Vierte Säule: Vom BLVK-Debakel nichts gelernt

Wieder ist der Stiftungsrat einer beruflichen Vorsorgeeinrichtung unter Beschuss geraten. Daran haben wir uns im Kanton Bern gewöhnt. Das Debakel rund um die Bernische Lehrerversicherungskasse (BLVK) ist in bester Erinnerung.

Mit der Personalvorsorgestiftung Bolligen-Ittigen-Ostermundigen (PVS BIO) ist nun eine vergleichsweise kleine Einrichtung in die Schlagzeilen geraten. Nach Einschätzung von Colette Nova, im Bundesamt für Sozialversicherungen zuständig für die berufliche Vorsorge, hat der Stiftungsrat versagt. Das schrieb sie in einem 13-seitigen Papier, weil sie ebenfalls im Grossen Gemeinderat die SP vertritt und damit als Steuerzahlerin direkt betroffen ist. «Die Unterdeckung der Pensionskasse wäre bei guter Leistung durch den Stiftungsrat weitestgehend vermeidbar gewesen», steht im Papier, das sie zusammen mit Hans Flury, dem ehemaligen Finanzchef der BLS verfasste. Nun werden die Steuerzahler zur Kasse gebeten.

Grossratspräsident Beat Giauque als Ehrengast am Sechseläuten 2012. Seine Rolle bei der Personalvorsorgestiftung ist weniger ehrenvoll.
Grossratspräsident Beat Giauque als Ehrengast am Sechseläuten 2012. Seine Rolle bei der Personalvorsorgestiftung ist weniger ehrenvoll.

Interessant ist ein Phänomen, dass immer wieder zu beobachten ist: Stiftungsräte sind persönlich betroffen, wenn es um Sanierungen geht. Das gilt insbesondere für die älteren Semester. Exemplarisch kann man das am Beispiel von Beat Giauque aufzeigen, dem langjährigen Gemeindepräsidenten von Ittigen, der Ende März 2015 in Pension geht. Hätte er sich als Stiftungsrat für jene Massnahmen eingesetzt, welche man laut Nova und Flury schon vor Jahren hätte treffen sollen, nämlich den Wechsel ins Beitragsprimat mit der einhergehenden Kürzung der Renten, so kriegte er heute eine deutlich tiefere Rente.

 

Womit ich nicht gesagt haben will, dass Beat Giauque aus persönlichem Interesse so und nicht anders handelte. Er vertraute wohl wie andere Stiftungsräte auf den Pensionskassen-Experten der Firma AON Hewitt, der jeweils der Stiftungsaufsicht rapportierte, wonach man mit der Sanierung der Pensionskasse auf Kurs sei.

 

Nicht verhehlen möchte ich aber an dieser Stelle, dass Beat Giauque seit 2002 für die FDP im Grossen Rat sitzt. Als Grossrat hat er das Debakel rund um die BLVK und die teuren Folgen für den Steuerzahler hautnah miterlebt. Schade, dass er als langjähriger Stiftungsrat der PVS BIO daraus keine Lehren gezogen hat.

 

Erschienen auf BZ-online am 21. März 2015

Claude Chatelain