Vierte Säule: Warum Zürich günstiger ist als Bern

Zürcherinnen und Zürcher stimmen am Wochenende über eine Senkung der Grundbuchgebühr von 1,5 auf 1 Promille ab. Für eine Liegenschaft von 1 Million Franken betrüge die Grundbuchgebühr nur noch 1000 statt 1500 Franken. Hinzu kommen 1 Promille für das Notariat, insgesamt also 2000 statt 2500 Franken. Inklusive Mehrwertsteuer sind es 2580 Franken.

Von solchen Tarifen können wir Berner nur träumen: Hier rechnet man nicht in Promillen, sondern in Prozenten. Die Verschreibung einer Liegenschaft von 1 Million kostet über 23 000 Franken. Und sollte man von der Handänderungssteuer teilweise befreit sein, so sind es in unserem Fallbeispiel immer noch über 8000 Franken, die man im Staate Bern  für eine Verschreibung hinblättern muss.


Die Grundbuchgebühr ist zwar in Bern tiefer als in Zürich, da sie vom Zeitaufwand und nicht vom Wert der Liegenschaft abhängig ist. Sie kostet zwischen 300 und 800 Franken. Ins Tuch geht jedoch die Handänderungssteuer von 1,8 Prozent, die in Bern nur teilweise, in Zürich hingegen gänzlich abgeschafft wurde. Auch die Entschädigung für den Berner Notar ist nicht Ohne. Gemäss dem Notariatstarif beträgt seine Entschädigung für die Verschreibung eines Hauses von einer Million  3745 Franken.


Die freiberuflichen Berner Notare verteidigen die überdurchschnittlichen Kosten mit der Behauptung, dass die Amtsnotare in Zürich nicht kostendeckend arbeiteten. Ihre Arbeit würde vom Steuerzahler quersubventioniert.  


Wie sich nun in der Abstimmungsdebatte in Zürich herausstellt, ist das eine Schutzbehauptung.  Das Gegenteil ist der Fall. Die Zürcher Grundbuchämter hatten 2014 einen Deckungsgrad von 215 Prozent, die Amtsnotariate von 123 Prozent. Bei der Grundbuchgebühr in Zürich handelt es sich nicht um eine echte Gebühr, sondern um eine Gemengsteuer, eine Mischung von Steuern und Abgeltung für den Aufwand.  


Selbst bei einem Ja zur Gebührensenkung würden die Grundbuchämter und Amtsnotariate dem Zürcher Säckelmeister Geld abliefern und nicht umgekehrt. Das müsste uns Bernern zu denken geben.

Erschienen in der BZ am 23. Februar 2016

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Claude Chatelain