Vierte Säule: Ich hinterfrage das Hausarztmodell

Ich habe eine gefrorene Schulter, fachtechnisch Frozen Shoulder. Die Bewegungsfreiheit meines linken Arms ist dadurch eingeschränkt. Ich will hier keinen medizinischen Exkurs abliefern oder gar Mitleid erwecken, ­zumal die Physiotherapie bereits erste Erfolge verzeichnet. Ich finde bloss, mein Fall ist ein gutes Beispiel, gewisse Krankenkassenmodelle zu hinter­fragen.

Ich hinterfrage das Hausarztmodell. Da der Schmerz nicht abklingen will und auch Voltaren kaum nützt, empfiehlt mir eine Bekannte, von Beruf Physiotherapeutin, einen Schulterspezialisten aufzusuchen. Eine Röntgenaufnahme oder ein Ultraschall werde Licht ins Dunkel des Schultergelenks bringen. Dummerweise bin ich im Hausarztmodell versichert. Also melde ich mich bei der Hausärztin an. Dummerweise ist sie auf Tage hinaus ausgebucht. ­Also teile ich der Krankenkasse mit, dass ich den Hausarzt wechsle, und melde mich bei einer anderen Hausärztin an. Dummerweise muss der Termin ihrerseits wegen Krankheit verschoben werden. Es vergeht nochmals eine Woche, bis sie dann zum gleichen Schluss kommt wie besagte Physiotherapeutin. Dummerweise hat auch der Orthopäde nicht auf mich gewartet, sodass weitere drei Wochen ins Land ziehen, ehe die Diagnose der Frozen Shoulder Tatsache wird.

 

Ich habe nie verstanden, weshalb das Hausarztmodell günstiger sein soll. Die Schleife über die Hausärztin hätte ich mir ­ersparen können, zeitlich und finanziell. Auf das kommende Jahr habe ich mich daher für ein Telmed-Modell entschieden. Da schildert man das Leiden am Telefon. In meinem Fall hätte mich die Fachperson am anderen Ende des Drahts gleich zum Orthopäden geschickt.

 

Und noch etwas: In einer Motion verlangt eine Grossrätin der BDP, dass Sozialhilfebezüger sich entweder in einem Hausarzt- oder einem HMO-Modell versichern müssen. Hausarztmodell? Vergiss es. Wenn schon: Telmed.

 

Erschienen in der BZ am 15. Dezember 2015

ANZEIGE

Claude Chatelain