Romantik-Hotels: "Wer heute jammert, jammerte schon vor vier Jahren"

Asiatische Touristen lassen sich in Luzern vor dem Pilatus fotografieren. Anders als Graubünden setzte die Innerschweiz früh auf ferne Märkte.
Asiatische Touristen lassen sich in Luzern vor dem Pilatus fotografieren. Anders als Graubünden setzte die Innerschweiz früh auf ferne Märkte.

Die Romantik-Hotels besinnen sich auf ihre Stärken und überlassen das Jammern den andern. Sollte das Sommergeschäft erneut vermiest werden, dann wird eher der Wettergott und nicht die Nationalbank dafür verantwortlich sein.

Dass Hoteliers jammern – daran hat man sich gewöhnt. Wer nun erwartet hätte, die Romantik-Hotels Schweiz würden das Klagelied des schwachen Euros fortsetzen, wurde am vergangenen Freitag ziemlich enttäuscht oder positiv überrascht — je nach Standpunkt. Am jährlichen Mediengespräch im Romantik-Seehotel Sonne in Küsnacht war der 15. Januar 2015 kaum ein Thema. Dabei hatte doch an jenem Tag die Schweizerische Nationalbank mit der Aufhebung der Euromindestgrenze den Hoteliers das Leben noch schwerer gemacht, als es schon war.

«Der schwache Euro ist eine Tatsache. Damit müssen wir leben», sagt Adrian K. Müller nüchtern. Er führt das Romantik-Hotel Stern in Chur und präsidiert die Kooperation Romantik-Hotels Schweiz.

 

Stärken statt Schwächen

 

Auch die anderen Hoteliers der Romantik-Gruppe setzten am Mediengespräch ihren Akzent auf die Stärken und nicht auf die Schwächen:

  • «Unser Betrieb wurde von Schweiz Tourismus als eines der 30 freundlichsten Hotels erkoren», hielt Sandra Schmid vom Hotel Schweizerhof in Flims fest.
  • «Früher hatten wir viele Gäste aus Deutschland, die bei uns einen Zwischenstopp machten. Heute haben wir viele Gäste aus Asien und Nahost», freute sich Catherine Julen-Grüter vom Seehotel Sonne in Küsnacht.
  • «Wir sind von einem bekannten Hotelkritiker zu den 15 Hoteltrouvaillen der Schweiz gewählt worden», bemerkte Samuel Dubno vom Romantik-Gasthof Hirschen in Eglisau.
  • «Wir sind bis Mitte September ausgebucht», verriet Otto Hauser vom Hotel Schweizerhof in Grindelwald.
  • «Wer heute jammert, jammerte schon vor vier Jahren», bringt es Jörg Deubner vom Romantik-Hotel Villa Carona im Tessin auf den Punkt.

 

Klar: Der Ausblick ist nicht berauschend. Im Kanton Graubünden liege der Buchungsstand gewisser Hotels bis 25 Prozent unter dem Vorjahr; dabei sei schon 2014 wetterbedingt schlecht gewesen, weiss Adrian K. Müller vom Romantik-Hotel Stern in Chur. Und Sandra Schmid bestätigt nebenbei, dass der Buchungsstand im Schweizerhof in Flims um 12 Prozent unter dem langfristigen Mittel liege. Doch Schmid wie Müller hoffen nun auf anhaltend schönes Wetter. Sollte also das Sommergeschäft erneut vermiest werden, dann wird wohl eher der Wettergott und nicht die Nationalbank dafür verantwortlich gemacht.

 

 

Wie man Romantik wird

 

Hotels und Restaurants haben strenge Anforderungen zu erfüllen, um sich der Marketingorganisation Romantik anschliessen zu können. Das Haus muss historisch gewachsen sein, hohen Ansprüchen an Küche und Keller genügen, ein gepflegtes und einzigartiges Ambiente bieten und vom Inhaber persönlich geführt werden. Wobei dieser letzte Punkt mehr und mehr aufgeweicht wurde, weil sonst typische Romantik-Hotels ausgeschlossen werden müssten. Zur Gruppe zählen rund 200 Hotels und Restaurants in neun Ländern, darunter 28 in der Schweiz. Womöglich sind die Romantik-Hotels mit ihrem Produkt besser positioniert als Konkurrenzbetriebe, für welche in diversen Gazetten ein kollektives Hotelsterben prophezeit wird. «Der Japaner versteht Romantik», erklärt Otto Hauser vom Schweizerhof in Grindelwald. Er kann auf eine langjährige und treue Kundschaft aus dem fernöstlichen Inselreich zählen. Hauser geht davon aus, dass irgendeinmal auch der riesige Markt Chinas für persönlich geführte Hotels interessant wird, wenn dereinst die Chinesen nicht nur in Massen, sondern wie die Japaner auch individuell auf Reise gehen.

 

Früh auf ferne Märkte gesetzt

 

Der Schweizerhof in Grindelwald profitiert davon, dass das Berner Oberland, wie auch die Innerschweiz und das Wallis, schon früh auf ferne Märkte setzte und daher weniger anfällig ist auf die Euroschwäche. Dies im Unterschied zur Destination Graubünden, die jahrelang mit dem Slogan «Die Ferienecke der Schweiz» auf den europäischen Markt fokussierte. Freilich ist einzuräumen, dass Graubünden kein Matterhorn, keinen Titlis, kein Schilthorn und auch keine Jungfrau mit ihrem Top of Europe vorzuweisen vermag. um Asiaten, Inder und Araber in Scharen anzulocken. «Unsere Trümpfe sind die Bahnen Glacier-Express und Bernina-Express mit der Albula-Linie, die zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt wurde», meint Romantik-Präsident Adrian Müller aus Chur. Freilich ist die Wertschöpfung der Bahnangebote nicht immer hochwertig. Eben erst hatte Müller ein mehrtägiges Reisepackage mit dem Bernina-Express gesichtet: Die Reise führt mehrheitlich durch Graubünden; übernachtet wird ausschliesslich im nahen Ausland.

 

Erschienen in der BZ am 5. Juli 2015

Claude Chatelain