Wenn das Angebot fürs Eigenheim zu verlockend ist

Immobilien-Betrüger werden immer ideenreicher, um ahnungslosen Wohnungssuchenden Geld abzuknöpfen. Wie sie vorgehen und wie man sich dagegen wappnet.

So können betrügerische Angebote aussehen:    zu tiefer Preis; Bild und Text stimmen  nicht überein; seltsamer Sprachenmix; das Angebot ist in den Kontrollen von Immoscout hängen geblieben und deshalb nie auf der Plattform publiziert worden.
So können betrügerische Angebote aussehen: zu tiefer Preis; Bild und Text stimmen nicht überein; seltsamer Sprachenmix; das Angebot ist in den Kontrollen von Immoscout hängen geblieben und deshalb nie auf der Plattform publiziert worden.

Bekannt sind all die betrügerischen Mails, mit welchen Kriminelle an die Daten von Bankkonti gutgläubiger Menschen gelangen wollen.  Bekannt ist ebenfalls, dass solche Mails bisweilen verblüffend echt daherkommen, als würde man tatsächlich von der Hausbank angeschrieben. Und bekannt ist schliesslich, dass man auf eine solche Gaunerei  nie und nimmer reinfallen sollte. Die Bank kommuniziert nicht via Mail. Sie tut es schriftlich oder per Telefon.


Weniger bekannt ist indessen, dass ähnliche Betrügereien auch auf Onlineportalen wie Immoscout  oder  Homegate stattfinden. Ein Beispiel in vier Schritten:


  1. Zuerst ist da ein äusserst verlockendes Angebot. Die Miete ist derart günstig, dass ein Insider sofort merkt, dass am Angebot etwas faul sein muss. Aber nicht jeder Wohnungssuchende ist ein Insider.
  2. Dem Wohnungssuchenden  wird mitgeteilt, der Vermieter weile gerade im Ausland oder müsse dringend die Mutter pflegen.
  3. Der Wohnungssuchende lässt sich davon überzeugen, eine Kaution bis 2000 Franken zu überweisen, damit man ihm zur Wohnungsbesichtigung den Schlüssel  per Post schicken könne.
  4. Vierter und letzter Akt: Der Wohnungssuchende überweist das Geld, wird aber nie einen Schlüssel erhalten, was nicht weiter überrascht. Die Wohnung gibt es  gar nicht. Das Geld ist weg. 

 

Homegate und Immoscout beteuern, alles Erdenkliche zu unternehmen, um betrügerische Inserate zu entfernen. «Wir bauen die Sicherheitskontrollen seit Jahren laufend aus, um die immer raffinierter werdenden  Betrugsmethoden zu erkennen und zu unterbinden», heisst es bei Immoscout.  Jedes Inserat durchlaufe  einen mehrstufigen automatischen Prüfprozess.


Sicherheitstipps


Dennoch kann es vorkommen, dass ein Betrugsversuch nicht erkannt wird. Immoscout empfiehlt daher Wohnungssuchenden, sich an folgende Sicherheitstipps zu halten:
• Vorsicht bei äusserst attraktiven Angeboten.
• Vorauszahlungen jeglicher Art vermeiden – ein seriöser Anbieter verlangt keine Vorauszahlungen für Besichtigungen.
• Überprüfen der Kontaktangaben. Namen und Adressen stimmen oft nicht überein. Über Suchmaschinen kann nach Verkäuferpseudonym, Firmen- und   Personennamen gesucht werden.
• Auf Google Earth oder Google Maps überprüfen, ob es an der angegebenen Adresse überhaupt Wohnungen gibt.
• Nie Geld überweisen, bevor eine Immobilie persönlich besichtigt werden konnte und der Vertrag rechtsgültig unterzeichnet wurde.
• Von 0900-Nummern und SMS-Diensten ist abzuraten.

Erschienen in der BZ am 14. September 2015

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Claude Chatelain