Gehen die Kleinen, müssen die Grossen bluten

Marco Rupp, seit April Präsident der PVS BIO.
Marco Rupp, seit April Präsident der PVS BIO.

Gemeinsam oder allein? Vor dieser Fragen stehen 20 Institutionen, die der Pensionskasse Bolligen-Ittigen-Ostermundigen angeschlossen sind.

«Der Starke ist am mächtigsten allein», sagt Wilhelm Tell im Drama von Friedrich Schiller. Dies gilt auch für einige der 20 Körperschaften, die der abgewirtschafteten Personalvorsorgestiftung Bolligen-Ittigen-Ostermundigen (PVS BIO) angeschlossen sind. Sie stehen vor der Wahl, in der Gemeinschaftsstiftung zu bleiben oder den Alleingang zu wählen.


Vor Mitsanierung verschont


Alleingang würde heissen, dass sie sich einer Sammelstiftung anschliessen. Bei einer Sammelstiftung haben die angeschlossenen Unternehmen und Körperschaften ein eigenes Reglement und somit unterschiedliche Lohnabzüge und unterschiedliche Deckungsgrade. Würde eine Körperschaft den Anschlussvertrag mit der PVS BIO kündigen, könnte sie für sich einen eigenen Sanierungspfad beschreiten und bliebe von einer allfälligen Mitsanierung der anderen Körperschaften verschont.

Das könnte vor allem für jene Vereine oder Körperschaften sinnvoll sein, bei denen keine oder nur wenig Rentnerinnen und Rentner versichert sind. Sinnvoll ist ein Wechsel auch für jene, welche vorab jüngere Leute beschäftigen. So soll die Kitag Kinderwelt Jegenstorf mit ihren sieben, vorab jungen Frauen den Anschlussvertrag bereits gekündigt haben. Bestätigen wollen sie das jedoch nicht.

Andere befinden sich noch in der Evaluation. Das Alters- und Pflegeheim Aespliz in Bolligen-Ittigen beauftragte einen Spezialisten, um alle Optionen zu prüfen, erklärt Heimleiter Heinz Maurer. Die Stiftung hat einen unterdurchschnittlichen Anteil an Rentnerinnen und Rentnern, aber tendenziell einen höheren Anteil älterer Mitarbeiter.


Jegenstorf prüft Optionen


Auch Daniel Wyrsch (SP), Gemeindepräsident von Jegenstorf, bestätigt das Einholen von Offerten. Ob die 38 aktiv Versicherten und 9 Rentner bei der Gemeinschaftsstiftung bleiben oder sich einer Sammelstiftung anschliessen, will Wyrsch noch nicht sagen. Tatsache ist aber, dass Jegenstorf einen unterdurchschnittlichen Rentneranteil aufweist und auch keine Personen über 60 beschäftigt. Ein Alleingang würde nicht überraschen.

Was sagt die Aufsicht?

Bei der unterfinanzierten Personalvorsorgestiftung Bolligen-Ittigen-Ostermundigen ist einiges schiefgelaufen. Der Deckungsgrad beträgt nur gerade 80 Prozent. Nun will auch die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern Abklärungen im Zusammenhang mit der Geschäftsbesorgung treffen (Ausgabe vom Samstag). So dürfte interessieren, ob der Staatsanwalt auch bei der Stiftungsaufsicht vorstellig wurde. «Offiziell wissen wir nichts», erklärt Hansjörg Gurtner, Geschäftsleiter der Bernischen BVG- und Stiftungsaufsicht. «Hätte ich nicht privat die BZ abonniert, wäre diese Information bisher nicht bis zu uns durchgekommen».


Bolligen mit vielen Rentnern


Am anderen Ende der Kette befindet sich die Gemeinde Bolligen: 42 aktiv Versicherten stehen 35 Rentnerinnen und Rentner gegenüber. Letztere können für die Sanierung nicht belangt werden. Also müssen das die aktiv Versicherten tun – und natürlich der Steuerzahler. Bolligen, aber auch Ostermundigen müssten deshalb alles Interesse daran haben, dass alle im Boot bleiben. Sie profitierten damit von den kleineren, besser aufgestellten Institutionen, die für die Sanierung einen überdurchschnittlichen Beitrag leisten würden.


Die PVS BIO könnte sich auch als Ganzes einer Sammelstiftung anschliessen. Offerten wurden eingeholt. Die Grundzüge eines möglichen Sanierungsplans hat die PVS Ende Juni in einem Informationsschreiben skizziert. Dieser Plan könnte aber zur Makulatur verkommen, sollte sich ein Exodus der angeschlossenen Körperschaften abzeichnen.


Ferner ist nicht auszuschliessen, dass auch die drei Stiftergemeinden getrennte Wege gehen, falls sich ein Gemeinderat entsprechend entscheiden sollte. «Das ist nicht unser Ziel», sagt Marco Rupp (BVI), Gemeindepräsident von Ittigen und seit April der neue Präsident der PVS BIO. «Wir sind daran, einen Sanierungsplan zu erarbeiten und Alternativen aufzuzeigen.» Für nähere Angaben sei es noch zu früh.


Erschienen in der BZ am 12. August 2015

Claude Chatelain