Nun sind die Bären endgültig los

"Ein Bärenmarkt ist nicht sehr wahrscheinlich". Das sagte Thomas della Casa, Anlagechef bei der Neuen Helvetischen Bank, gegenüber Cash. Die am 15. Januar gemachte Aussage ist mutig. Und ist sie auch falsch. Keinen Monat nach dieser Aussage ist der Bärenmarkt auch in der Schweiz Tatsache geworden. 

Bullen setzen auf steigende und Bären auf fallende Kurse. Von einem Bärenmarkt spricht man, wenn die Aktienkurse seit ihrem letzten Höchst 20 Prozent verloren haben. Man rechne: Am Mittwoch, dem 5. August 2015, schloss der Swiss Market Index (SMI) bei 9526.76 Punkten. So hoch wie nie seit 2007. Am Dienstagnachmittag fiel das Barometer der 20 grössten an der Schweizer Börse kotierten Aktiengesellschaften erstmals unter 7621 Punkte und damit um mehr als 20 Prozent seit dem letzten Höchst.

 

Gemessen an der Tonalität in Börsenkommentaren sind Bullenmärkte etwas Gutes, Bärenmärkte etwas Schlechtes. Logisch: Der Wert eines Portefeuilles nimmt bei steigenden Kursen zu. Das freut Finanzchefs, die gegenüber dem Verwaltungsrat Buchungsgewinne vorweisen können. Und das freut auch Anlageberater, die ihre Kunden nicht besänftigen und auf (hoffentlich) bessere Zeiten vertrösten müssen.

 

Privatanleger ticken anders. Sie brauchen Buchverluste niemandem zu rechtfertigen. Acht Jahre dauerte der Bullenmarkt. Wer sich von den stetig steigenden Kursen nicht anstecken liess und in den vergangenen Jahren mit Aktienkäufen zuwartete, kann nun die Dividendenpapiere zu Schnäppchenpreisen ergattern. Schnäppchen im Vergleich zu früheren Kursen; auch Schnäppchen in Bezug auf die Dividende. Extrembeispiel Zürich Versicherung: Das Papier kostete in den vergangenen zwölf Monaten auch schon 334 Franken. Am Dienstag pendelte es um die 200 Franken. Das entspricht einem Minus von 40 Prozent. Und wenn man bedenkt, dass man mit einer Dividende von 17 Franken rechnen kann, so gibt das beim heutigen Kurs eine Dividendenrendite von 8,5 Prozent. Auch bei weniger schwankungsanfälligen Titeln wird belohnt, wer auf tiefere Kurse zu warten vermochte; Roche sank von 284 auf 240 Franken, minus 15 Prozent. Auch hier ist die Dividendenrendite mit 3,3 Prozent ansprechend

  

Man braucht nicht einzelne Aktien herauszupicken. Besser abgesichert ist man mit einem börsenkotierten Anlagefonds, sogenanntem ETF, der den Börsenindex abbildet. Und wenn die Kurse weiter fallen, sollte man sich gleichwohl den Schlaf nicht rauben lassen. Dann sollte man sich auf üppige Dividenden freuen. Kaufe in der Baisse; verkaufe in der Hausse.

 

Erschienen auf BZ-online am 9. Februar 2016

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Claude Chatelain