Zügeln Sie Ihr Geld nach Schwyz

Wie kann man Steuern sparen? Zum Beispiel indem man im Ausland Wohnsitz nimmt, aber vorher das Pensionskassenvermögen in den Kanton Schwyz überweist. Ein Vorgehen, das sehr lukrativ sein kann.

Es gibt drei Möglichkeiten, das Kapital der Pensionskasse vorzeitig zu beziehen:

  1. Man macht sich selbstständig;
  2. man kauft sich ein Eigenheim;
  3. man wandert aus.

Bei dieser dritten Möglichkeit gilt es einiges zu beachten, denn beim Bezug des 2.-Säule-Guthabens wird eine Steuer fällig, eine Sondersteuer zum Vorsorgetarif. Die Höhe dieser Steuer ist von Gemeinde zu Gemeinde verschieden. Nur Leute, welche ihren Wohnsitz in der Schweiz haben, werden auf diese Weise besteuert.


Quellen- statt Sondersteuer


Wer hingegen im Ausland Wohnsitz hat und somit in der Schweiz nicht mehr steuerpflichtig ist, schuldet auf dem vorbezogenen Pensionskassenkapital nicht die genannte Sondersteuer, sondern eine Quellensteuer, die von der Vorsorgestiftung in Abzug gebracht und dem Fiskus überwiesen wird. Auch diese Quellensteuer ist – wie könnte es anders sein – von Kanton zu Kanton verschieden. Am tiefsten ist sie im Kanton Schwyz (siehe Tabelle). Ergo ist man gut beraten, rechtzeitig vor der Auszahlung der Pensionskasse die Steuersituation abzuklären. Häufig kann man tüchtig Steuern sparen, wenn man das Guthaben auf eine Freizügigkeitsstiftung überweist, die ihren rechtlichen Sitz im Kanton Schwyz hat. Davon gibt es einige (Infothek).


Die Steuer im Zielland


Nun gibt es drei wichtige Punkte zu beachten: Das bisher Gesagte gilt nur für die Besteuerung in der Schweiz. Zu klären wäre noch die Besteuerung in der neuen Heimat. Unter Umständen ist es sinnvoller, das Geld in der Schweiz auszahlen zu lassen und die entsprechende Sondersteuer zu bezahlen. Wird nämlich das Vorsorgevermögen erst nach dem Wegzug bezogen, könnten im neuen Wohndomizil höhere Steuern anfallen, sofern das Land davon Kenntnis hat.


EU oder nicht? Das ist die Frage


Relevant ist auch die Frage, ob sich das neue Domizil in einem EU-Land befindet oder nicht. Seit Inkrafttreten der bilateralen Verträge kann man sich den obligatorischen Teil des Pensionskassenguthabens nicht mehr vorzeitig auszahlen lassen, wenn man in ein EU-Land auswandert oder in die Heimat zurückkehrt. Der im Rahmen des gesetzlichen Obligatoriums angesparte Teil bleibt bei der Stiftung und kann frühestens 5 Jahre vor dem ordentlichen AHV-Alter bezogen werden.


Als Kapital auszahlen kann man sich indessen den überobligatorischen Teil. Das sind jene Gelder, die über dem gesetzlichen Minimum angespart werden. Auf dem Versicherungsausweis wird das BVG-Guthaben ausgewiesen. Die Differenz zum Freizügigkeitskapital entspricht dem überobligatorischen Guthaben.


Diese Differenzierung gilt, wie gesagt, nur für EU-Länder. Wer zum Beispiel nach Thailand, Serbien, Südafrika oder in die Türkei auswandert beziehungsweise zurückkehrt, kann sich das gesamte Guthaben auszahlen lassen.


Freizügigkeit versus Vorsorge


Drittens ist auch das Alter von Bedeutung. Beziehungsweise die Frage, ob man vorsorgetechnisch ein Freizügigkeitsfall oder ein Vorsorgefall ist. Ein Vorsorgefall ist, wer sich gemäss Vorsorgereglement pensionieren lassen könnte. Oder anders gesagt: wer Anspruch auf Vorsorgeleistungen hat. Das ist gesetzlich frühestens mit Alter 58 möglich. Nur nebenbei: Sozialminister Alain Berset möchte mit seiner Altersvorsorge 2020 diese Schwelle auf 62 Jahre erhöhen. Bei gewissen Vorsorgeeinrichtungen ist es gemäss ihrem Reglement nicht möglich, ab einem gewissen Alter das Vorsorgevermögen an eine Freizügigkeitsstiftung zu überweisen. Wer auf Nummer sicher gehen will, verlässt die Schweiz vor dem 58. Altersjahr. Claude Chatelain

Seit Inkrafttreten der bilateralen Verträge kann man sich den obligatorischen Teil der Pensionskasse nicht mehr vorzeitig auszahlen lassen.



INFOTHEK

Wer sein Vorsorgeguthaben aus steuerlichen Gründen einer Lokalbank im Kanton Schwyz überweist, ist schlecht beraten. Massgebend ist nicht der Sitz der Bank, sondern der rechtliche Sitz von deren Vorsorgestiftung. Folgende Freizügigkeitsstiftungen mit Sitz im Kanton Schwyz bieten sich für steueroptimierende Lösungen an:

  • PFS Freizügigkeitsstiftung, Einsiedeln, www.pfs.ch;
  • Pensfree, Freizügigkeitsstiftung, Schwyz, www.pensfree.ch;
  • Pensionskasse Pro, Schwyz, www.pkpro.ch;
  • Liberty-Vorsorge, Schwyz, www.liberty-vorsorge.ch.
  • Die Dienstleistung ist nicht gratis,doch die Steuerersparnis übertrifft die Gebühren bei weitem.

Szenario 1: Ein Stadtberner, reformiert, lässt sich mit Alter 65 sein PK-Geld von 500'000 Franken auszahlen und bleibt weiterhin in der Bundesstadt wohnhaft. Er zahlt eine Sondersteuer von 43'760 Franken.

Szenario 2: Der Stadtberner, ein passionierter Golfspieler, will seinen Lebensabend in Südafrika verbringen. Nach der Pensionierung lässt er sich von der Vorsorgestiftung seines Arbeitgebers das gesamte Vorsorgevermögen als Kapitalleistung auszahlen, nachdem er sich bereits definitiv abgemeldet hat. Ihm wird eine Quellensteuer von 45'350 Franken in Abzug gebracht, sofern der Sitz der Stiftung im Kanton Bern liegt.

Szenario 3: Der Mann aus der Stadt Bern verlässt die Schweiz bereits im Alter von 57 definitiv und lässt sein Vorsorgevermögen auf eine Freizügigkeitsstiftung mit Sitz im Kanton Schwyz transferieren. Einige Monate nach seiner Auswanderung bezieht er das Kapital. Die Quellensteuer beträgt nur noch 22 825 Franken. Kostenersparnis beim Szenario 3 gegenüber Szenario 1: 20'935 Franken.


Erschienen in der BZ am 10. Juni 2014


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Claude Chatelain