Hotelréception statt Schalterhalle

Im zurückliegenden Geschäftsjahr hat die DC-Bank nach eigenen Angaben die Erwartungen übertroffen. Grosse Erwartungen hegt die Burgerbank an den neuen Geschäftssitz.

Die DC-Bank zügelte Ende November von der Kochergasse an die Schauplatzgasse. Wenn nun Bankratspräsident Manuel Frick von einem Paradigmawechsel spricht, hat das weniger mit den 362 Schritten zu tun, die den neuen vom alten Standort trennen, als vielmehr mit dem neuen Auftritt. Der Empfangsraum hat Züge einer Hotelréception und weniger jene einer Schalterhalle. Das ist gewollt. Das Persönliche soll stärker gewichtet werden. Die denkmalgeschützte, geschwungene Treppe führt in die Räume, wo die Berater ihre Kunden empfangen.


Kommissionserträge wachsen


«Ein Drittel des Geschäfts erwirtschafteten wir mit dem Kommissionsgeschäft.» Für eine Regionalbank sei das viel, freute sich gestern Manuel Frick am Mediengespräch über den Jahresabschluss 2014. Vor dem Hintergrund der schwierigen Entwicklung an der Zinsfront sei das ein positiver Trend. Wobei einzuräumen ist, dass der wachsende Anteil des Kommissionsgeschäfts nicht nur auf höhere Erträge im indifferenten Geschäft, sondern gleichzeitig auch auf einen Rückgang im Zinsengeschäft zurückzuführen ist. Die im Besitz der Burgergemeinde Bern befindliche Bank erfreut sich eines treuen Kundenstamms, der ihr viel Geld anvertraut. So sind die Kundengelder höher als die Ausleihungen, was eher aussergewöhnlich und im heutigen Umfeld nicht einfach zu bewerkstelligen ist. Liquidität ist bei negativen Zinsen nicht sonderlich gefragt. Dabei macht es sich die 190-jährige Bank selber nicht einfach, weil sie einen verhältnismässig hohen Bestand an Kassenobligationen besitzt, praktisch keine langfristigen Hypotheken vergibt und die wenigen langfristigen Hypotheken für teures Geld erst noch absichert. All dies, um einem risikoarmen Geschäftsmodell Genüge zu tun und die treue Kundschaft bei der Stange zu halten. Die frühere Deposito Cassa der Stadt Bern nimmt damit eine tiefere Zinsmarge in Kauf. Die Bank ist nach den Liegenschaften der zweitgrösste Aktivposten der Burgergemeinde Bern. In dieser Eigenschaft kann sie der Eigentümerin trotzdem alle Jahre 2,5 Millionen Franken abliefern.


Erschienen in der BZ am 24. März 2015

Claude Chatelain