Wie sich die Regionalbanken gegen einen Zinsschock absichern

Mit dem Vergeben von langfristigen Hypotheken gehen Banken ein beträchtliches Risiko ein. Es sei denn, sie sichern sich gegen höhere Zinsen ab. Berner Banken verfolgen ganz unterschiedliche Strategien.

«Ich hoffe sehr, dass sich die Banken gegen das Zinsänderungsrisiko absichern.» Das sagte Lukas Gähwiler an einem Medienfrühstück in Zürich. Der CEO von UBS Schweiz machte auf die verhängnisvollen Auswirkungen der von der Nationalbank verordneten negativen Zinsen aufmerksam. Verhängnisvoll wären abrupt steigende Zinsen, wie sie nie auszuschliessen seien. Zu spüren bekämen das Regionalbanken mit einem hohen Bestand an langfristigen Hypotheken. Sollten die Zinsen derart steigen, sodass Banken für Spargelder höhere Zinsen zahlen müssen, als sie für langjährige Festhypotheken erhalten, könnten sie in die Bredouille geraten. Es sei denn, sie hätten sich gegen das drohende Zinsänderungsrisiko abgesichert.


Teure Absicherung führt zu einer tieferen Zinsmarge


Peter Vonlanthen kann den Chef von UBS Schweiz beruhigen. «Wir sichern alle unsere langfristigen Festhypotheken von fünf und mehr Jahren ab», erklärt der GL-Vorsitzende der DC Bank in Bern, obschon die Burgerbank verhältnismässig wenige langfristige Hypotheken vergibt. Er tut dies mit sogenannten Zins-Swaps, die nicht gerade billig sind. Doch die DC Bank ist bekannt für ihr risikoarmes Geschäftsmodell. Sie nimmt mit dieser Strategie eine tiefere Zinsmarge in Kauf. Absicherungsgeschäfte haben den Charakter einer Risikoversicherung. Mit dem Kauf entsprechender Instrumente wie eben den genannten Zins-Swaps sichert sich eine Bank gegen höhere Zinsen ab.


Banken können sich aber auch über die Bilanz gegen einen abrupten Zinsanstieg absichern. Dies geschieht, indem man den langfristigen Hypotheken auf der Aktivseite langfristige Verpflichtungen auf der Passivseite gegenüberstellt, namentlich Pfandbriefdarlehen und Kassenobligationen. Wobei es laut Peter Vonlanthen nicht immer einfach ist, «Bankgeschäfte fristenkongruent zu finanzieren». Beispiel: Will ein Kunde eine achtjährige Festhypothek abschliessen, besteht keine Gewähr, dass die Bank auch Kunden findet, die bereit sind, achtjährige Kassenobligationen zu zeichnen. Warum sichert sich die DC Bank mit teuren Absicherungsinstrumenten wie Zins-Swaps und nicht mit langfristigen Pfandbriefen ab? «Wir gehören zu den wenigen Banken, bei denen die Kundengelder die Ausleihungen übertreffen», erklärt Peter Vonlanthen. Es sei wenig sinnvoll, mit Pfandbriefdarlehen und Obligationen noch mehr Gelder aufzunehmen und damit die Passivseite noch stärker aufzublähen.


«Wir erfüllen das berechtigte Kundenbedürfnis»


Auffallend ist der hohe Bestand langfristiger Hypotheken bei der Spar- und Leihkasse Frutigen. 24,39 Prozent der Hypothekarforderungen sind erst nach fünf Jahren fällig. Werden diese gezielt gepusht? «Nein», erwidert Bankleiter Daniel Schneiter. «Im Gegenteil, wir erfüllen das vorhandene, berechtigte Kundenbedürfnis.» Zudem liege die durchschnittliche Laufzeit der Festhypotheken deutlich unter fünf Jahren. «Wir sichern unsere langfristigen Kredite von 150 Millionen Franken mit Absicherungsinstrumenten ab», erklärt Schneiter. Ganz andere Bedürfnisse scheinen die Kunden der AEK Bank 1826 in Thun zu haben. Der tiefe Anteil der langfristigen Hypotheken sei Ausdruck der Einschätzung, dass Kunden mit langfristigen Hypotheken nicht gut beraten seien, erklärt Direktor Remo Häcki. Dank dieser Einschätzung zur Zinssituation konnte die AEK Bank auf Absicherungsgeschäfte verzichten.


«Es gibt keinerlei Anzeichen einer Zinswende»


Ziemlich gelassen gibt sich die Bank Brienz Oberhasli (BBO). «Es gibt keinerlei Anzeichen einer Zinswende. Wir sehen derzeit keine Veranlassung, die langfristigen Festhypotheken mit teurem Geld abzusichern», erklärt Gerold Baumgartner, Bankleiter der BBO. Man beobachte aber die Entwicklung laufend. Auch die Ersparniskasse Affoltern sieht laut Bankleiter Christoph Müller keinen Grund, sich mit Absicherungsgeschäften gegen einen Zinsschock zu wappnen. Erstens führt die Ersparniskasse nur sehr wenige langfristige Hypotheken im Portefeuille. Zweitens hat das kostengünstig geführte Haus kein aufwendiges Filialnetz zu unterhalten und ist mit genügend Eigenkapital ausgestattet. Über ein noch dickeres Kapitalpolster verfügt die Bank EEK. Mit einem Eigenmitteldeckungsgrad von 434 Prozent sind die Eigenmittel der Stadtberner Bank viermal höher, als sie aufgrund der gesetzlichen Vorgaben sein müssten (Ausgabe von gestern). Die Bank EEK kann es sich daher leisten, auf teure Absicherungsgeschäfte weitgehend zu verzichten und nur einen Teil der langfristigen Festhypotheken über die Bilanz abzusichern.


Erschienen in der BZ am 21. April 2015

Claude Chatelain