Steuerhotline: Acht Antworten zur Steuererklärung

Baukredite sind in der Steuererklärung wie Hypothekarkredite zu erfassen. Achtung: Das gilt für den Kanton Bern. Freiburg und Solothurn kennen andere Regeln. Und was letzte Woche sonst noch an der Steuerhotline zu hören war.Hier beginnt der Artikel

1.Ich bin 92-jährig und habe eine Haushaltshilfe. Eine Nachbarin hat mir gesagt, die Steuerverwaltung würde die Kosten für die Putzfrau nicht akzeptieren. Stimmt das?

Das kommt darauf an, ob Sie im Sinne der steuerlichen Kriterien als behindert gelten. Wenn Sie körperlich dauerhaft beeinträchtigt sind, die alltäglichen Verrichtungen vorzunehmen, so können Sie die Kosten im Formular 5 unter Ziffer 5.5 eintragen. Bei der Steuerverwaltung gibts übrigens einen Fragebogen zur körperlichen, geistigen oder seelischen Beeinträchtigung, den man vom Arzt unterschreiben lassen und der Steuerverwaltung bei einer allfälligen Nachfrage einreichen kann.

 

2.Ich finanziere mein Haus mit einem Baukredit. Muss ich diesen in der Steuererklärung angeben?

Im Kanton Bern sind Baukredite wie Hypothekarkredite zu erfassen. Die Schuld kann man bei der Vermögenssteuer geltend machen, und den Zins können Sie vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen. Ihre Frage ist übrigens berechtigt: In den Kantonen Freiburg und Solothurn zum Beispiel gelten Baukreditzinsen als Anlagekosten und können erst bei der Grundstückgewinnsteuer beim Verkauf der Liegenschaft geltend gemacht werden.

 

3.Ich bin 63 Jahre alt und besitze mehrere 3a-Konti, wie mir das empfohlen wurde. Im Januar habe ich für dieses Jahr den maximal möglichen Betrag von 6768 Franken einbezahlt. Kann ich nun im selben Jahr ein anderes 3a-Konto auflösen?

Ja, das ist durchaus möglich und hat auch keine negativen steuerlichen Konsequenzen. Sie müssen nach der Auflösung des einen Kontos die Sondersteuer auf Kapitalleistungen bezahlen. Diese sollte aber weniger stark ins Gewicht fallen, als was Sie mit der diesjährigen Einzahlung an Einkommenssteuern einzusparen vermochten.

 

4.Im Wertschriftenportefeuille muss ich das Datum der Dividendenausschüttung angeben. Welches soll ich eintragen, wenn der Anlagefonds mehrmals pro Jahr Dividenden ausschüttet?

Sie können jede Ausschüttung in einer neuen Zeile eintragen, müssten dann aber den Steuerwert per Ende Jahr natürlich nur einmal angeben. Noch einfacher ist es, von der Bank das Steuerverzeichnis zu verlangen und das Total im Wertschriftenverzeichnis in der dafür vorgesehenen Zeile einzutragen.

 

5.Ich absolvierte nach meinem Militärdienst ein Auslandsemester in Kanada. Ich finanzierte das weitgehend mit dem Geld, das ich von der Erwerbsersatzordnung erhalten habe.

Es handelt sich hier um eine Erstausbildung. Also könnten höchstens Ihre Eltern Abzüge vornehmen, falls Sie von ihnen unterstützt worden wären.

 

6.Meine Tochter macht berufsbegleitend eine Weiterbildung zur Direktionsassistentin. Ich unterstütze sie finanziell. Wo kann ich die Kosten geltend machen?

Leider nirgends. Nur für die Erstausbildung der Tochter können die Eltern in ihrer Steuererklärung die Kosten geltend machen. Hingegen kann ihre Tochter die Kosten in Abzug bringen, da es sich ja steuertechnisch um eine Weiterbildung und nicht um eine Ausbildung handelt. Ich empfehle Ihnen, Ihre finanzielle Unterstützung als Schenkung zu deklarieren, damit die Steuerverwaltung erkennt, wie Ihre Tochter die Weiterbildung finanziert.

 

7.Ich hatte einen Wasserschaden als Folge eines Rohrleitungsbruchs. Die Versicherung zahlte nur die Freilegungskosten, nicht aber die Reparatur. Wie gehe ich nun in der Steuererklärung vor?

Sie können die Aufwendungen als Grundstückkosten geltend machen. Zudem müssen Sie den Betrag, den Sie von der Versicherung erhalten haben, unter der Rubrik Leistung Dritter eintragen.

 

8.Ich erhalte eine Altersrente aus Deutschland. Muss ich diese als Einkommen versteuern?

Sie müssen das Renteneinkommen sicher angeben. Ob Sie es auch versteuern müssen, hängt davon ab, ob Sie in Deutschland für den Staat oder in der Privatwirtschaft tätig waren. Ehemalige Staatsangestellte versteuern in der Regel ihr Renteneinkommen im Heimatland und nicht am Wohnsitz. Das gilt auch für Deutsche. Waren Sie hingegen in der Privatwirtschaft tätig, so müssen Sie in der Schweiz die Rente genau gleich versteuern wie die AHV. Aber wie gesagt: Auch ehemalige Staatsangestellte müssen ihr Renteneinkommen deklarieren, weil es satzbestimmend ist. Das heisst, Sie geraten aufgrund des deutschen Renteneinkommens in eine höhere Progression. Nur ärgerlich, dass es in der Steuererklärung nicht eine spezielle Rubrik gibt, wo man ausländische Renten angeben kann.

 

Erschienen in der BZ am 16. Februar 2016

ANZEIGE

Claude Chatelain