Fast alles hängt von der AHV ab

Rentnerinnen und Rentner können sich dieses Jahr nicht auf eine höhere AHV-Rente freuen. Aber es gibt bei den Sozialversicherungen ein paar Neuerungen im angelaufenen Jahr.

Wenn der Bundesrat die AHV-Rente der Preis- und Lohnentwicklung anpasst, so führt dies in allen drei Säulen einen Rattenschwanz von Änderungen nach sich, denn die AHV-Rente dient als Basis etlicher Grenzwerte (siehe Grafik). Nun, die letzte Anpassung der AHV-Rente trat Anfang 2015 in Kraft: Damals stieg die maximale Vollrente von 28'000 auf 28'200 Franken. Doch auf 2016 traten in den Sozialversicherungen Änderungen in Kraft, die in keinem Zusammenhang mit der AHV-Rente stehen:

  • Das Guthaben in der zweiten Säule wird 2016 nur zu 1,25 Prozent verzinst. Im zurückliegenden Jahr lag der Satz noch bei 1,75 Prozent. Der gesetzliche Mindestzins gilt nur für jenen Teil des Pensionskassenguthabens, welcher im Rahmen des gesetzlichen Obligatoriums angespart wurde. Die Höhe des Zinses für das überobligatorische Guthaben bestimmt der Stiftungsrat.
  • Der Beitragssatz der Erwerbsersatzordnung (EO) sinkt von 0,5 auf 0,45 Prozent. Damit erhalten heuer auch solche Arbeitnehmer netto ein paar Franken mehr Lohn , die nicht in die Gunst einer Lohnerhöhung kamen. Statt 5,15 Prozent beträgt der Lohnabzug für AHV, IV und EO für den einzelnen Arbeitnehmer «nur» noch 5,125 Prozent. Mit der EO wird ein Teil der Erwerbsausfälle bei Mutterschaft, Militär-, Zivil- und Zivilschutzdienst vergütet.
  • In der Unfallversicherung (UVG) steigt der maximal versicherte Verdienst von 126 000 auf 148'000 Franken. Mit der neuen Obergrenze sind rund 95 Prozent der Versicherten zum vollen Lohn versichert. Die Höhe des Taggeldes oder der Invalidenrente beträgt 80 Prozent des versicherten Verdienstes.

 

Nicht verändert hat sich - wie gesagt - die AHV-Rente. Die Vollrente beträgt je nach Durchschnittseinkommen zwischen 14'100 und 28'200 Franken. Eine Vollrente erhält, wer keine Beitragslücken aufweist, wer also ab dem Kalenderjahr, in dem man das 21. Altersjahr erreichte, ohne Unterbruch die Beitragspflicht erfüllte. Bei einer Beitragslücke gibts eine Teilrente. Ein fehlendes Beitragsjahr führt in der Regel zu einer Rentenkürzung von mindestens 1/44.

 

Multipliziert man die maximale Vollrente mit drei, ergibt sich daraus der maximale AHV-Lohn für die zweite Säule. Er beläuft sich auf 84'600 Franken. Nach Abzug des Koordinationsabzugs von 24'675 Franken verbleiben 59'925 Franken. Das ist der maximale koordinierte BVG-Lohn, gleichbedeutend mit versichertem Lohn. Auf diesem Lohn werden die obligatorischen Pensionskassenabzüge berechnet. Liegt der versicherte Lohn über besagten 59'925 Franken, so ergeben sich daraus überobligatorische Guthaben. Man spricht von koordiniertem Lohn, weil die Renten der ersten und zweiten Säule koordiniert werden sollen.

 

Wer als Unselbstständig­erwerbender einen AHV-Lohn von mindestens 21'150 Franken erzielt, ist dem Gesetz über die berufliche Vorsorge (BVG) zu unterstellen. Die Eintrittsschwelle von 21'150 Franken entspricht 75 Prozent der maximalen Vollrente. Wird die AHV-Rente erhöht, erhöht sich auch die Eintrittsschwelle. Nach Inkrafttreten des BVG entsprachen Eintrittsschwelle und Koordinationsabzug der maximalen Vollrente. Die Grenzwerte wurden nach unten korrigiert, um Menschen mit tieferen Einkommen entgegenzukommen.

 

Der minimale koordinierte Lohn beträgt 3525 Franken. Er ergibt sich aus der Differenz des Koordinationsabzugs und der Eintrittsschwelle. Oder indem man die maximale volle AHV-Rente durch acht dividiert.

 

Auch die maximale Abzugsmöglichkeit bei der gebundenen Selbstvorsorge definiert sich über die Höhe der AHV. Wer einer Pensionskasse angeschlossen ist, kann bei einer Bank oder einer Versicherung bis zu 6768 Franken in die Säule 3a einzahlen und vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen. Dieser Betrag galt für 2015 und gilt auch für 2016. Der Betrag entspricht 24 Prozent der maximalen vollen AHV-­Rente.

 

Weil Menschen ohne Pensionskasse eine schlechtere Vorsorge aufweisen als angestellte Personen, kommen sie in der Säule 3a in den Genuss einer höheren Abzugsmöglichkeit. Sie beträgt maximal 33'840 Franken oder maximal 20 Prozent des ­Nettoerwerbseinkommens.

 

Erschienen in der BZ am 5. Januar 2015

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Claude Chatelain