Sozialminister Berset präsentiert neues (sozialeres) Prämiensystem

Gesunde Versicherte wählen hohe Franchisen und profitieren damit von einem Prämienrabatt. Nun will Bundesrat Alain Berset diesen Rabatt einschränken.

Der Bundesrat vereinfacht die Krankenkassenprämien: Statt wie bisher sechs soll es künftig nur noch vier mögliche Franchisen geben: die ordentliche Franchise von 300 Franken sowie drei Wahlfranchisen von 500, 1500 und 2500 Franken. Damit eliminiert der Bundesrat Wahlfranchisen, für die auf dem Markt nur ein geringes Bedürfnis besteht. Die Franchise ist jener Betrag der Krankheitskosten, die ein Versicherter selber berappen muss. Zusätzlich ist noch ein Selbstbehalt von 10 Prozent selber zu bezahlen, der aber pro Jahr auf 700 Franken limitiert ist. Der Selbstbehalt kommt also erst dann zur Anwendung, wenn die Franchise aufgebraucht ist.


Wer sich für die ordentliche Franchise entscheidet und hohe Krankheitskosten verursacht, wird demnach maximal 1000 Franken aus dem eigenen Sack bezahlen: 300 Franken für die Franchise und 700 Franken für den Selbstbehalt. Gesunde Versicherte riskieren eine Franchise von 2500 Franken, falls sie in der Lage sind, bei einem allfälligen Spitalbesuch diesen Betrag auf den Tisch zu legen. Je höher die Franchise, desto tiefer die Prämie. Oder anders gesagt: Hohe Franchisen werden mit einem Prämienrabatt belohnt.


Kleinere Rabatte


Gerade diese Belohnung will nun der Bundesrat versalzen. «Der heutige Rabatt ist höher als die risikobereinigten Einsparungen der Leistungskosten zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung, die auf die einzelnen Wahlfranchisen zurückzuführen sind», schreibt das Bundesamt für Gesundheit in einer Medienmitteilung. Bei einer Franchise von 2500 Franken dürfe daher der Rabatt maximal nur noch 50 Prozent des zusätzlich übernommenen Risikos betragen. Heute ist für diese maximale Franchise ein Rabatt von 70 Prozent erlaubt. Schon Alt-Bundesrat Pascal Couchepin, obschon ein Freisinniger, schränkte in seiner Amtszeit die Rabattierung ein. Sozialminister Alain Berset verschärft nun diese Einschränkung. Das freut die Linken, weil sie die hohen Franchisen als unsozial betrachten. Nicht jeder könne bei einem notfallmässigen Spitalaufenthalt einfach so 2500 Franken plus den Selbstbehalt von 700 Franken auf den Tisch legen.


Keine Selbstverantwortung?


Für Felix Schneuwly von Comparis ist dies ein «Angriff auf den Rest der Selbstverantwortung», wie er via Twitter erklärte. Die Änderung der Verordnung über die Krankenversicherung geht bis zum 12. November 2015 in die Anhörung. Sie soll am 1. Januar 2017 in Kraft treten und wird sich erstmals auf die Prämien 2017 auswirken.


Erschienen in der BZ am 18. August 2015

Claude Chatelain