Standpunkt: Vom Ständerat zum obersten Pöstler - ein logischer Schritt

Im ersten Moment kommt Misstrauen auf: alt Ständerat Urs Schwaller wird neuer Verwaltungsrat der Post. Kommt er zu diesem Posten, weil die Infrastrukturministerin Doris Leuthard aus der gleichen Partei stammt?

Urs Schwaller, wie man ihn kennt. Besonnen, aber nicht immer überzeugend.
Urs Schwaller, wie man ihn kennt. Besonnen, aber nicht immer überzeugend.

Im Ständerat war der CVP-Politiker einer der Einflussreichsten, insbesondere in der Sozialpolitik. Er gilt als Architekt des vom Ständerat mit grossem Mehr verabschiedeten Reformpaket zur Altersvorsorge. Dabei ist er extrem weit nach links gerückt. Allein in der Hoffnung, um im Parlament und später vor dem Volk eine Mehrheit zu finden.

 

Weit nach links ist er bereits bei der letzten AHV-Revision vor fünf Jahren gerückt. Zu wenig weit für die Linken, zu weit links für die Rechten. Schliesslich ist die Vorlage wegen einer unheiligen Allianz bereits im Parlament gescheitert. Als gewiefter Stratege hat sich der Freiburger CVP-Ständerat damals nicht hervorgetan.

 

Strategisches Denken ist aber gerade das, was von einem Verwaltungsrat verlangt wird. Doch die Post ist nicht ein gewöhnliches Unternehmen. Ihr oberster Chef hat ein anderes Anforderungsprofil als der VR-Präsident einer börsenkotierten Gesellschaft. Aus der Hüft geschossen würde man sagen: Der höchste Pösteler benötige vertiefte Kenntnisse in Logistik, Finanzen und Informatik.

 

Claude Béglé war so ein Mann mit einen grossen Knowhow und internationaler Erfahrung. Im Frühjahr 2009 wurde der Romands zum VR-Präsidenten berufen. Nach nur einem Jahr trat er entnervt zurück. Es zeigte sich: Manager, die sich im rauen Wind der Privatwirtschaft bewährten, eignen sich nicht unbedingt für den obersten Posten bei der Post.

 

Gefragt ist vielmehr eine Integrationsfigur, wie sie der abtretende Peter Hasler darstellte. Eine Person, die den Politbetrieb und die Verwaltung kennt. Als Präsident braucht er kein besonderes Knowhow in Logistik, Finanzen und Informatik. Wichtig ist lediglich, dass das einschlägige Knowhow im gesamten VR und insbesondere in der operativen Führung vorhanden ist.

 

Urs Schwaller war nicht nur Ständerat; vorher war der Jurist Regierungsrat und Finanzdirektor im Kanton Freiburg. Dass der neue VR-Präsident der urschweizerischen Post aus einem zweisprachigen Kanton kommt, ist auch kein Nachteil.

 

Erschienen auf BZ-online am 28. Oktober 2015

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Claude Chatelain