Steuerhotline: «Hilfe, mein Lädeli sei ein Hobby»

Kann man den Verlust, der einem das Lädeli beschert, bei den Steuern abziehen? An der Steuerhotline von letzter Woche waren zudem die Krankheitskosten, die Nutzniessung und der Nebenerwerb ein Thema. 

1. Bekanntlich kann man auch die Bundessteuer bei den Schulden angeben, obschon die Rechnung erst im März kommt. Welche andere offenen Rechnungen kann man sonst noch deklarieren?

Die Rechnung für die direkte Bundessteuer wird zwar erst im Frühjahr verschickt, sie betrifft jedoch das Steuerjahr 2015. Deshalb wird die Steuerbehörde diesen Abzug akzeptieren. In anderen Fällen ist das Rechnungsdatum massgebend. Hatten Sie zum Beispiel im Dezember Ihr Auto in der Reparatur, erhielten die Rechnung aber erst im Januar, so ist der Betrag nicht abzugsberechtigt.

 

2. Ich betreue im Nebenerwerb das Sekretariat eines Vereins und bekomme dafür im Jahr 4000 Franken. Ist dieses Einkommen AHV-pflichtig?

Wenn Sie im Rentenalter wären, nein. Frauen über 64 und Männer über 65 Jahren müssen erst ab einem Erwerbseinkommen von 16 000 Franken AHV-Beiträge abrechnen. Für Personen, die das AHV-Alter noch nicht erreicht haben, beträgt die Freigrenze 2300 Franken. Ihr Arbeitgeber sollte das Formular «Vereinfachtes Abrechnungsverfahren für Arbeitgeber» ausfüllen und der AHV überweisen. Dann wird auf Ihren 4000 Franken eine Quellensteuer von 5 Prozent erhoben. Ohne dieses Abrechnungsverfahren würden die 4000 Franken zum übrigen Einkommen hinzugerechnet, was Sie wegen der Progression teurer zu stehen käme.

 

3. Ich habe von der Krankenkasse nur eine Kostenübersicht von der Grundversicherung erhalten, nicht aber von den Zusatzversicherungen. Kann ich die Kosten für die Zusatzversicherungen nicht geltend machen?

Doch. Sie können alle Kosten, also den Selbstbehalt, die Franchise sowie die Medikamentenkosten, welche die Krankenkasse nicht vergütet, geltend machen. Auch Zahnarztkosten können Sie in Abzug bringen. Abzugsfähig sind aber nur die Kosten, die 5 Prozent des Reineinkommens übersteigen. Doch eintragen auf dem Formular 5 unter Ziffer 5.4 müssen Sie all die genannten Kosten trotzdem, unabhängig davon, ob sie die 5 Prozent des Reineinkommens übersteigen und zu einem tieferen steuerbaren Einkommen führen. Die Kürzung, falls berechtigt, wird dann von der Steuerverwaltung vorgenommen. Achtung: Die Prämien gehören nicht zu den Krankheitskosten, sondern zum Versicherungsabzug, einzutragen unter Ziffer 4.2.

 

4. Ich habe meinem Sohn das Haus vermacht, besitze aber die Nutzniessung. Nun möchte ich grössere Renovationen vornehmen und selber bezahlen. Kann ich diese steuerlich geltend machen?

Als Nutzniesser können Sie grundsätzlich nur den gewöhnlichen Unterhalt steuerlich in Abzug bringen. Und nur der Eigentümer, in Ihrem Fall Ihr Sohn, kann werterhaltende Investitionen tätigen und die Kosten vom steuerbaren Einkommen abziehen. Häufig ist der Nutzniesser finanziell besser aufgestellt als der Eigentümer. Sollte das auch bei Ihnen der Fall sein, empfehle ich Ihnen, die Renovationsarbeiten von Ihrem Sohn ausführen zu lassen und ihm den Betrag der anfallenden Kosten zu schenken.

 

5. Meine Partnerin ist finanziell von mir abhängig. Kann ich das in der Steuererklärung irgendwie geltend machen?

Das ginge nur, wenn Ihre Partnerin als unterstützungsbedürftig gilt, wenn sie also erwerbsunfähig ist. Das ist hier nicht der Fall. Noch ein Tipp: Achten Sie darauf, dass Sie die finanzielle Unterstützung für Ihre Partnerin nicht an die grosse Glocke hängen, sonst muss sie unter Umständen noch Schenkungssteuern bezahlen.

 

6. Ich betreibe ein kleines Lädeli, mit welchem ich Jahr für Jahr Verlust mache. Mein Mann hat die Kosten in unserer Steuererklärung angegeben, was die Steuerverwaltung auch akzeptierte. Nun sagt sie, beim nächsten Mal könnten Verluste nicht mehr geltend gemacht werden. Das Lädeli sei ein Hobby. Was kann ich dagegen tun?

Nicht viel. Es gibt immer wieder Fälle, bei welchen bestimmte Tätigkeiten von der Steuerverwaltung als Hobby bezeichnet werden, wenn sie keine Gewinne abwerfen. Ein Problem entsteht aber, wenn Sie in Zukunft allenfalls Gewinne schreiben. Diese müssten Sie dann grundsätzlich als Einkommen versteuern, obschon die Steuerverwaltung Ihr Lädeli als Hobby deklarierte und die entsprechenden Kosten nicht akzeptierte. 

 

Erschienen in der BZ am 1. März 2016

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Claude Chatelain