Im Kanton Bern steigen die Preise noch

Während die Eigenheimpreise in der Schweiz im angelaufenen Jahr eher abnehmen dürften, sagt die UBS für den Kanton Bern auch für 2016 einen Preisanstieg voraus.

Nach sechzehn Jahren unaufhörlichem Aufwärtstrend dürften die Immobilienpreise in der Schweiz den Kulminationspunkt erreicht haben. Dies schätzt die UBS. Wie letzte Woche in dieser Zeitung berichtet, prognostiziert die Grossbank für 2016 stagnierende Preise bei Einfamilienhäusern und einen Preisrückgang von 1 Prozent bei Eigentumswohnungen. Dies gilt freilich nur im schweizerischen Mittel. Für den Kanton Bern rechnet die UBS mit einem weiteren Preisanstieg um 3 Prozent. «Bern hat noch Aufholpotenzial», sagt Claudio Saputelli, Leiter Global Real Estate.

 

Bern hinkt hinterher

 

Bald dürfte der Kulminationspunkt auch in weiten Teilen des Kantons Bern erreicht sein. Es wird generell schwieriger, ein Eigenheim zu erwerben. Das hängt auch damit zusammen, dass auf der einen Seite die Immobilienpreise massiv gestiegen sind, die Löhne auf der anderen Seite aber kaum zugelegt haben.

Ausgewählte Gemeinden im Vergleich


Bern 2.6
Belp 3.5
Bremgarten -7.9
Ittigen 1.0
Köniz 5.9
Münchenbuchsee 1.3
Münsingen 4.8
Muri -4.8
Ostermundigen 0.0
Schwarzenburg -2.4
Stettlen 6.3
UrtenenSchönbühl -1.2
Wohlen -3.1
Worb 4.8
Zollikofen 7.6
   
Burgdorf 0.2
Fraubrunnen 14.2
Hasle b. B.  7.0
Kirchberg 3.6
Langnau 2.2
Langenthal -5.8
Herzogenbuchsee 5.0
Huttwil 3.2
Roggwil 4.6
Sumiswald -3.5
Trubschachen 5.6
   
Thun 0.2
Heimberg 0.2
Hilterfingen 0.3
Sigriswil 4.6
Steffisburg -4.4
Uetendorf 3.4
Wichtrach -1.7
Spiez -2.0
Adelboden -1.8
Frutigen -0.7
Lenk 7.5
Reichenbach 7.8
Saanen -9.6
Zweisimmen -2.7
   
Interlaken 1.1
Beatenberg 5.9
Grindelwald -3.4
Lauterbrunnen 9.8
Matten 4.7
Meiringen 5.4
Unterseen 7.3
   
Biel 5.2
Aarberg -0.7
Ins 6.9
Lyss 1.7
Moutier 1.9
Saint-Imier -3.5
Tramelan -1.4
Quelle: UBS  
 
   

Der Zusammenhang zwischen Lohn und Immobilienpreis ergibt sich in der Tragbarkeitsrechnung. Die Banken kalkulieren seit über zwanzig Jahren mit einem Hypothekarzins von 4 bis 5 Prozent. Ein Hypothekarschuldner muss also bei einem gegebenen Lohn auch einen Hypozins von 4 bis 5 Prozent verkraften können. Dabei darf der kalkulatorische Hypozins plus Nebenkosten und Amortisation ein Drittel des Bruttojahreseinkommens nicht übersteigen.

 

Folgendes Beispiel: 2008 hätte die Hälfte der Schweizer Haushalte die Einkommensbedingungen erfüllt, um für eine 120 Qua­dratmeter grosse Neubauwohnung eine Finanzierung von 80 Prozent des Kaufpreises zu erhalten. Als Folge der höheren Immobilienpreise gilt das heute nur noch für ein Viertel der Haushalte, da eben ­– wie gesagt – die Einkommen im Unterschied zu den Eigenheimpreisen seit 2008 kaum zugenommen haben. Hinzu kommt, dass die Bedingungen für eine Eigenheimfinanzierung generell verschärft worden sind. Man muss mehr Eigenkapital vorweisen können und einen Teil der Hypothek amortisieren.

 

Bern: Plus 4,7 Prozent

 

Im letzten Jahr sind die Preise im schweizerischen Mittel noch gestiegen – bei Eigentumswohnungen um 1,5 und bei Einfamilienhäusern um 2 Prozent. Im Kanton Bern stiegen die Preise sogar um 4,7 Prozent.

 

Es gibt aber zwischen den Gemeinden grosse Unterschiede. Bei kleineren Gemeinden sind prozentuale Preisänderungen wegen der geringen Zahl von Handänderungen nur von beschränkter Aussagekraft. In der nebenstehenden Tabelle sind deshalb vor allem grössere Gemeinden aufgeführt.

 

Preiskorrektur in Saanen

 

Überdurchschnittliche Preissteigerungen waren etwa im Speckgürtel rund um Bern zu beobachten. In Zollikofen stiegen die Preise um 7,6 Prozent. Auffallend ist zudem der Preisrückgang von 9,6 Prozent in Saanen. Das deckt sich mit den Messungen an anderen Toplagen: «Das Hochpreissegment ist schweizweit unter Druck geraten», weiss Immobilienspezialist Claudio Saputelli. Am Genfersee sind die Preise schon seit drei Jahren rückläufig und am Zürichsee stellten die Spezialisten ebenfalls spürbare Preissenkungen fest.

 

Erschienen in der BZ am 19. Januar 2016


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Claude Chatelain