Loeb und Biella Neher sorgen an der OTC-X für Umsatz

Die Handelsplattform der Berner Kantonalbank hat im abgelaufenen Jahr vielversprechenden Zuwachs erhalten: den Partizipationsschein von Loeb und die Aktien des Büromaterialherstellers Biella Neher. Besondere Erwähnung im Jahresrückblick verdienen zudem Kongress- und Kursaal Bern, Schilthornbahn, Cendres + Métaux sowie der Flughafen Bern.

Steigt ein Sportclub von der höchsten Liga ab, gehört er in der unteren Liga oft zu den besten. Übertragen auf Aktien könnte das heissen, dass ein Wertpapier für einen prächtigen Umsatz sorgt, wenn es von einer Börse in den ausserbörslichen Handel «absteigt». Die Papiere der Berner-Oberland-Bahnen, der BLS oder der Gondelbahn Grindelwald vermochten diese Erwartung nicht zu erfüllen, als sie 2014 an einer Börse dekotiert wurden und fortan nur noch ausserbörslich zu haben waren.


Anders der Partizipationsschein (PS) der Loeb Holding: Auf den 1. Oktober 2015 wechselte der PS von der SIX zur OTC-X – oder auf Deutsch – von der Schweizer Börse zur Handelsplattform der Berner Kantonalbank (BEKB). Und siehe da: Allein in drei Monaten erzielte der PS einen Umsatz von über einer Million Franken. Nur mit drei Aktien von Berner Unternehmen wurden noch höhere Umsätze erzielt – dies allerdings über das ganze Jahr. Freilich waren es beim Loeb-PS vorab Verkäufer und weniger Käufer, die für die Musik sorgten. Seit die Warenhauskette ihre PS-Versammlung nicht mehr mit einer Vorführung im Circus Knie anreichert, hat der PS an Glanz verloren. Rechnet man die Naturaldividende in Form eines Zirkuseintritts hinzu, so lag die Dividendenrendite des Loeb-PS während Jahren bei über 10 Prozent. Diese Zeiten sind vorbei.


Auch Biella Neher ist nach einer zehnjährigen Pause wieder auf der OTC-X zu finden und weiss mit hohen Umsätzen aufzufallen: 106 000 Franken allein in einem Monat. Vor der Dekotierung an der Berner Börse per Ende November hat sich der Kurs in einem Jahr halbiert. Gemäss einer Anfang Dezember erschienen Studie wird die Digitalisierung des klassischen Büroartikelgeschäfts zu einem weiteren Nachfragerückgang führen.


Seit diese Zeitung über die Entwicklung der an der OTC-X gehandelten Berner Werte berichtet, lieferte die Espace Real Estate stets die höchsten Handelsum­sätze. Im abgelaufenen Jahr jedoch wurde die Bieler Immobiliengesellschaft von der Kongress- und Kursaal Bern um mehr als das Doppelte geschlagen. Die BEKB freuts. Sie generiert dadurch Kommissionseinnahmen. Die Aktionäre freuts ebenfalls, weil der Nachfrageschub Kursgewinne im zweistelligen Prozentbereich bescherte. Dafür verantwortlich scheinen Investoren im Umfeld des Bauunternehmers Bruno Marazzi zu sein. Sie ergatterten Ende Juni innert sieben Minuten 7500 Kursaal-Aktien und sicherten sich 9,2 Prozent des Aktienkapitals. Bruno Marazzi selber kann es nicht sein. Er besitzt bereits 10 Prozent des Kapitals. Mehr sind gemäss den Statuten nicht erlaubt.


Neben den genannten drei Firmen erzielte an der OTC-X nur noch der Messeveranstalter Bern­expo Holding einen Handelsumsatz von über einer Million Franken. Der Mitte 2015 zurückgetretene Verwaltungsratspräsident Nicolas Markwalder galt im Unterschied zu seinem Vorgänger Kurt Streit als vorausschauender, solider Stratege. Der Wechsel des Präsidiums von Markwalder zu Franziska von Weissenfluh vermochte den Optimismus der Aktionäre nicht zu erschüttern, wie der Kurs­gewinn von über 20 Prozent beweist.


