Vierte Säule: "Herr Chatelain, was haben Sie eigentlich gegen Notare?"

Noch lacht Justizdirektor Christoph Neuhaus.
Noch lacht Justizdirektor Christoph Neuhaus.

Leser A: Herr Chatelain, was haben Sie eigentlich gegen Notare?
CCH: Nichts.

L. A.: Warum schreiben Sie über Notare so negativ?
CCH: Ich habe nichts gegen Notare, höchstens gegen das Berner Notariatswesen.

L. A.: Das wird jetzt besser.
CCH: Glauben Sie daran?

L. A.: Sie etwa nicht?
CCH: Warten wir mal ab.

L. A.: Der Grosse Rat hat sich für eine Liberalisierung aus­gesprochen. Die Tarife werden purzeln.
CCH: Zuerst muss der Re­gierungsrat einen Gesetzes­vorschlag unterbreiten, der vom Grossen Rat noch abge­segnet werden muss. Und überhaupt: Die Tarife sind meines Erachtens nicht das Problem.

L. A.: Sondern?
CCH: Das bernische Unikum, dass man für jeden Wisch zum Notar muss: Beglaubigungen, Erbenscheine, Steuerinventare. Warum ist es der Gemeinde­behörde nicht erlaubt, Unterschriften zu beglaubigen?

L. A.: Hm.
CCH: Warum muss im Kanton Bern der Notar ein Steuer­inventar erstellen, wenn dazu in anderen Kantonen die Steuererklärung genügt?

L. A.: Hm. Sie sind doch nicht etwa für ein Amtsnotariat?
CCH: Warum nicht? Haben Sie schon einen Zürcher über Notare fluchen gehört?

L. A.: Ich kenne keine Zürcher. In Zürich hats nur Deutsche.
CCH: Hahaha.

L. A.: Warum lancieren Sie nicht einen Volksvorschlag? Wenn ein Garagier für die Senkung der Motorfahrzeugsteuer 10’000 Unterschriften hinkriegt, müssten Sie das als Journalist wohl auch schaffen.
CCH: Unterschätze nie einen Garagisten.

L. A.: Warum versuchen Sie es nicht?
CCH: Ich fürchte, der Chef­redaktor könnte etwas dagegen haben.

L. A.: Aber nach der Pensionierung könnten Sie es doch tun?
CCH: Der Neuhaus würde mich verfluchen.

L. A.: Welcher Neuhaus?
CCH: Christoph Neuhaus, der Justizdirektor. Die ganze Arbeit, die er jetzt für die Umsetzung der Motion in Angriff nimmt, wäre für die Katz.

L. A: Na und? Das braucht Sie doch nicht zu kümmern.
CCH: Eigentlich haben Sie recht. Warten wir mal ab.

Erschienen in der BZ am 16. Februar 2016

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Claude Chatelain