Schliessen Sie die Leibrente erst mit 80 ab

Je später im Leben man eine Rentenversicherung abschliesst, desto höher wird die Rente ausfallen. Diese banale Erkenntnis ist gerade heute von Bedeutung, weil Leibrenten wegen der tiefen Zinsen unattraktiv wurden.

Die Versicherer müssen die garantierte Leistung bei Leibrenten stets nach unten anpassen. Ausländisch beherrschte Anbieter wie Allianz, Axa oder Generali haben ihre Rentenversicherungen sogar vom Markt genommen oder bieten sie nicht mehr aktiv an. Selbst Versicherungsmakler gestehen: Leibrenten sind wegen der sündhaft tiefen Zinsen alles andere als interessant. Und doch kommen gewisse Leute nur schlecht um eine Rentenversicherung herum. Nämlich dann, wenn sie bei keiner Pensionskasse versichert sind und bis ans bittere Ende auf eine garantierte Rente zählen möchten. Dieses Unterfangen nennt man in der Fachsprache uncharmant, das Langleberisiko versichern.


Verzehr statt Rente?


Statt also eine unattraktive Rentenversicherung abzuschliessen, könnte man das Vermögen nach und nach verzehren. Rein rechnerisch dürfte sich dieses Vorgehen lohnen, zumal der Vermögensverzehr steuerfrei ist. Unabhängige Vorsorgeberater empfehlen nicht selten diese Strategie. Dies nicht immer ganz uneigennützig, können sie doch hoffen, mit der Verwaltung des Vermögens betraut zu werden. Sie vergessen aber dabei – oder wissen es nicht besser – dass es nicht jedermanns Sache ist, das Vermögen eiskalt abzubauen und zuzusehen, wie es täglich schmilzt. Mit zunehmendem Alter treten Renditeüberlegungen in den Hintergrund. Da zählt nur noch die Sicherheit. Es ist auch nicht jedermanns Sache, auf Ergänzungsleistungen zu bauen, sobald das Vermögen aufgebraucht ist. Auch wenn man etwa die Meinung hört, dass das Leben im hohen Alter eh nicht lebenswert sei.


Sicherheit über alles


Wem also die Sicherheit wichtiger ist als die Rendite, schliesst eine Rentenversicherung ab. Und da gibt es tatsächlich eine Möglichkeit dazu, trotz tiefer Zinsen auf eine akzeptable Rente zu kommen: Man schliesst die Rentenversicherung möglichst spät ab, zum Beispiel erst mit 70 oder gar erst mit 75 Jahren. Denn manchem 75-jährigen ist nicht entgangen, dass er auf dem Golfplatz bei weitem nicht der Älteste ist. Derzeit leben 410'000 Frauen und Männer in der Schweiz, die älter sind als 80 Jahre, 5 Prozent der Bevölkerung.


Vertragsabschluss mit 80


Marktleader Swiss Life beispielsweise bietet Leibrenten bis zu einem maximalen Eintrittsalter von 80 Jahren an. «Wir haben ein paar Verträge mit diesem Eintrittsalter im Bestand», bestätigt Paul Weibel, Leiter des Bereichs Privatkunden. Einen Trend hin zu einem fortgeschrittenem Eintrittsalter könne er jedoch nicht feststellen. «Das Gros der Abschlüsse von Rentenversicherungen erfolgt zwischen 60 und 70 Jahren, gefolgt von 50 bis 60 Jahren.» Vermutlich wird die Rente sogar höher ausfallen als vom Versicherer versprochen. Beim Vertragsabschluss stellt er jeweils noch Überschüsse in Aussicht, die aber bewusst nicht garantiert sind. Sie hängen vom Risikoverlauf und den Erträgen an den Finanzmärkten ab. Da jedoch die Zinsen kaum mehr tiefer sinken können, sollte man zumindest von einer seriösen Versicherung erwarten dürfen, dass sei bei neu abgeschlossenen, sofort beginnenden Leibrenten die Überschüsse nicht kürzen wird.



INFOTHEK

Rentenversicherungen gibt es in den verschiedensten Ausführungen: aufgeschoben oder sofort beginnend, mit oder ohne Rückgewähr, einmalig oder periodisch finanziert, auf ein oder zwei Leben.

  • Aufgeschoben Man zahlt heute die Prämie und bezieht die erste Rente in ein paar Jahren.
  • Einmalprämie Man bezahlt die Prämie auf einen Schlag.
  • Sofort beginnend Man zahlt auf einmal die gesamte Prämie, eine sogenannte Einmalprämie, und bezieht danach die vereinbarte Rente.
  • Mit Rückgewähr Beim Tod des Versicherten wird das noch nicht verbrauchte Kapital an die Erben ausgezahlt.
  • Ohne Rückgewähr Das noch nicht verbrauchte Kapital bleibt bei der Versicherung. Dafür erhöht sich die Rente um bis zu 20 Prozent.
  • Periodische Prämie Man bezahlt die Prämie monatlich, quartalsweise oder jährlich, eben periodisch.
  • Zwei Leben Bei Leibrenten auf zwei Leben wird die Rente beim Tod des einen Partners weiterbezahlt, bis der zweite Partner auch verstorben ist. Gemeinsam ist diesen Varianten, dass die Rente schweizweit nur zu 40 Prozent als Einkommen zu versteuern ist, während zum Beispiel die Rente der Pensionskasse zu 100 Prozent der Einkommenssteuer unterliegt.


Erschienen in der BZ am 11. August 2015


Claude Chatelain