Vierte Säule: Über die Säule 3a

Der Dezember ist der Monat, in welchem Finanzhäuser ihre Prognosen fürs kommende Jahr abgeben. Der Dezember ist aber auch der Monat, in welchem Schweizerinnen und Schweizer noch hurtig aufs Konto 3a einzahlen, um damit weniger Steuern zu zahlen. Ich betone: um etwas weniger Steuern zu zahlen.

Denn allein wegen der Verzinsung lohnen sich Anlagen auf Konti 3a kaum. Die Finanzhäuser haben die Zinssätze zum Teil markant gesenkt. Man kann froh sein, wenn überhaupt noch Zinsen gutgeschrieben und nicht Strafzinsen belastet werden. Wobei nicht die Sparkassen schuld sind an dieser Situation, sondern die Notenbanker, welche in unverantwortlicher Art und Weise die Märkte mit Geld überschwemmen und somit Noten und Münzen quasi wertlos machen. Der Zins ist der Preis, den man für Geld zahlen muss. Ist der Zins gleich null, so ist das Geld wertlos.


Doch was das Sparen 3a angeht, dürften die Banken über die desolate Zinssituation gar nicht so unglücklich sein. Die Kunden werden trotzdem einzahlen ­­— eben wegen der genannten Steuerersparnis. Und so können die Banken ihrer werten Kundschaft 3a-Fonds andrehen. Denn man ist ja nicht gezwungen, das Geld auf dem 3a-Konto zu parkieren. Man kann es in spezielle Vorsorgefonds investieren. Kein Zufall, dass etwa die Credit Suisse derzeit viel Werbung macht für ihre 3a-Fonds. Mit solchen Fonds verdienen die Banken Geld. Verharrt hingegen das Geld auf dem 3a-Konto, so haben die Finanz­häuser bei der heutigen Geldschwemme nichts davon.


Ich warne davor, zur heutigen Zeit das 3a-Guthaben in Anlagefonds anzulegen. Die Aktienkurse klettern seit sieben Jahren aufwärts. Auch die Obligationenkurse segeln auf Rekordhöhe. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Wert der Fondsanteile in ein, zwei oder drei Jahren tiefer ist als heute, ist nach meiner Einschätzung grösser als umgekehrt. Oder sagen wir es etwas vorsichtiger: Das Risiko, dass die Kurse solcher Fondsanteile sinken werden, wäre mir zu gross.


Die Banken werden einwenden, dass solche Anlagen langfristig ausgerichtet sind. Also, liebe Ü-60: Haben Sie Ihre 3a-Fonds schon verkauft?


Erschienen in der BZ am 1. Dezember 2015

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Claude Chatelain