Vierte Säule: Wenn die Tochter zu viel verdient

Der Arbeitgeber hat es wahrscheinlich gut gemeint, als er der 23-jährigen Werkstudentin im letzten November einen Bonus von 1000 Franken bezahlte. Die Studentin freute sich. Weniger freuen darüber konnte sich deren Vater. Ihn kostet dieser Zustupf die Wenigkeit von 3480 Franken.

Ich kläre auf: Die Studentin verdiente letztes Jahr mit ihrem 60-Prozent-Pensum 28 145 Franken. Mit dem genannten Bonus von 1000 Franken kam sie auf ein Bruttoeinkommen von 29 145 Franken. Das sind genau 945 Franken zu viel. Der Vater verliert damit den Anspruch auf die monatliche Ausbildungszulage von 290 Franken, die ihm mit dem Lohn überwiesen wurden. Er muss nun die zwölfmal 290 Franken, die er übrigens als Einkommen zu versteuern hatte, zurückzahlen. Das Beispiel ist nicht erfunden.


Für ein Kind in Ausbildung haben die Eltern Anspruch auf Ausbildungszulagen von 290 Franken pro Monat. Dies bis zum 25. Altersjahr des Kindes. Nun steht in der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung wörtlich: «Nicht als in Ausbildung gilt ein Kind, wenn es ein durchschnittliches monatliches Erwerbseinkommen erzielt, das höher ist als die maximale volle Altersrente der AHV.» Die maximale volle Altersrente beträgt derzeit 28 200 Franken. Pech gehabt.


Und wenn wir schon beim Thema sind: Neben den 28 200 Franken gibt es noch einen anderen Schwellenwert, der das Portemonnaie der Eltern erheblich belasten könnte: 24 000 Franken. Verdient das in Ausbildung befindliche Kind mehr als besagte 24 000 Franken im Jahr, so verlieren die unterstützenden Eltern die steuerlichen Abzugsmöglichkeiten für das Kind. Im Kanton Bern sind das der Kinderabzug von 8000 Franken plus nachgewiesene Ausbildungskosten bis 6200 Franken im Jahr. Man rechne: 14 200 Franken weniger Abzüge ergeben bei einem Grenzsteuersatz von zum Beispiel 25 Prozent eine höhere Steuerbelastung von 3550 Franken.


Erschienen in der BZ am 4. August 2015

Claude Chatelain