Vor allem für Jüngere interessant

Jung und keiner Pensionskasse angeschlossen? Der Abschluss einer Risikoversicherung mit jährlich neu berechneter Prämien könnte sich lohnen.
Jung und keiner Pensionskasse angeschlossen? Der Abschluss einer Risikoversicherung mit jährlich neu berechneter Prämien könnte sich lohnen.

Es gibt verschiedene Typen von Lebensversicherungen. Die am wenigsten Bekannte ist jene mit den natürlichen Prämien beziehungsweise mit dem einjährigen ­Tarif. Obschon kaum bekannt, ist sie je nach Situation durchaus zu empfehlen.

«Guten Tag, ich möchte gerne meine Familie absichern.» Diesem Wunsch wird der Versicherungsbroker gerne entgegenkommen und eine Offerte für eine Lebensversicherung unterbreiten. Am liebsten mit einem Sparteil, also eine gemischte Versicherung, welche Sparen und Risiko kombiniert und wo die Provision am höchsten ist.


Aus Gründen der Flexibilität und der Transparenz ist es jedoch sinnvoller, den Risikoschutz und das Sparbedürfnis mit verschiedenen Produkten abzudecken. Zum Beispiel mit einer reinen ­Risikotodesfallversicherung zur Absicherung der Familie und mit einem Fondssparplan zum Aufbau einer dritten Säule.


Drei Typen


Risikotodesfallversicherungen funktionieren wie Haftpflicht oder Feuerversicherungen. Es gibt nur Geld, wenn der Schaden eintritt. Die Versicherungsbranche unterscheidet drei Typen:

  1. Konstante Todesfallversicherung: Konstant sind hier die Versicherungssumme und die Prämie. Man schliesst sie auf eine bestimmte Dauer ab.
  2. Fallende Todesfallversicherung: Häufig nimmt das Bedürfnis nach einem Todesfallschutz mit zunehmendem Alter ab. Je ­älter die Kinder, desto eher kann der überlebende Ehegatte das Pensum aufstocken.
  3. Einjähriges Todesfallkapital: Diese Versicherung mit dem fachtechnischen Namen «Natürliche Prämien» verlängert sich automatisch mit der Zahlung der Prämie. Wobei die Prämie von Jahr zu Jahr zunimmt, weil auch das Todesfallrisiko von Jahr zu Jahr zunimmt.


Nur für Junge interessant


Dieser dritte Versicherungstyp kann vor allem für junge Leute interessant sein, die sich nicht auf eine feste Dauer festlegen wollen. Häufig weiss man nicht, wie lange der Versicherungsschutz nötig sein wird. Der Wechsel in eine gut ausgebaute Pensionskasse - und schon wird der Versicherungsschutz obsolet.


Für Junge ist diese Versicherung auch deshalb interessant, weil die Prämie in jungen Jahren relativ tief ist. Der Name «Natürliche Prämien» rührt daher, weil die Prämie aufgrund des Todesfallrisikos für diese Altersgruppe kalkuliert wird. Dies im Unterschied zu nivellierten Prämien, wie sie bei langjährigen Todesfallversicherungen zur Anwendung gelangen.


Bei der konstanten Todesfallversicherung zahlt man zu Vertragsbeginn gemessen am Risikoprofil zu hohe, gegen Vertrags­ende dagegen zu tiefe Prämien. Wer also bei der konstanten Todesfallversicherung vorzeitig aussteigt, wird für einen identischen Versicherungsschutz insgesamt mehr Prämien bezahlt habe, als mit der einjährigen Todesfallversicherung.


Obschon dieser Versicherungstypus insbesondere wegen der Flexibilität durchaus Vorteile aufweist, wird er kaum angeboten. «Die Mobiliar ist der einzige Versicherer, der den einjährigen Tarif aktiv verkauft», weiss Roger Ledermann vom Vergleichsdienst Info4Insider. Aber auch beim Marktführer fristet «Natürliche Prämien» ein Schattendasein: «10 Prozent jener Kunden, die eine reine Risikotodesfallversicherungen abschliessen, entschliessen sich für die Versicherung mit jährlich neu berechneten Prämien», erklärt Aurea Fernandes, Leiterin Produktentwicklung und Innovation bei Mobi Life in Nyon.


Helvetia: Nicht attraktiv


Andere Lebensversicherer bieten das Produkt gar nicht an. Helvetia beispielsweise offeriert Todesfallversicherungen nur mit Laufzeiten zwischen 3 und 45 Jahren. «Einjährige Laufzeiten seien ­wegen des ungünstigen Prämien-Risiko-Verhältnisses nicht attraktiv», so die offizielle Stellungnahme. Die Zürich führte Todesfall-Risikoversicherungen mit natürlichen Prämien früher im Angebot. «Die Nachfrage war derart gering, dass wir dieses Produkt wieder aus dem Sortiment nahmen», sagte ein Sprecher.


Bei Swiss Life kann man «Protect Easy» nur online abschliessen, und die Basler verkauft diesen Versicherungstyp, den sie rollende Versicherung nennt, nur über die konventionellen Verkaufskanäle ab einer Todesfallsumme von 200 000 Franken. Auch das nur halbherzig.


Laut Roger Ledermann haben die Gesellschaften kein grosses Interesse daran, den einjährigen Tarif zu pushen. Sie ziehen langjährige Verträge vor. Denn wenn ein Versicherter nach einem oder zwei Jahren wieder aussteigt, so würden die administrativen Kosten, zum Beispiel für die Gesundheitsprüfung, kaum gedeckt.


Erschienen in de BZ am 1. Dezember 2015

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Claude Chatelain