Eine Personalie konnte dieser Tage auch der Baudienstleister Weiss + Appetito vermelden. Die acht Partner, die gleichzeitig operationelle Bereiche leiten, entschieden sich als Nachfolger von CEO Bruno Wägli für eine externe Lösung – und zwar für eine branchenfremde Frau, eine im Marketing tätige Wirtschaftsinformatikerin. Laut VR-Präsident Daniel Kramer ist die 47-jährige Andrea Wucher «die Wunschkandidatin für die Gesamtführung der Gruppe», sagte er dem «Bund». Somit können sich die Partner, die 55 Prozent des Aktienkapitals besitzen, wie bisher aufs operationelle ­Geschäft konzentrieren. Was den Aktienkurs betrifft, hat dieser auch schon bessere Zeiten gesehen: Ende 2012 lag der Geldkurs bei 391 Franken. Seit gut zwei Jahren bewegt er sich zwischen 290 und 320 Franken. Der Geldkurs ist jener Preis, den ein Käufer für eine Aktie zu zahlen bereit ist.

 

Und wenn wir schon bei Führungswechseln sind: Beim Flughafen Bern sind im Verlauf des Jahres der Direktor, der Marketingleiter und die Sicherheitschefin gegangen oder gegangen worden. Seit November hat in Belp offiziell der 37-jährige Ma­thias Gantenbein das Sagen. Allein im ersten Quartal, also vor Ankündigung des neuen CEO, stieg der Geldkurs um 22 Prozent auf 61 Franken. Seither ist mit der Flughafenaktie nicht mehr viel passiert.


Die Bieler Cendres + Métaux schloss vor gut einem Jahr den Turnaround erfolgreich ab, wurde dann durch den schwachen Euro erneut auf eine harte Probe gestellt. Nun droht auch noch der Uhrenmarkt einzubrechen. Dennoch dürfte der Aktienkurs die Talsohle erreicht haben. Der Gewinn des per Ende September abgeschlossenen Geschäftsjahres lag über den Erwartungen.


Derweil der schwache Euro und jetzt das sommerliche Winterwetter den meisten Bergbahnen zusetzen, zeigen sich die Aktionäre der Schilthornbahn von dieser Entwicklung unbeeindruckt. Björn Zern, der im November eine Branchenanalyse verfasste, spricht von einer Zweiklassen­gesellschaft. Auf der einen Seite eine Handvoll Bergbahnen mit einem starken Sommergeschäft, die schon früh auf asiatische Märkte setzten. Auf der anderen Seite die grosse Mehrheit aller Bergbahnen, die vom Wintersport­geschäft abhängig sind. Die Schilthornbahn gehört zur ersten Kategorie, so wie übrigens auch die börsenkotierte Jungfraubahn Holding und die Titlis-, Pilatus- und Rigibahn. Björn Zern bezeichnet die Schilthornbahn im Asien-Geschäft als «Nachzügler. Sie verfüge über Kapazitätsre­serven und aus Investorensicht auch über Aufholpotenzial.


Anfang Dezember teilte die Jungfraubahn Holding mit, dass sie den Minderheitsaktionären der Harderbahn und der Bergbahn Lauterbrunnen–Mürren eine Übernahmeofferte unterbreiten will. Sie hält an diesen Unternehmen 70 beziehungsweise 80 Prozent. Die Jungfraubahn reagiert damit auf neue Vorschriften für Inhaberaktionäre und nimmt diese zum Anlass, die Struktur der Jungfraubahn-Gruppe zu vereinfachen. Harderbahnaktionäre witterten Morgenluft: Während am 23. Oktober 2015 noch Harder-Aktien für 260 Franken gehandelt wurden, kosteten sie nach Ankündigung der Strukturbereinigung bereits 341 Franken. Auf dem untenstehenden Kurstableau verzeichnet das Inhaberpapier der Harderbahn den grössten Kursanstieg der nichtkotierten Berner Werte.


