bis 2020 auf 20'000 Punkte. Das sind nicht meine Worte, bewahre, der das sagt, ist Burkhard Varnholt, der oberste Geldanleger der Bank Julius Bär. 

Seine Überlegung: Wenn man über viele Jahre mit Obligationen null Renditen erzielt und mit Aktien Dividendenrenditen von über 3 Prozent herausschauen, so werden Investoren verstärkt nach Dividendenpapieren trachten. Mit der steigenden Nachfrage steigt auch der Kurs.

 

Burkhard Varnholt macht einen historischen Vergleich: Was wir seit sechs Jahren erleben, hätten die Märkte auch ab 1957 erlebt. Die damaligen Rahmenbedingungen seien mit den heutigen vergleichbar. Damals habe die US-Notenbank den Markt ganze zwölf Jahre manipuliert, ähnlich wie heute. 1957 lag der Dow Jones bei 100 Punkten, 1968 bei 1000 Punkten, eine Verzehnfachung. Wobei der starke Anstieg der Kurse erst in der zweiten Hälfte erfolgte.

 

Na ja, ob nun der SMI in fünf Jahren auf 20 000 oder «bloss» auf 15 000 Punkte steigen wird, ist nebensächlich. In beiden Fällen müsste man sagen: Unbedingt Aktien kaufen. Dass freilich die Einschätzung von Burkhard Varnholt nicht von allen geteilt wird, zeigte sich kürzlich in der Fernsehsendung «Bilanz Standpunkte».

 

Was mich betrifft, so halte ich mich lieber an Börsenwitze als an Börsenprognosen. Ein Händler erklärt seinem Sohn die Börse: «Es ist wie auf dem Bauernhof. Du kaufst einen Hahn und ein Huhn. Das Huhn legt Eier, und die Eier werden zu Hühnern und Hähnen. Die Hühner legen wieder Eier, und schon hast du einen grossen, wertvollen Hühnerbestand.»

«So einfach ist das?»

«Ja! Nur jetzt kommt ein Unwetter und spült alles weg.»

«???»

«Enten hättest du kaufen müssen.»

 

Erschienen in der BZ am 1. März 2016

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Claude Chatelain