Wie man im Alter Steuern spart

Rentner haben in der Steuererklärung kaum Abzugsmöglichkeiten.  Es sei denn, sie gehen jobben.
Rentner haben in der Steuererklärung kaum Abzugsmöglichkeiten. Es sei denn, sie gehen jobben.

Rentnerinnen und Rentner können in der Steuererklärung nicht so sehr von Abzügen profitieren wie Erwerbstätige. Und doch verfügen auch sie über Möglichkeiten, die Steuerbelastung zu optimieren

Rentner können davon ein Lied singen: Nach Aufgabe der Erwerbstätigkeit erzielen sie ein geringeres Einkommen, müssen unter Umständen erst noch höhere Steuern zahlen als vorher. Der Grund: Sie haben weniger Abzugsmöglichkeiten. Geht die Rentnerin oder der Rentner noch einer Erwerbstätigkeit nach, werden Renten- und Lohneinkommen addiert, und man gerät in eine hohe Steuerprogression. Immerhin lassen sich dann dank der Erwerbstätigkeit wiederum diverse Abzüge vornehmen.


Säule 3a: Freiwillige Vorsorge


Das Vermögenszentrum in Zürich zeigte kürzlich in den «VZ News» auf, wie man im Alter Steuern sparen kann. Am einfachsten geht das mit der Säule 3a. Bedingung: Man geht einer Erwerbstätigkeit nach: Bis 20 Prozent des Erwerbseinkommens kann man in die Säule 3a einzahlen und damit vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen, sofern man keiner Pensionskasse angeschlossen ist. Das geht freilich nur bis 70 und bei Frauen nur bis 69. Für einmal sind also die Frauen bei den Sozialversicherungen benachteiligt. Der maximale Betrag, den man in die Säule 3a einzahlen darf, beläuft sich derzeit auf die unbescheidene Summe von 33 840 Franken. Man müsste also ein Fünffaches dessen, knapp 170 000 Franken, verdienen, um als Selbstständigerwerbender das Maximum ausschöpfen zu können.


2. Säule: Pensionskasse


Auch die 2. Säule bietet Steueroptimierungspotenzial, falls man über das ordentliche AHV-Alter hinaus erwerbstätig bleibt, was übrigens angesichts des wachsenden Arbeitskräftemangels durchaus wünschbar wäre. Das Sparpotenzial hängt hier vom Reglement der Pensionskasse ab. Es gibt Vorsorgeeinrichtungen, bei denen kann man auch nach 65 freiwillige Einkäufe tätigen und vom steuerbaren Einkommen abziehen, sofern überhaupt noch Einkaufslücken bestehen. In anderen Pensionskassen endet die Versicherung mit dem ordentlichen AHV-Alter, gehauen oder gestochen, selbst wenn man länger angestellt bleibt.


1. Säule: AHV


Selbst bei der 1. Säule könnte man Steuern sparen: Rentner haben die Möglichkeit, den Bezug der AHV-Rente bis um fünf Jahre aufzuschieben. Je später man sich die Rente auszahlen lässt, desto höher fällt sie aus. Aber nicht nur die monatliche Rente steigt bei einem Aufschub, sondern auch die Summe aller bezogenen Renten. Freilich muss dazu ein gewisses Alter erreicht werden: «Ein Mann muss mindestens 86 Jahre alt werden, bis die Summe aller erhaltenen Renten höher ist als bei einem regulären Bezug», schreibt Experte Benjamin Stirnimann in den «VZ News». Je nach den eingesparten Steuern, die man durch den Aufschub erzielt, verschiebt sich die Grenze nach unten.


Steuern sparen als Hobby


Für manchen Eidgenossen scheint das Sparen von Steuern so etwas wie ein Hobby zu sein. Unbeantwortet bleibt, ob es wirklich sinnvoll ist, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen oder auf ein hohes Alter zu spekulieren, allein um dem Steuervogt ein Schnippchen zu schlagen.


Erschienen in der BZ am 8. September 2015

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Claude Chatelain