Selbständige vertrauen auf den Berufsverband

Physioswiss bietet seinen Mitgliedern BVG-Lösungen an.
Physioswiss bietet seinen Mitgliedern BVG-Lösungen an.

Für Selbstständige ist es nicht immer einfach, sich bei einer Vorsorgeeinrichtung der 2. Säule zu versichern. Glücklich schätzen können sich jene, deren Berufsverband seinen Mitgliedern BVG-Lösungen anbietet.

Physiotherapeutin, 40-jährig, macht sich selbstständig. Sie möchte im Alter nicht bloss von der AHV eine Rente erhalten, sondern ebenfalls von einer Pensionskasse. Zum Glück bietet ihr Berufsverband Lösungen in der 2. Säule an. Ohne das Angebot von Physioswiss sähe es für die Physiotherapeutin düster aus.


Notnagel Auffangeinrichtung


Wie andere Selbstständige könnte sich die Physiotherapeutin bei der Auffangeinrichtung BVG versichern lassen. Das wäre aber nur eine suboptimale Lösung, weil der Anschluss an dieses letzte Auffangnetz mit verhältnismässig hohen Kosten verbunden ist. Lediglich 253 Selbstständigerwerbende waren per Ende 2014 bei der Auffangeinrichtung versichert.


Es gäbe noch einen anderen Ausweg, sich einer Vorsorgeeinrichtung anzuschliessen: Die Therapeutin könnte eine Person anstellen und ihr einen Jahreslohn von mindestens 21 150 Franken zahlen. Da die angestellte Person obligatorisch via 2. Säule zu versichern ist, könnte sich die Physiotherapeutin bei der gleichen Vorsorgeeinrichtung versichern lassen. Doch wer will schon eine Person unter Vertrag nehmen, nur um sich der beruflichen Vorsorge zu unterstellen. Viele Selbständige sparen nur im Rahmen der Säule 3a. Im Vergleich zu Angestellten können Selbstständige höhere Beiträge aufs Konto 3a überweisen und steuerlich geltend machen, bis 33 840 Franken im Jahr. Im Alter gibts ein ordentliches Kapital. Aber gemäss dem vorliegenden Beispiel möchte die Frau im Alter eine Rente haben.


Aufgeschobene Leibrente


Früher war das anders: Da gab es vernünftige Alternativen ausserhalb der 2. Säule. Man konnte bei einer Versicherung eine aufgeschobene Leibrente kaufen. Das haben viele Physiotherapeuten gemacht, bevor Physioswiss seinen Mitgliedern Lösungen anzubieten vermochte. Leibrenten kann man heute immer noch abschliessen. Nur sind die Bedingungen wegen der anhaltend tiefen Zinsen derart unattraktiv geworden, dass sie als Alternative kaum mehr in Betracht kommen.


Beispiel: Eine 40-jährige, selbstständige Physiotherapeutin verlangt beim Berufsverband eine Offerte für einen Minimalplan bei einem Jahreslohn von 50 000 Franken. Sie verfügt aus ihrer früheren Tätigkeit über ein Freizügigkeitskapital von 30 000 Franken. Für den Spar-, Risiko- und Kostenbeitrag überweist sie der Vorsorgeeinrichtung jährlich 3492 Franken. Damit erhält sie ab Alter 64 eine jährliche Altersrente von voraussichtlich 10 461 Franken. Nun verlangt die Frau von Swiss Life eine Offerte für eine aufgeschobene Leibrente. Sie wird der Versicherung ebenfalls auf einen Schlag 30 000 Franken als Einlage überweisen. Um die Leistungen vergleichen zu können, will sie jährlich 3492 Franken Prämie bezahlen. Swiss Life offeriert bei diesen Vorgaben eine Rente von 4179 Franken. Weniger als die Hälfte dessen, was Physioswiss anbietet.


Grosse Unterschiede


Die Höhe der BVG-Rente von Physioswiss ist freilich nicht garantiert. Gemäss heutiger Einschätzung ist damit zu rechnen, dass der gesetzliche Mindestumwandlungssatz im Rahmen der Altersvorsorge 2020 von Bundesrat Alain Berset gesenkt wird, was zu einer tieferen Rente führen wird. Im Unterschied dazu sind die 4179 Franken von Swiss Life garantiert. Zudem stellt der Lebensversicherer noch eine Bonusrente in Aussicht. Bei einer optimistischen Zinsentwicklung könnte die Gesamtrente bis auf 4700 Franken steigen. Damit nicht genug der Unterschiede: Entschliesst sich die Physiotherapeutin für die BVG-Lösung, ist sie zusätzlich gegen Invalidität versichert. Und bei Tod hätten unterstützungspflichtige Kinder erst noch Anspruch auf eine Waisenrente.


Freilich ist zu bedenken, dass Stand heute die BVG-Rente von Physioswiss zu 100 Prozent und die Leibrenten bloss zu 40 Prozent als Einkommen zu versteuern sein werden. Trotzdem kommt eine Leibrentenversicherung nicht an die Leistungen der BVG-Lösung heran.


Erschienen in der BZ am 26. Mai 2015

Claude Chatelain