Der neue Flughafenchef heisst Gantenbein

Mathias Gantenbein, ab 1. November 2015 der neue Chef im Belpmoos.
Mathias Gantenbein, ab 1. November 2015 der neue Chef im Belpmoos.

Die Flughafen Bern AG hat mit dem 37-jährigen Mathias Gantenbein einen Mann zum CEO ernannt, der privat und beruflich stets mit der Fliegerei verbunden war.

Beim Flughafen Bern ist einiges los, seit der Wirtschaftsanwalt Beat Brechbühl den Verwaltungsrat präsidiert und sich auch operativ einbringt: Mitte April wurde der Abgang des langjährigen Marketingleiters Daniel Steffen publik. Keinen Monat später kündigte Flughafendirektor Mathias Häberli. Und wiederum nur eine Woche später quittierte die Sicherheitschefin Nicole Käser den Job.

Nur zwei Monate nach Häberlis angeblich freiwilliger Kündigung vermochte Brechbühl dessen Nachfolger zu präsentieren: Es ist der 37-jährige Mathias Gantenbein, der in Bern aufgewachsen war und in seinem beruflichen Leben fast ausnahmslos mit Aviatik zu tun hatte.

 

Doktorarbeit zum Belpmoos

 

Während des Studiums in Bern wirkte der Wirtschaftsstudent bei der pleitegegangenen Air Engiadina, dann stand er acht Jahre bei der Credit Suisse unter Vertrag, wo er sich unter anderem mit Flugzeugfinanzierungen beschäftigte, beim Bundesamt für Zivilluftfahrt leitete er während zweier Jahre die Spezialfinanzierung Luftverkehr, und seit 2013 ist der Vater einer Tochter Chef der Bundesreisezentrale im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten. Die Doktorarbeit schrieb Gantenbein zur volkswirtschaftliche Bedeutung von Flughäfen am Fallbeispiel Bern-Belp.

 

«Seit Jahren bin ich beruflich und privat mit dem Flughafen verbunden», sagte Mathias Gantenbein gestern. Er besitzt das Flugbrevet und hatte sich schon 2008 für die Nachfolge des abtretenden Flughafendirektors Charles Riesen interessiert.

 

Nachhaltig weiterentwickeln

 

«Mein Ziel ist es, den Flughafen nachhaltig weiterzuentwickeln», meinte der neue Flughafenchef weiter, was immer das heissen mag. So oder so wäre es falsch, von einem CEO vier Monate vor Amtsantritt bahnbrechende Visionen zu erwarten.

 

VR-Präsident Beat Brechbühl lobte Gantenbein in den höchsten Tönen. Er sei aviatisch, kommunikativ und unternehmerisch beschlagen. Schon bei früherer Gelegenheit erklärte Brechbühl, dass er sich beim Flughafen ein stärkeres unternehmerisches Denken wünsche. Auf solche Äusserungen folgten Taten, indem Thomas Kern, der frühere CEO des Flughafens Zürich, in den Verwaltungsrat berufen wurde.

 

Gantenbein, der bisher vorab in der Verwaltung und in einer Grossbank tätig war, muss noch beweisen, ob er wirklich ein Macher ist. Und der Verwaltungsrat muss seinerseits unter Beweis stellen, dass er als CEO einen Macher und nicht einen Verwalter suchte. Von aussen betrachtet konnte bisher durchaus der Eindruck entstehen, dass sich nicht alle Verwaltungsräte bloss mit strategischen Fragen beschäftigen wollen.

 

Erschienen in der BZ am 11. Juli 2015

Claude Chatelain