Thomas Fuchs gegen Andrea Zryd - beziehungsweise Volkssport ja oder nein

SVP-Grossrat Thomas Fuchs.
SVP-Grossrat Thomas Fuchs.

Morgen Mittwoch beginnt die Steuersaison. Wir führen die erste von drei Ratgeberhotlines zu Steuern durch. Bei keiner anderen Hotline dieser Zeitung laufen die Drähte so heiss.

Mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit wird eine Leserin oder ein Leser verstohlen offenbaren, dass da noch so ein schwarzes Konto sei. Was er – oder sie – wohl tun sollte? Die Experten werden sagen: «Bei der Steuerverwaltung das Konto angeben und von der Steueramnestie profitieren.»

 

Das erinnert mich an die Motion «Stopp dem Volkssport Steuerhinterziehung». SP- Grossrätin Andrea Zryd aus Magglingen wollte den Regierungsrat mit einer Motion dazu auffordern, «zusätzliche Massnahmen dafür zu ergreifen, den Umfang der Steuerhinterziehung zu reduzieren».

SP-Grossrätin Andrea Zryd.
SP-Grossrätin Andrea Zryd.

Dass ausgerechnet eine Sportlehrerin den Volkssport bekämpfen will, finde ich bemerkenswert. Den erbittertsten Gegner in der Grossratsdebatte vor drei Wochen fand Andrea Zryd ausgerechnet in SVP-Grossrat Thomas Fuchs, der mit bissigen Worten das Ansinnen der Sportlehrerin abkanzelte und sich für einen Volkssport starkmachte, wie er sich womöglich noch nie für eine Sportart eingesetzt hatte. Zumindest würde man dies wegen seiner Fülle nicht anders vermuten. Hingegen muss ich einräumen, dass auch Schiessen olympisch ist. Eine Sportart, die Alt-Nationalrat Fuchs als Oberst der Schweizer Armee womöglich gar nicht so schlecht beherrscht.

 

Ob Volkssport oder nicht. Steuerhinterziehung ist eine Tatsache. Doch wie soll der Kanton sie bekämpfen? Natürlich mit zusätzlichen Steuerinspektoren. Diese würden aber den Personaletat belasten. Nur wenige Minuten bevor Andrea Zryd an jenem Dienstag vor drei Wochen ihren Vorstoss begründen konnte, hatte der Grosse Rat die Regierung dazu verknurrt, die Personalkosten um 10 Prozent zu senken. Da wäre es ungeschickt, zusätzliche Steuerinspektoren anzuheuern. Die Motion ging bachab. Der Grosse Rat war für ­einmal konsequent.

 

Erschienen in der BZ am 9. Februar 2016

ANZEIGE

Claude Chatelain