Vierte Säule: Hin und her bringt mehr

Kann der SMI am letzten Handelstag des Jahres die negative Jahresperformance noch abwenden? Diese rhetorische Frage stellte «Cash» letzte Woche zu Beginn des letzten Handelstages. 

Und weiter: «Dazu müsste der SMI heute über 1,1 Prozent zulegen». Nun, der Swiss Market Index legte an jenem Mittwoch keine 1,1 Prozent zu und lag damit am Jahresende mit 1,8 Prozent  tiefer als Ende 2014. Fazit: 2015 war für die Schweiz ein negatives Börsenjahr.

 

War 2015 nicht nur ein negatives, sondern auch ein schlechtes Börsenjahr? Haben die Auguren, die vor zwölf Monaten höhere Aktienkurse prophezeiten, daneben gelangt? Nein und nochmals nein. Denn das Bilanzieren nach einem Jahr ist wenig sinnvoll. Die Prognostiker, die vor zwölf Monaten höhere Aktienkurse voraussagten, lagen eben doch richtig. Sie sagten nicht, Ende 2015 würden die Aktienkurse höher liegen als Ende 2014. Sie prophezeiten vielmehr, die Aktienkurs würden auch 2015 steigen. Recht hatten sie. Trotz dem 15. Januar 2015, dem Tag des Frankenschocks.

 

Wer vor einem Jahr einen Aktienkorb kaufte, der den SMI abbildet, zum Beispiel einen börsenkotierten Indexfonds (ETF), konnte nämlich schönes Geld verdienen. Anfang August lag der SMI bei über 9500 Punkten, nur noch wenige Punkte seines historischen Höchststands von Mitte 2007 entfernt. Somit erzielte der SMI in den ersten sieben Monaten des zurückliegenden Jahres einen Kursanstieg von 6 Prozent.  Der breiter gefasste Swiss Performance Index (SPI), der im Unterschied zum SMI auch die Ausschüttung von Dividenden berücksichtigt, lag zwischenzeitlich um über 9 Prozent im Plus.

 

Es ist übrigens keineswegs so, dass niemand zum Verkauf von Aktien geraten hätte: «Der SMI fällt heuer noch unter 9000 Punkte», sagte Ende Juli Raiffeisen-Ökonom Martin Neff  im Interview mit dieser Zeitung. Anleger seien nicht schlecht beraten, «wenn sie heute einen Teil der Kursgewinne realiseren». Aktien verkaufen, um bei tieferen Kursen wieder einzusteigen, ist freilich nicht gemäss Lehrbuch. Dort heisst es: «Hin und her macht Taschen leer». Ich selber halte mich nicht an dieses Drehbuch. Bei volatilen Seitwärtsbewegungen, wie wir sie derzeit erleben, sage ich lieber: «Hin und her bringt mehr».

 

Erschienen auf BZ-online am 5. Januar 2016

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Claude Chatelain