Für die Deutschen ein Horror, sollten die Griechen vom Grexit profitieren

Man stelle sich vor, der Grexit wird Tatsache, griechische Banken gehen pleite, es gibt Turbulenzen, die Griechen führen wieder die Drachme ein, der grösste Teil der Staatsschulden muss abgeschrieben werden, da ja die Gläubigerbanken selber schuld sind, dass sie den Griechen derart viele Kredite zu viel zu günstigen Konditionen angeboten hatten.

Aber dann, so nach zwei oder drei Jahren fängt sich die griechische Wirtschaft wieder auf; das Brutto-Sozialprodukt wächst, neue Arbeitsplätze werden geschaffen; die Arbeitslosigkeit sinkt. Die Drachme wird zwar gegenüber dem Euro immer wieder abgewertet, aber den Griechinnen und Griechen gehts besser oder zumindest weniger schlecht als heute.


Für die Euroturbos ein blankes Horrorszenario. Ihnen würde dann plakativ vorgeführt, was ernst zu nehmende Ökonomen schon immer gesagt haben: die Einheitswährung funktioniert nicht. Die Produktivitätsunterschiede innerhalb der Eurozone sind nun mal gewaltig. Früher konnten wenig produktive Länder ihre Währung abwerten und somit wettbewerbsfähig bleiben. Mit der Einheitswährung fehlt nun dieser Puffer.


Portugal, Spanien und eventuell Italien könnten auf den Geschmack kommen. Sie würden voller Neid nach Griechenland schauen und es den Griechen nachmachen. Spätestens dann würden  auch die Politiker eingestehen, was ihnen die Ökonomen prophezeiten. Davor haben Merkel, Schäuble und ihre Adlaten in Brüssel angst. Kunststück, denn insbesondere die Deutschen profitierten extrem von der Euro-Zone und dem schwachen Euro. Das bestätigt ihre Exportbilanz.


Erschienen auf BZ-online am 25. Juni 2015

Claude Chatelain