Online ist in, Papier ist out

Steuerverwalter Bruno Knüsel an der letzten Medienkonferenz seiner 16-jährigen Amtszeit.
Steuerverwalter Bruno Knüsel an der letzten Medienkonferenz seiner 16-jährigen Amtszeit.

Der Trend zur elek­tronisch verschickten Steuererklärung hält an, so auch jener der straflosen Selbstanzeige. Wobei hier der Kanton Bern auch schon höhere Erfolge zu erzielen vermochte als im vergangenen Jahr.

 

Auch im zurückliegenden Jahr haben sich Steuerpflichtige im Kanton Bern als Steuerhinter­zieher geoutet und sich selber angezeigt. 750 an der Zahl. Das ist zwar weniger als im Rekordjahr 2014 mit 840 Selbstanzeigen, aber immerhin die zweithöchste Zahl seit deren Einführung vor sechs Jahren. Bei der straflosen Selbstanzeige fällt die Busse weg, es genügt, die Nachsteuern zu bezahlen. So kamen Kanton und Gemeinden im vergangenen Jahr zu einem zusätzlichen Steuerertrag von 15,1 Millionen Franken.

 

Der grösste Steuersünder zahlte 1,1 Millionen Franken nach, der kleinste bloss 250 Franken. Der Rekord von 2013 blieb aber unerreicht (siehe Tabelle). Dank der straflosen Selbstanzeige haben Kanton und Gemeinden seit 2010 ziemlich genau 100 Millionen Franken eingenommen. «Doch wichtig ist, dass Erträge auf aufgetauchten Vermögen in Zukunft Steuern abwerfen», sagte gestern Steuerverwalter Bruno Knüsel.

 

Das Papier stirbt aus

 

Rund 630 000 Steuererklärungen werden derzeit verschickt. Genau genommen handelt es sich in sieben von zehn Fällen bloss um die Zusendung des Passwortes mit der Einladung zum Ausfüllen der Steuererklärung, weil das Couvert ohne Formulare daherkommt. Zur Genugtuung der Steuerbehörde hat die Zahl jener, die die Steuererklärung auf Papier einreichen, letztes Jahr weiter abgenommen. Nur noch 15 Prozent der Steuerpflichtigen füllen die Steuererklärung auf dem Papier aus. «Wenn es so weitergeht, wird der Anteil in den einstelligen Bereich sinken», hofft Bruno Knüsel. Er führte gestern die jährliche Medienkonferenz nach 16 Jahren als Steuerverwalter zum letzten Mal durch. Auf Anfang August übergibt er die Verantwortung Claudio Fischer, der noch bei Ernst & Young in ­Zürich unter Vertrag steht.

 

Für einmal nichts Neues

 

Traditionsgemäss stellt der Steuerverwalter zu Jahresbeginn die Neuerungen vor, die beim Ausfüllen der Steuererklärung zu beachten sind. Dieses Jahr gibts keine namhaften Änderungen. Wohneigentümer in 143 der 352 Berner Gemeinden müssen zwar einen höheren Eigenmietwert versteuern. Das ist seit einem Jahr bekannt. Die Höhe des Eigenmietwertes ist auf dem Formular bereits eingetragen.

 

Erst in der übernächsten Steuererklärung, die 2017 einzureichen ist, müssen sich Steuerpflichtige mit einem maximalen Fahrkostenabzug von 6700 Franken zufriedengeben. Zudem wird auf die schwer verständliche Unterscheidung zwischen Weiterbildung und Ausbildung verzichtet: Es gibt dann nur noch einen Abzug für «berufsorientierte Aus- und Weiterbildung». Als dritte Neuerung wird der Abzug für die auswärtige Betreuung von Kindern von 3100 auf 8000 Franken erhöht. Wie gesagt: Für die kommende Steuererklärung ist das noch nicht relevant. Es sei hier trotzdem vermerkt, weil die im laufenden Jahr getätigten Ausgaben fürs Pendeln, für die Weiterbildung und für die Fremdbetreuung von Kindern neue steuerliche Auswirkungen haben.

 

Lohnender Zins

 

Schliesslich lohnt es sich auch 2016, die Steuerrechnung im Vor­aus zu begleichen. Im Gegensatz zu anderen Kantonen zahlt die Steuerverwaltung des Kantons Bern bei Vorauszahlungen weiterhin einen Zins von 0,25 Prozent. Trotz der Negativzinspolitik der Schweizerischen Nationalbank scheint sich das für den Kanton zu lohnen. Bruno Knüsel: «Wir müssen dadurch einen ­geringeren Inkassoaufwand be­treiben.»  

 

 

Personalabbau? Vergiss es

Wie am Mittwoch berichtet, verlangt der Grosse Rat von der Regierung, innert fünf Jahren 10 Prozent der Personalkosten einzusparen, 2 Prozent pro Jahr. «Die Abbau-Idee wird man in der Steuerverwaltung nicht umsetzen können», ist Bruno Knüsel überzeugt. Ihm kann es zwar egal sein. Er gibt sein Amt als Steuerverwalter Ende Juli ab. Doch Knüsel gibt zu bedenken, dass sein Nachfolger kaum darum herumkommen wird, den Personaletat aufzustocken. Bei den Quellensteuern für ausländische Staatsbürger sind auf

Bundesebene Änderungen geplant, was bei den Kantonen zu einem erheblichen Mehraufwand führen werde. Und wenn der automatische Informationsaustausch in Kraft tritt, müssten die Kantone allenfalls Amtshilfe leisten. «Das kann man nicht einfach so nebenbei tun.» Knüsel verweist zudem auf ein noch hängiges Postulat, mit welchem die Steuerverwaltung den Auftrag gefasst hatte, verstärkt ge­gen die Steuerhinterziehung vorzugehen. «Ohne zusätzliches Personal geht das nicht.»

 

 

Erschienen in der BZ am 23. Januar 2016


ANZEIGE

Claude Chatelain