Es gibt teurere Pflaster als Genf und Zürich

Anders als in Genf sind die Wohnliegenschaftspreise in Zürich seit Ende der Finanzkrise um 30 Prozent gestiegen. Laut UBS sind sie überbewertet.

Die Schweiz ist ein teures Pflaster. Das ist bekannt. Besonders teuer sind die Pflaster in Genf und Zürich. Doch es gibt Städte auf dem Globus, deren Wohnhäuser noch höher bewertet sind, insbesondere London und Hongkong, aber auch Sydney, Vancouver, San Francisco und Amsterdam. Dies geht aus dem UBS Global Real Estate Bubble Index hervor, der gestern in Zürich erstmals vorgestellt wurde.

 

Konkret: In London und Hongkong haben die Immobilienspezialisten der UBS eine Blase ausgemacht, in Zürich, Genf und acht anderen Metropolen sind die Wohnhäuser lediglich «überbewertet». Und überhaupt: Ab wann spricht man eigentlich von einer Blase? «Eine offizielle Definition gibt es nicht. Also mussten wir selber eine Definition kreieren», sagt Claudio Saputelli, der Leiter des globalen Immobiliengeschäfts. Das tat die UBS im Mai 2011, als sie für die Schweiz erstmals den Immobilienblasenindex veröffentlichte. Dazu vergleicht die Grossbank UBS die Häuserpreise mit dem Einkommen, den Mieten, den Preisen in der angrenzenden Umgebung sowie den Veränderungen der Bautätigkeit und der Hypotheken.

 

Und wo die UBS eine Blase oder eine deutliche Überbewertung ausmacht, ortet sie ein erhöhtes Risiko für eine Korrektur. Bemerkenswert ist zudem der Umstand, dass die Bewertung insgesamt höher ist als 2007, als die Immobilienblase in den USA platzte und die Weltwirtschaft in die grösste Krise seit der grossen Depression von 1929 stürzte. Wobei der Boom hauptsächlich in den Grossstädten stattfindet und bisher nicht alle Städte erfasste. So vermochten sich die Immobilienpreise in den US-Städten New York, Boston und Chicago seit 2007 noch nicht zu erholen. In Chicago sind die Wohnliegenschaften derzeit sogar unterbewertet.

 

Genf kühlte sich ab

 

Wie Matthias Holzhey vom UBS-Immobilienteam gestern ausführte, war Genf Ende 2011 noch mit Blasenrisiko eingestuft worden. «Eine allmähliche Abkühlung, wie wir sie in den letzten drei Jahren in Genf beobachtet haben, findet an den internationalen Wohnimmobilienmärkten selten statt», erklärte Holzhey. Der Rückgang im Index sei auf leicht gesunkene Preise zurückzuführen, während die Einkommen und die Mieten stabil blieben. Zudem seien die Preise in anderen Landesteilen deutlich stärker gestiegen, sodass sich die Unterschiede bei den Preisniveaus verringerten. Anders als in Genf sind die Wohnliegenschaftspreise in Zürich seit dem Ende der Finanzkrise um 30 Prozent gestiegen. «Das ist die zweithöchste Wachstumsrate aller untersuchten Städte», so Holzhey. Trotz der Überbewertung seien die Wohnungen in Zürich und Genf im internationalen Vergleich «weiterhin erschwinglich».

 

Erschienen in der BZ am 30. Oktober 2015

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Claude Chatelain