Auch ohne Kinder gibts Witwenrente

Auch Karrierefrauen wie Karin Keller-Sutter, FDP-Ständerätin aus dem Kanton St. Gallen, erhielte eine Rente, wenn sie Witwe würde.
Auch Karrierefrauen wie Karin Keller-Sutter, FDP-Ständerätin aus dem Kanton St. Gallen, erhielte eine Rente, wenn sie Witwe würde.

Stirbt der Ehemann, hat die Witwe Anspruch auf eine Rente. Häufig gibt es sogar zwei Renten. Und manchmal überhaupt keine.

Die erste und die zweite Säule weisen Risse auf. Die AHV und die berufliche Vorsorge müssen deshalb mit der Altersreform 2020 überholt werden. Geht es nach dem Vorschlag von Sozialminister Alain Berset, blieben auch künftige kinderlose Witwen von der Reform nicht verschont. Dann erhielten nur noch jene Witwen eine Rente von der AHV, die beim Tod des Mannes unterstützungspflichtige Kinder haben.

 

Auch kinderlose Frauen erhalten eine Rente

 

Heute ist das noch ganz anders: Selbst jene Frau, die nie Kinder hatte und stets voll im Erwerbsleben stand, kommt in den Genuss einer Witwenrente, sofern die Ehe mindestens fünf Jahre gedauert hat und die Frau beim Tod des Mannes 45 Jahre alt war. Bemerkenswert ist zudem, dass solche Frauen nicht nur von der AHV, sondern ebenfalls von der Pensionskasse des verstorbenen Mannes eine Rente erhalten. Falls der Mann tödlich verunfallte, wird der Unfallversicherer eine Witwenrente ausrichten. Es wird niemanden erstaunen, dass die Witwenrenten bei der AHV, der beruflichen Vorsorge (BVG) und beim Unfallversicherer (UVG) unterschiedlich hoch ausfallen. Schon eher für Verwirrung sorgt hingegen, dass der Anspruch auf eine Witwenrente bei den drei Gesetzen voneinander abweicht. Einheitlich ist nur gerade das 45. Altersjahr, das die Frau beim Tod des Mannes erreicht haben muss. Wobei die über 45-jährigen, kinderlosen Frauen von der AHV und der Pensionskasse nur dann eine Rente erhalten, wenn die Ehe mindestens fünf Jahre gedauert hat. Ist jedoch der Mann nicht krankheitshalber, sondern bei einem Unfall ums Leben gekommen, so erhalten die 45-jährigen Witwen vom Unfallversicherer auch dann eine Rente, wenn sie ihren Mann nur ein Jahr zuvor ehelichten.

 

Wenn nur die AHV, nicht aber die Pensionskasse zahlt

 

Eine 44-jährige Witwe mit Kindern, die keiner Unterstützung mehr bedarf, wird von der AHV eine Rente erhalten, nicht aber von der Pensionskasse. Nur Witwen mit unterstützungspflichtigen Kindern haben laut BVG Anspruch auf eine Witwenrente, sofern sie bei der Verwitwung noch keine 45 Jahre alt sind. Auch geschiedene Frauen bekommen eine Rente. Das ist in Fällen nachvollziehbar, in welchen der Mann seine Ex-Frau finanziell unterstützen musste. Doch die geschiedene Frau wird auch dann eine Rente erhalten, wenn sie finanziell unabhängig ist. Sogar von der Pensionskasse des Ex-Mannes gibt es unter Umständen noch Geld, selbst wenn bei der Scheidung die Pensionskassenguthaben der beiden Eheleute geteilt wurden. Freilich gelten für geschiedene Witwen nicht die gleichen Regeln wie für Verheiratete. So muss die geschiedene, kinderlose Ehe im Minimum zehn Jahre gedauert haben – und nicht nur fünf –, damit bei der AHV ein Anspruch geltend gemacht werden kann. Zudem erlischt bei Geschiedenen der Anspruch auf eine Witwenrente am 18. Geburtstag des jüngsten Kindes. Wobei es hier auch noch Ausnahmen gibt. Und im BVG gibt es nochmals andere Regeln und Anspruchsvoraussetzungen.

 


AHV-Anspruch

AHV-Höhe

BVG-Anspruch

BVG-Höhe

UVG-Anspruch

UVG-Höhe

- Die Witwe war beim Tod des Mannes mindestens 45 Jahre alt und

die Ehe dauerte mindestens fünf Jahre

 

- Die Witwe hat eines oder mehrere Kinder, gleichgültig welchen Alters

 

- Die monatliche Witwenrente beträgt derzeit maximal 1880 Franken und mindestens 940 Franken. Die exakte Höhe hängt vom Durchschnitt-seinkommen und allfälliger Beitragslücken des Mannes ab.

- Die Witwe war beim Tod des Mannes mindestens 45 Jahre alt und

die Ehe dauerte mindestens fünf Jahre

 

- Die Witwe hat unter-stützungspflichtige Kinder.

- Laut BVG-Minimum beträgt die Witwenrente 60 Prozent der IV-Rente auf die der verstorbene Mann Anspruch gehabt hätte. Sie kann auch höher sein, wenn überobligatorische Leistungen versichert sind.

- Die Witwe war beim Tod des Mannes mindestens 45 Jahre alt.

 

- Die Witwe hat eines oder mehrere Kinder, gleichgültig welchen Alters.

- 40 Prozent des versicherten Lohnes des Ehemannes. Der maximal versicherte Lohn beträgt 126'000 Franken.

 

 

 

Erschienen in der BZ am 25. August 2015

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Claude Chatelain