Vierte Säule: EWS statt Urs Rohner

Eveline Widmer-Schlumpf für.....
Eveline Widmer-Schlumpf für.....

Vor vier Jahren schrieb ich in dieser Spalte: «Eveline Widmer-Schlumpf wünsche ich mir im Verwaltungsrat einer Grossbank». Ich schrieb das für den Fall, dass die Finanzministerin nicht wiedergewählt werden sollte. Nun, die BDP-Bundesrätin wurde im Herbst 2011 bestätigt. Jetzt aber, nach ihrem Rücktritt, will ich mein Anliegen wiederholen.


... Urs Rohner. Das wär doch was.
... Urs Rohner. Das wär doch was.

Vor vier Jahren dachte ich vorab an die UBS. «Keine Frage», schrieb ich damals: «Die Finanzexpertin aus dem Bündnerland würde bei der UBS als Verwaltungsratspräsidentin eine ganz andere Figur abgeben als der heutige Amtsinhaber und frühere FDP-Bundesrat Kaspar Villiger.»


Heute verfügt die UBS mit Axel Weber aus Deutschland über eine herausragende Persönlichkeit als VR-Präsident. Das gleiche kann man von der Credtit Suisse nicht wirklich behaupten. Ich bin sowieso erstaunt darüber, wie man all die Unterlassungssünden der zurückliegenden Jahren dem ehemaligen CEO Brady Dougan in die Schuhe schiebt und nicht dem Verwaltungsratspräsidenten Urs Rohner. Die CS machte vor allem strategische Fehler und meines Wissens nicht operative. Für die Strategie ist der Verwaltungsrat zuständig und nicht der CEO. Und als im Mai letzten Jahres bekannt wurde, dass die Credit Suisse von der US-Justiz für ihr Fehlverhalten eine Busse von 2,8 Milliarden Dollar aufgebrummt erhielt, forderten  auch ernst zu nehmenden Blätter wie NZZ oder Finanz + Wirtschaft mehr oder weniger unverblümt einen Wechsel an der obersten Spitze der Credit Suisse. Für mich ein Fall für EWS.


Eine Einschränkung habe ich aber: Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Englischkenntnisse der Bündnerin für die strategische Führung einer globalen Bank ausreichen. An der Eröffnungsrede zum Weltwirtschaftsforum 2012 in Davos machte sie mit ihrem Englisch als Bundespräsidentin jedenfalls keine gute Figur. «Ihr Vortrag war ein einziges phonetisches Spiessrutenlaufen», schrieb Kollege Francesco Benini in der «NZZ am Sonntag». Auf Rätoromanisch hätte man sie besser verstanden. Und ich hätte volles Verständnis gehabt, wenn BBC ihre Rede mit Untertiteln versehen hätte.


Naja, Verwaltungsratspräsidentin bei der Bündner Kantonalbank wäre ja auch nicht ohne. Hauptsache, die kompetente und blitzgescheite Juristin und Finanzexpertin bleibt der Schweizer Wirtschaft erhalten.

 

Erschienen in der BZ am 3. November 2015

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Claude Chatelain