Ein Übernahmeangebot wünschen sich auch die Minderheitsaktionäre der BLS, die nur 8 Prozent des Aktienkapitals besitzen. Jahr für Jahr verlangen sie an der Generalversammlung wenigstens eine Dividende, nachdem der Kurs auf einen halben Franken geschmolzen ist. Vor dreizehn Jahren kostete die Aktie noch über 25 Franken. Doch der Verwaltungsrat beziehungsweise der Kanton Bern als Mehrheitsaktionär wollen nichts von einer Dividende wissen. Lieber lassen sie die paar Aktionäre schmoren.


Nicht gerade schmoren, aber immerhin administrativen Kram müssen neu Aktionäre von ausserbörslich gehandelten Inhaberaktien erledigen. Sie müssen sich neu bei der Firma outen, wenn sie in den Genuss der Dividende kommen und andere Aktionärsrechte wahrnehmen wollen. Neben der genannten Harderbahn gilt dies unter anderem für die BOB, die Luftseilbahn Grindelwald Pfingstegg oder für die Niesenbahn. Wegen administrativer Hürden nimmt die Attraktivität der Inhaberpapiere ab. 

 

 

Name Geldkurs Geldkurs Veränd. Umsatz
  Ende 2014  28.12.2015    in % in Franken
Kongress- und Kursaal, Bern 410.00 495.00 20.7 6'733'774
Espace Real Estate, Biel 134.80 147.00 9.1 3'145'886
Bernexpo Holding, N 396.00 436.00 10.1 1'315'194
Loeb PS, Bern*   175.00   1'102'928
         
Cendres+Métaux, Biel 8500.00 6100.00 -28.2 775'000
Spar- und Leihkasse Riggisberg 5750.00 5750.00 0.0 758'590
Weiss + Appetito Namen 300.00 310.00 3.3 683'741
BLS N 0.45 0.50 11.1 507'851
Schweizer Zucker, Aarberg 30.00 17.00 -43.3 436'385
Clientis Bank Oberaargau, 350.00 360.00 2.9 436'505
Bank SLM, Münsingen 1450.00 1455.00 0.3 408'330
Schilthornbahn, Mürren 1150.00 1260.00 9.6 371'045
Bernerland Bank, Sumiswald 455.00 460.00 1.1 345'160
Ersparniskasse Affoltern 1750.00 1820.00 4.0 326'685
Bürgerhaus, Bern 1225.00 1551.00 26.6 309'810
SB Saanen Bank 2375.00 2550.00 7.4 322'490
BBO Bank Brienz-Oberhasli 125.00 125.00 0.0 208'985
Spar- und Leihkasse Frutigen 2000.00 2250.00 12.5 175'175
Linde Holding, Biel 810.00 780.00 -3.7 124'045
Biella Neher, Brügg*   3600.00   106'405
Spar- und Leihkasse Gürbetal 4850.00 4700.00 -3.1 100'720
         
Landwirtschaft ZRA, Aarberg 4001.00 3700.00 -7.5 96'450
Congress Kursaal Interlaken 225.00 230.00 2.2 70'070
Gondelbahn Grindelwald 80.00 65.00 -18.8 54'334
LSB Wengen-Männlichen 156.00 137.00 -12.2 53'582
EW Grindelwald 24000.00 23000.00 -4.2 49'500
Flughafen Bern, Belp 50.00 65.00 30.0 49'441
Typon, Burgdorf 390.00 260.00 -33.3 43'450
Loeb Holding N 260.00 215.00 -17.3 33'930
Niesenbahn, Stamm 400.00 410.00 2.5 29'605
Berner Oberland Bahnen I 101.00 85.00 -15.8 26'648
LSB Grindelwald Pfingstegg I 360.00 378.00 5.0 25831
Lenk Bergbahnen, Lenk 350.00 360.00 2.9 19190
Spar- und Leihkasse Wynigen 7900.00 8000.00 1.3 16'700
Harderbahn, Nom 50 241.00 350.00 45.2 14293
Niesenbahn, Prior 450.00 340.00 -24.4 14'280
         

*Haben den Handel im Verlauf des Jahres aufgenommen.

 

Erschienen in der BZ am 29. Dezember 2015

   

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Claude Chatelain